SamsTagging – I

September 1, 2012

I wie Interkulturelle Kompetenz

In der Fachliteratur wird Interkulturelle Kompetenz mit 3 Kompetenzebenen umschrieben:

  • Self and culture awareness: Kulturbewusstsein
    • Bewusstsein über die eigene kulturelle Prägung
    • Sensibilisierung dafür, dass Werte und Normen anders sind
    • Bewusstsein über den eigenen Umgang mit dem Fremden und die eigenen Abwehrhaltungen
  • Culture Knowledge: Kulturwissen
    • Kenntnis über die eigene und fremde Kultur
    • Kenntnis über fremde Verhaltensweisen
  • Skills: Handlungskompetenz
    • Widersprüche aushalten und das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven entwickeln
    • zwischen Wahrnehmung und Interpretation unterscheiden, Annahmen prüfen
    • eine nicht wertende Haltung entwickeln
    • Unterschiede erkennen, respektieren und nutzen
    • empathisch zuhören, Interesse und Respekt zeigen

Quellen: Kalt, M. (2006): Interkulturelle Aspekte beim Coaching. In: E. Lippmann (Hrsg.): Coaching. Angewandte Psychologie für die Beratungspraxis. Springer: Heidelberg

Im Bibliotheksbereich wird der Thematik rund um die Interkulturelle Kompetenzentwicklung viel Raum gegeben, sei es durch entsprechende Fortbildungsangebote oder durch zielgruppenorientierte, interkulturelle Bibliotheksarbeit. Mehr dazu im Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes.

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Abstract BIB-Sommerkurs 2012: Yilmaz Holtz-Ersahin

April 2, 2012

Durch den demographischen Wandel wird die Zahl der Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte zunehmen. Dadurch wird unsere Gesellschaft bunter und internationaler. Aufgrund dieser Realität brauchen die Kultur- und Bildungsintitutionen einen gedanklich-konzeptionellen Perspektivenwechsel und das damit verbundene Handeln.

Interkulturelle Kompetenzen und der konstruktive Umgang mit kultureller Differenz sind wichtigste Schlüsselfaktoren für die öffentlichen Bibliotheken des 21. Jahrhunderts.

Im 15. BIB-Sommerkurs in Bamberg [Anmeldung bis 10.05.12 Neu: 01.06.12] lernen wir durch den Leiter der Türkischen Bibliothek der Stadtbibliothek Duisburg, Yilmaz Holtz-Ersahin, eine Good Practice-Bibliothek kennen, die die Zeichen der Zeit bereits vor 40 Jahren erkannt und danach gehandelt hat: die Stadtbibliothek Duisburg.

Duisburg ist eine der bedeutendsten Einwanderungsstädte Europas, und dies seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, Schlagwort: Bergbau. Der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung in Duisburg beträgt heute 33 Prozent, in der Mehrzahl türkischer Abstammung.

Das UNESCO Public Library Manifest von 1994 fordert, dass Dienstleistungen der Allgemeinen Öffentlichen Bibliotheken auf der Gleichheit des Zugangs für alle basieren, unabhängig von Alter, Rasse, Geschlecht, Religion, Nationalität, Sprache oder sozialem Status. Weltweit versuchen Öffentliche Bibliotheken diese Vorgaben umzusetzen. Auch die IFLA, International Federation of Library Association and Institutions hat 1998 Richtlinien für Bibliotheksdienstleistungen in multikulturellen Kommunen herausgegeben.

„40 Jahre Türkische Bibliothek in der Stadtbibliothek Duisburg“ machen es uns vor.

