Weiterbildungsversager Deutschland?

„Es reicht nur für einen Platz im hinteren Mittelfeld der europäischen Länder; weit hinter den Spitzenreitern aus Skandinavien, aber auch noch hinter den meisten westeuropäischen Staaten“, so konstatiert es die Friedrich-Ebert-Stiftung in ihrer Broschüre (PDF, 229,72 KB) „Gute Arbeit und lebenslanges Lernen – das Versagen der Weiterbildung in Deutschland“ (via Netzwerk Weiterbildung).

Das trifft mich jetzt hart. Gerade diese Tage mümmelte ich mich durch das fette, 539-seitige „Handbuch Bildungsfinanzierung“ (Hrsg. Rainer Barz, 2010), welches darin auf Seite 309 unsere deutschen Bildungsausgaben als überdurchschnittlich einstufte. Das waren mit 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die neunthöchsten privaten Bildungsausgaben innerhalb der OECD und damit klar über dem Durchschnitt von 0,7 Prozent.

Private und öffentliche Bildungsausgaben

Tja, das war wohl einmal … um genau zu sagen, im Jahre 2007. Und es betraf damals leider auch nur die PRIVATEN Ausgaben (und hier im besonderen Maße die Ausgaben der privaten Wirtschaft!), nicht jedoch die öffentlichen Ausgaben. Da lagen wir deutlich unter dem Schnitt. Die Tabelle im internationalen Bereich (auf Seite 346) ordnete uns an die vierte Stelle von unten innerhalb von 19 Ländern ein. Es scheint nun mittlerweile nicht viel besser geworden zu sein. Zwar habe ich keine Vergleichzahlen zu heute entdeckt, doch liegt diese Vermutung sehr nahe, wenn wir einen Blick in die Broschüre werfen.

Genauer gesagt, in die Expertise, die im Auftrag des Gesprächskreises „Arbeit und Qualifizierung“ der Stiftung von Ernst Kistler erstellt wurde. Entgegen meiner obigen warmen Worte zur privaten Wirtschaft stellt er im Kapitel 6 knallhart fest: „Die Betriebe tun zu wenig“.

Derweil ist, wie im Kapitel 3 zu lesen, die Weiterbildung ein Element Guter Arbeit. So sehen das jedenfalls die in 2009 repräsentativ befragten 7.930 abhängig Beschäftigten. 44% kreuzten den Zahlenwert 1 und weitere 44% kreuzten den Zahlenwert 2 einer fünfstufigen Skala mit dem Begriff „Entwicklungs- und Qualifizierungsmöglichkeit“ an (1= sehr wichtig, 5 = nicht wichtig). Und es gibt noch allerhand höchst aufschlussreicher, ganz und gar nicht trockene Statistiken mehr.

Unter anderem daraus resultierend das Statement im Vorwort des Autors: „… die Forderung nach einem allgemeinen Weiterbildungsgesetz des Bundes und nach einer stufenweisen Einführung einer Weiterbildungsaufgabe der Betriebe.

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One Response to Weiterbildungsversager Deutschland?

  1. Lebenslanges Lernen ist hauptsächlich eine Frage der eigenen Einstellung und ich fürchte, dass es daran mangelt – und zwar in aller erster Linie im persönlichen Bereich. Wer sich in seinem persönlichen Bereich nicht weiterbildet, wird das auch im beruflichen Bereich nicht anstreben. Möglicherweise ist der Umgang mit neuen Medien, sozialen Netzwerken usw. ein wunderbarer Spiegel. Dann sollte einen das Ergebnis aber nicht wundern.

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