Der Ertrag einer Tagung … und eines Weblogs

Lieber Jürgen. Danke für Dein gestriges best Practice-Beispiel zum Ertrag von Tagungen. Die Erkenntnisse kann ich  bestätigen und als Grundlage meines heutigen Beitrags verwenden. Sie führen mich vom gewünschten Ertrag einer Tagung zum möglichen Ertrag eines Weblog-Betreibens.

Anfangs kam ich mir komisch vor …

Ich gehöre zu denen „schlimmstenfalls“ (siehe Dein erster Absatz), die ihre Aufzeichnungen an Tagungen im Zug oder zuhause durchgehen. Um aus dem Gekrakel schlau zu werden, bin ich sehr dankbar, steht mir eine PowerPoint-Präsentation zur Verfügung, an der ich mich dann orientieren kann. Da das häufig nicht so schnell der Fall ist, wie Du ganz treffend angemerkt hattest, setze ich mich bei den Vorträgen möglichst zentral und fotografiere (ohne Blitz) jede Folie mit.

Anfangs kam ich mir komisch dabei vor. Alles guckt erst mal. Zuweilen werde ich von wohlmeinenden Sitznachbarn flüstern darauf hingewiesen: „Das steht ja bald auf der Homepage!“. Tja, aber wann?! Ich erkläre geduldig, ich bräuchte das schon „gestern“, spätestens morgen zur aktuellen Berichterstattung im FobiKom-Weblog. Klar, dass ich bei der Gelegenheit noch eben schnell die Webadresse „rüberwachsen“ lasse.

Der Nutzen des Wiederkäuens ist enorm … und kein zusätzlicher Aufwand!

Mit Hilfe der Fotos, aber zuweilen immer noch mühselig, wird in Bahn und Zuhause wieder aufbereitet. Erst durch das geistige Wiederkäuen festigt sich das Gehörte tatsächlich und ich kann Nutzen daraus ziehen. Zuweilen entstehen Fragen, die ich mit Hilfe von Recherchen (meist) beantworten kann und die das meist nur angerissene Thema inhaltlich vertiefen helfen. Ich schaue mir beispielsweise die vorgestellte Institution, aus der die Rednerin oder der Redner herkommt, im Internet an und entdecke oft wahre Fundgruben an weiteren Informationen. Ich finde weitere Vorträge der Person, die andere Facetten aufgreifen oder weitere Fachleute benennen, usw.

Erst nach dieser „Hausaufgabe“ hat sich meine Fahrt, Arbeitszeit und Teilnahmegebühr zur Tagung tatsächlich gelohnt – von den Kontakten, die sich ergeben, mal abgesehen. Ich betrachte die Nachbereitung nie als zusätzlichen Aufwand, sondern als einen festen Teil der Tagung selbst. In iCal oder Outlook daher der Eintrag: heute „Tagung“, morgen halber bis ganzer Vormittag „Nachbereitung der Tagung“. Keine anderen Termine. (Räusper … ja, der Idealfall … tütütütütü …)

Effektivität und Effizienz rechtfertigen den Ressourceneinsatz

Es geht also um genau diese Effektivität (das richtige Thema) und Effizienz (das Thema richtig nutzen), um meinen Ressourceneinsatz, den ich als Selbständige selbst zu verantworten und zu bezahlen habe, zu rechtfertigen. So suche ich mir nur Themen aus, die ich wirklich hören will. Dabei hilft es, im Vorfeld ein Abstract oder eine PowerPoint-Präsentation von den Referent(inn)en zu erhalten. Notfalls rufe ich auch schon mal vor der Tagung an, um mich über die geplanten Inhalte direkt zu informieren.

Mal ehrlich … arbeitet so ein öffentlicher Dienst? Viele Dienstreiseanträge zu Tagungen werden, nicht immer ganz unberechtigt, abgelehnt mit der Begründung, Tagungen brächten doch ohnehin keinen „echten Mehrwert“. Würde man von den Teilnehmenden allerdings eine Zusammenfassung des Gehörten, zum Beispiel als kollegiale Fortbildung für die Zuhause gebliebenen, erwarten können, dann wäre das Image von Tagungen sicher besser. Besser wäre auch die Aufmerksamkeit, die den Rednern gebühren sollte, die ihren Vortrag oft kostenlos anbieten (müssen).

Zugegeben …

Würde ich nicht dieses FobiKom-Weblog mit Tagungsberichten beglücken wollen, so würde ich wohl eher seltener den Aufwand der Nachbereitung betreiben. Der Das Weblog, der das so zusagen meine Kolleginnen und Kollegen darstellt, die neue Erkenntnisse von mir erwarten, erzieht mich zur Disziplin – beim Wählen aus dem Programm, bei der Pünktlichkeit meines Erscheinens zum Vortrags, beim Zuhören und Repetieren und beim Verwerten in der Arbeit. So werde ich beglückt mit effizientem Wissenszuwachs und dem guten Gefühl, dass sich der Aufwand (wieder einmal) gelohnt hat.

Blöder Effekt.

Blöderweise entsteht jedoch durch das „Im Weblog ablegen“ ein großer Nachteil: Ich weiß, dass ich auf eine schöne Zusammenfassung zurückgreifen kann … und somit „darf“ ich alles erst mal wieder das Meiste davon „vergessen“. Wie oft schon habe ich zu einem Thema recherchiert und stoße auf den eigenen Artikel. „Ach, DAS hast DU mal geschrieben? Wow, nicht schlecht … ups, alles vergesssen.“

An diesem peinlichen-peinigenden Effekt arbeite ich noch. Und hoffe klammheimlich, dass mich mein Internetgedächtnis technisch nicht im Stich lässt. Auch ein Grund, sich für den Giganten „WordPress“ entschieden zu haben. Sollte er einmal Bankrott machen, ist er groß genug, aufgekauft zu werden. Mitsamt meinen/unseren wertvollen Ergüssen 😉 Schreckliche Vorstellung … was, Jürgen?!

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5 Responses to Der Ertrag einer Tagung … und eines Weblogs

  1. Edlef S. sagt:

    Zwei wichtige Anmerkungen:

    Es heißt DAS Weblog
    Ihr könnt „Eure Ergüsse“ von *.wordpress.com jederzeit komplett exportieren und sichern

    Nach dem Einloggen -> Werkzeuge -> Daten exportieren

    und danach z.B. in ein selbst installiertes WordPress importieren. Aber Jürgen ist das bekannt 😉

    • Mist, jetzt ist es mir schon wieder passiert. Ach, Edlef, was ist das Hirn doch manchmal schwer auf einen anderen Kurs zu bringen. vielleicht hilft es mit dem altmodischen Lernverfahren des 100-mal Abschreibens: DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, DAS Weblog, … ich schwöre: ohne Copy & Paste getippt!

  2. jplie sagt:

    Ja, und Jürgen hat das weder Ilona gesagt noch in den Kommentar geschrieben. Trauriger Zustand der Kommunikation in Zeiten von Web 2.0. 😦 Danke, Edlef!

  3. […] geschieht. Das BibCamp wird in dieser Hinsicht als best practice-Beispiel bezeichnet. In einem zweiten Beitrag geht es um die praktische Umsetzung einer Nachbereitung, die einen hohen persönlichen Nutzen birgt […]

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