Nachfolgend die Vita des Kollegen Yilmaz Holtz-Ersahin, die bewusst umfassender dargestellt wird, da stellvertretend für manch andere Migrationsrealitäten.

o Lektor für fremdsprachige Literatur und Türkische Bibliothek bei der Stadtbibliothek Duisburg.

o Geboren am 01.01.1972 in Hinis bei Erzurum (Türkei).

o 1990 Studium der Geschichte und Literaturwissenschaften in Erzurum.

o 1991 Übersiedlung nach Deutschland und Studium der Geschichte und Kommunikations-und Medienwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Abschluss Magister Artium.

o Seit WS 2004 / 2005 Lehrbeauftragter im Bachelor-Integrationsstudiengang Medien- und Kulturwissenschaft.

o Aktuelle Lehraufträge am Institut Kultur- und Medienwissenschaften sowie Universitätssprachenzentrum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

o Seit April 2007 Mitglied im Mentee-Programm „U 40 – Kulturelle Vielfalt 2030“ Nachwuchsförderung im Rahmen „UNESCO-Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“.

o Assoziiertes Mitglied in Forschungsprojekten „Mündliche Überlieferungen“ , „Fra diaspora e emigrazione“, „Musica Occidentale Orientale“ bei Università degli Studi di Napoli l’Orientale und Universität Salerno, Italien.

o Doktorand am Institut für Journalistik an der TU Dortmund mit dem Forschungsschwerpunkt: „Medien und Integration in Deutschland“

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Zu den Abstracts von Thomas MertinDaniela Meidlinger | Frauke Schade


Rückblende 3. Deutscher Weiterbildungstag 2010

September 27, 2010

Unter dem Motto „Bildung stärken, Chancen nutzen“ fand am 24. September 2010 der 3. Deutsche Weiterbildungstag statt. Zum Thema „Interkulturelle Kompetenz in Bildungseinrichtungen“ luden die BIB-Kommission für Fortbildung in Kooperation mit dem WEGA-Team nach Bamberg ein. [Details zur Einladung]

Die angekündigten Referentinnen zur vierstündigen und für alle Interessierten offenen Gesprächsrunde diskutierten die Gründe, warum der Themenaspekt Interkulturelle Kompetenz trotz aller Medienpräsenz gerade bei der Bildungseinrichtung „Bibliothek“ offensichtlich wenig angesagt ist. Andere Einrichtungen wie Volkshochschule oder Berufsberatungen nehmen wesentlich reger derartige Fortbildungsthemen an.

Interkulturelle Kompetenz – ein Erfolgsdruck?

„Da muss man über sich selbst reden“, so die Überlegung von Susanne Schneehorst. Die Nürnberger Bibliothekarin mit langjährigen Erfahrungswerten zum Thema Integration berichtete jedoch andererseits von einer rasant wachsenden Nachfrage. Diese jedoch weniger zur generellen Kompetenzbildung als vielmehr zu rein praktischen Fortbildungen, etwa dem gezielten Bestandsaufbau mit fremdsprachigen Medien oder integrative Veranstaltungsarbeit.„Das ist mittlerweile schon richtig Stress für mich“, meinte sie augenzwinkernd über ihre zunehmenden Vortragsreisen.

Rebecca Englert, Integrationslotsin aus Salzburg und mit einem Master zur Informationskompetenz ausgezeichnet, mutmaßte, ob möglicherweise eben der Begriff „Kompetenz“ einen zu hohen Erfolgsdruck auslöse und mithin eine Hemmschwelle darstelle. „Sensibilisierung“ wäre demnach für sie wohl der geeignetere Begriff. Ihre Erfahrungen aus der Bibliothekswelt zeigen, dass eine integrative Kompetenz bzw. Sensibilisierung in der Kommunikation sowie die bewusste Wahrnehmung des „Eigenen und Fremden“ für die beruflichen Alltagssituationen und -arbeiten von grundlegender Bedeutung sind.

Für die beiden Integrations-Referentinnen war der Deutsche Weiterbildungstag eine gute Gelegenheit, sich über diese und weitere Fragen zwanglos auszutauschen.

Über die Griechen

Frau Englert brachte außerdem einen griechischstämmigen Gast, die Pädagogin, Übersetzerin und WDR-Radiosprecherin Vicky Prokopi, mit nach Bamberg. Die beiden hatten sich über Xing über die Gruppe zur Interkulturalität kennengelernt.

