„Kompetenzvermittlung ist ein falsches Wort“

Karsten Schuldt schrieb auf „Bibliotheken als Bildungseinrichtungen“ über die bibliothekarische Unart, Informationskompetenz vermitteln zu wollen. Kompetenzen könne man nicht vermitteln:

Schaut man jetzt noch mal nach, was als Informationskompetenz in den Bibliotheken vermittelt werden soll, sieht man sehr schnell, dass dies zwar Qualifikationen oder auch teilweise „nur“ ein Grundwissen über die Bibliotheksbenutzung und die Arbeit mit anderen Recherche- und Nachweismitteln darstellt – was hier gar nicht kritisiert werden soll –, aber keine Kompetenzen.

Wir sollen aufhören, Kompetenz als „Buzzword“ zu verwenden, das synonym mit Qualifikation und Wissen eingesetzt wird. Ok, hören wir auf mit dem Maklertum der Kompetenz, vermitteln wir in Zukunft Wissen!

Vielleicht sollte man aber sich dieses Beispiel zu Herzen nehmen und nach anderen Buzzwords Ausschau halten? „Bibliothek als Bildungseinrichtung“ hat Herr Schuldt auch schon kritisiert – in seiner Promotion.

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3 Responses to „Kompetenzvermittlung ist ein falsches Wort“

  1. Ich finde am besten wäre, wenn wir wirklich Bildung ermöglichen, vermitteln wollen. In einer Bibliothek wäre es schon schön, wenn sich Bildung ereignen oder wenn in einer Bibliothek Bildung neu beginnen würde. Das Wort Kompetenzen bedeutet letztlich eine Verengung auf abprüfbare Fertigkeiten..

  2. Wir können helfen, Kompetenzen zu erlernen oder die Fähigkeiten dafür schulen, wir können Informatione und Fakten dazu weitergeben, aber Wissen vermitteln, dass man sich letztendlich wie Kompetenzen nur aneignen kann.
    Interessant finde ich auch immer wieder die Gedanken von Thomas Hapke, der sich sehr genau mit dem Begriff „information literacy“ auseinandergesetzt, welcher die Grundlage für den von uns verwendeten Begriff Informationskompetenz bildet. Er hat auf dem Bibcamp 2010 in Hannover ein Plädoyer für den Begriff „Informationskultur“ gehalten.

  3. Zunächst: im Diskurs der Bildung unterscheidet man gemeinhin zwischen einem formalen, non-formalen und informellen Kompetenzerwerb. Die formalen Kompetenzen sind die vom Kommentator „endresbildung“ angesprochenen „abprüfbaren Fertigkeiten“, meist in Form von Zeugnissen, Zertifikaten oder anerkannten Abschlüssen, bsp. Bachelor, Meister, etc.

    Die non-formalen (durchaus in zielgerichteten, beabsichtigten und mit „Lernelementen“ bereicherten Fortbildungen erworbenen, aber nicht formell abgeprüften bzw. bescheinigten) Kompetenzen sowie die informellen (also eher nebenher und meist unstrukturiert im Laufe des Erfahrungslernens, Alltagslernens erworbenen) Kompetenzen sind wichtige Bestandteile unseres Wissenserwerbs.

    Das zeigt auf eine Problematik hin. Nämlich die Hebung des „Schatzes“, das ans Licht bringen, um Kompetenzen (auch international) einschätzbar und vergleichbar zu machen. Doch das ist wieder eine andere Baustelle. (By the way: nicht formale und informelle Kompetenzen lassen sich zum Beispiel unter Begleitung von ProfilPASS-Berater/innen herausfinden und bescheinigen. Zufällig kann ich hier mitreden, bin selber eine.)

    Jetzt komme ich zu Jürgens interessanten Beitrag, der zum Nachdenken anregt. Mein Versuch einer Aufdröselung:

    Qualifikation ist ein Begriff aus dem Personalbereich. Er hat durchaus mit Kompetenzen zu tun und wird gerne synonymisch benutzt. Meist taucht Qu. mit einer Bescheinigung auf, also die formale Bestätigung des Wissens und der Fähigkeiten im Zusammenhang mit bestimmten (bestimmbaren) Fachkompetenzen. Also EINE Kompetenz unter vielen anderen, die ein Mensch so hat.

    Also, daraus folgt: „Kompetenzen“ lassen sich durchaus bescheinigen, sie wurden in einer bestimmten Weise erworben und lassen sich von daher wohl auch vermitteln. Meist liegt allerdings auch schon eine (Grund-)Kompetenz in mehr oder weniger starker Ausprägung vor.

    Ganz falsch liegt eine Bibliothek folglich mit dem Wort „Informationskompetenz vermitteln“ nicht. Die IK zählt übrigens zur Methodenkompetenz, wenn wir den Nutzer betrachten, doch für Bibliothekar/innen zählt sie zur Fachkompetenz, wenn es um ihre Berufsausübung geht.

    „Wissen vermitteln“ scheint mir genau so unspezifisch zu sein wie „Kompetenzen vermitteln“. Etwas genauer ausgedrückt müsste es heißen: Bibliothekar/innen wollen bestimmte Kompetenzen des Nutzers, zum Beispiel die Informationskompetenz, fördern, anreichern und ausbauen helfen. Kurz ausgedrückt würde ich dann ebenfalls sagen: wir wollen „Informationskompetenz“ vermitteln.

    Doch nicht nur wir tun uns mit der Abgrenzung von Bildungsbegriffen schwer. Auch im Zusammenhang mit den Europäischen und dem Deutschen Qualifikationsrahmen mussten die Begriffe übereinstimmend behandelt werden.

    Die Beteiligten schufen dabei so genannte Niveaustufen und somit eine Anforderungstruktur. Hier wird zunächst grob unterschieden in „Fachkompetenz“ und „Persönlicher Kompetenz“. Die Fachkompetenz besteht aus Wissen und Fertigkeiten, die Persönliche Kompetenz aus Sozial- und Selbstkompetenz. Auch eine Möglichkeit.

    Demzufolge bestehen „Kompetenzen“ aus (Fach-)Wissen, (Fach-)Fertigkeiten sowie Sozial- und Selbstkompetenzen der formalen, nicht formalen (non-formalen) und informellen Art.

    Wo, bitte, ist jetzt das Problem?

    Ein „Buzzword“, so mein Fazit, kann ich in „Informationskompetenz vermitteln“ jedenfalls nicht entdecken.

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