Frau Prokopi warf das Stichwort „die Pädagogik der Räume“ und ihre Auswirkung auf das Selbstverständnis der Landesbewohner in die Runde. Sie berichtete vom hohen Geschichts- und Selbstbewusstsein der Busfahrer in Athen, die täglich an den ehrwürdigen Zeugnissen griechischer Hochkultur von Weltgeltung vorbeiführen und stolz auf ihre Abstammung seien. Manchmal etwas sehr stolz, schmunzelte Prokopi, da sie die Kultur jedes anderen Landes als ebenso wichtigen Beitrag zur heutigen Weltkultur empfindet.

Vicky Prokopi bestätigte außerdem einige Annahmen über die Umgangsformen der Griechen, die die Gastgeberin der Gesprächsrunde, Ilona Munique (die Blogschreiberin hier), aus einer Sammlung zur Interkulturellen Kommunikation zum Besten gab. Beispielsweise der Gestenreichtum und die strikte Nachmittagsruhe von 15 bis 18 Uhr, die jegliche Störung als absolute Unhöflichkeit brandmarkt.

Pünktlichkeit, Siezen und Kopftuchtragen

Heiterkeit löste der Erfahrungsaustausch der Gruppe zum Aspekt Pünktlichkeit aus. So lässt eine Nachmittagsverabredung je nach Kulturraum einen Kommensspielraum von bis zu 23 Uhr zu. Oder auch einer plötzlichen Absage, lachte Rebecca Englert, die sich frägt, ob es denn ein Gen für Pünktlichkeit gäbe? Sie war sich jedoch der Pauschalisierungsgefahr solcher Aussagen durchaus bewusst. Jeder Mensch müsse als Einzelperson mit seinen ganz spezifischen Eigenschaften erfahren werden.

Auch das Duzen oder Siezen unterliegt landestypischen Regeln. So berichtete Frau Englert davon, dass es in ihrer vietnamesischen Familie etliche „Siez-Onkel“ für sie gäbe. Die hierarchische Stellung zueinander wäre entscheidend. Diese wird bei jeder Erstbegegnung umgehend „abgeklopft“, um die künftig zu gestaltende Kommunikationsweise rasch zu klären.

Aufschlussreich war ein von Susanne Schneehorst durchgeführter Test aus dem „Heft zum Kopftuch“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Gemeinsam schaffte die Runde viele richtige Antworten, obwohl die Fragen nicht ganz leicht waren. Oder wissen Sie, wo vorübergehend der Tschador (eine Kopftuchform) an der Uni verboten war? In Ägypten, England oder der Schweiz?

Hoffnungen

Überhaupt hatte sich Susanne Schneehorst für den Gesprächskreis bestens vorbereitet. So hatte sie das neu erschienene, deutsch-französisch geschriebene Kinderbuch „Wir gehen in die Bibliothek – À la bibliothèque“ mit im Gepäck. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, diesem mögen noch weitere Übersetzungen folgen.

Der Deutsche Weiterbildungstag war wieder eine gute Gelegenheit, Themen der Fortbildung und Weiterbildung zwanglos und informativ zu präsentieren und dabei von einer gesamtdeutschen medialen Aufmerksamkeit bei über 700 Einzelveranstaltungen zu profitieren. Wir hoffen sehr, das er weiterhin angeboten wird!

BIB-Landesgruppen, die sich dem nächsten Termin (ob und wann, das wird derzeit aktuell beraten) anschließen möchten, werden von der BIB-Kommission für Fortbildung rechtzeitig informiert und bei Bedarf mit Werbemitteln ausgestattet. So könnten sie zum Beispiel einen Fortbildungstermin auf das entsprechende Datum setzen und von der hohen medialen Aufmerksamkeit profitieren.


Integration – trotz und wegen Herrn S.

September 9, 2010

Wir waren zuerst da. Vor diesem gewissen Herrn S., der allerdings, man muss es ihm lassen, uns mehr ins Rampenlicht rückt, als wir es ahnen konnten. WIR, das sind all diejenigen, die sich um das Thema „Integration“ bemühen und entsprechende NIVEAUVOLLE Veranstaltungen zu Wege bringen. Beispielsweise die Schrader-Stiftung mit ihrer bundesweiten Fachtagung am 15.-16.09.2010 in Darmstadt mit dem Titel: „Angebotsstrukturen im ländlichen Raum“ im Rahmen des Forschungsprojektes „Integrationspotenziale in kleinen Städten und Landkreisen“. Ich wüsste ja zu gerne, ob darin Bibliotheken irgend eine bescheidene Rolle spielen.

Und WIR, das ist beispielsweise der Berufsverband Information Bibliothek (BIB), der das Thema „Interkulturelle Bibliotheksarbeit“ zu seine Schwerpunktthema in Jahr 2010 machte. Und der über seine Kommission für Fortbildung (FobiKom) anlässlich des 3. Deutschen Weiterbildungstages am 24.09.2010 in Bamberg zu einem offenen Gesprächskreis „Interkulturelle Kompetenz in Bildungseinrichtungen“ einlädt. Formlose Anmeldung genügt. (Es soll immer noch ein paar geben, die diesen Weblog hier zum ersten Male lesen und noch nichts davon wissen. Oder kein Inetbib abonnieren. Oder keine BuB lesen. Keine Fortbildungsportale durchsuchen, keine Einladungs-E-Mails von uns empfangen haben … und überhaupt einfach im Urlaub waren, monatelang, und nicht wissen, was in Deutschland gerade wieder mal am Hochdampfen ist …)

Im Anschluss an diesen Termin, zufällig auch in Bamberg, ein drittes Mal WIR, der Migranten- und Integrationsbeirates (MIB) der Stadt Bamberg mit seinen ab 25.09.2010 beginnenden 16. Interkulturellen Wochen. 16x (!) also ein Beweis, dass das Thema länger schon unter den Nägeln brennt. Und keinesfalls aus den Augen verloren werden darf. Auch und gerade nicht in Stätten gelebter Chancengleichheit und Non-Zensur: in Bibliotheken. Worin Sie übrigens auch aus genau diesen Gründen den gewissen Herrn S. finden. Nicht, dass wir das so lustig finden.

Vom Süden in den Norden, ein viertes WIR: sechs Bibliotheken mit Lesungen zum Thema „Ferne Länder, ganz nah“. Gelesen im netbib weblog.

Noch mehr Beispiele? Na, kurz gesagt: WIR sind glücklicherweise VIELE. Was ja nicht immer gut sein muss, zugegeben. Doch sind wir auch VIELFÄLTIG. Und das ist allemal klüger, als einseitig zu sein.


Rebecca Englert ist berühmt …

August 31, 2010

… zumindest ist die Annahme naheliegend, wenn sogar das Stadtblatt Salzburg (S. 6-7, „Anders ein als Bereicherung sehen“) von ihr berichtet. Gestern stellte ich Frau Englert als einen unserer beiden Gäste aus Anlass des am 24.09. stattfindenden 3. Deutschen Weiterbildungstags vor: in Bamberg zum Thema „Interkulturelle Kompetenz in Bildungseinrichtungen“. Ich glaube, derzeit gibt es allen Grund, ein Gegengewicht zu einem gewissen Herrn S. zu bieten.

Ihre zahlreiche Anmeldungen könnten dies besiegeln.


FaMI-Tag in Nordrhein-Westfalen

September 29, 2009

Zum zweiten Mal veranstaltet der BIB-Landesverband Nordrhein-Westfalen einen Fortbildungstag nur für Assistent(inn)en und Fachangestellte für Medien und Informationsdienste. Er findet am 5. Oktober 2009 in der Stadtbibliothek Mühlheim an der Ruhr statt.

Folgende Fragen möchten beantwortet werden:

  • Was macht ein FaMI nach der Prüfung?“
  • Interkulturelle Kompetenz oder wie begegne ich Kunden aus anderen Kulturen?
  • Weblogs, Wikis, RSS…, USB-Stick, Palm, iPod… was ist das eigentlich?

Weitere Vorträge und Workshops behandeln die Themen:

  • Spiele(n) in der Bibliothek: Tipps zur Organisation und Durchführung
  • Internetrecherche in Bibliotheken
  • Zukunft des FaMIs trotz Selbstverbuchung und Outsourcing

Informationen zum Programm und zur Anmeldung (.doc | 23 KB)