Rückschau 15. Andragogentag Bamberg 2010 (4) und Schluss

„Führung aus organisationspädagogischer Sicht“ lautete der Titel des Schlussvortrags von Dr. Timm Feld anlässlich der 15. Bamberger Andragogentag vom 27.11.2010.

Organisationspädagogik

Organisationspädagogik – ein Begriff, der noch nicht allzu häufig in der Praxis unserer Institutionen anzutreffen ist. (Literaturtipp: „Das Pädagogische der Organisationspädagogik“ von Harald Geißler [Abstract])

Organisationen, so viel steht fest, sind Lernfelder. Besonders in Zeiten von Migration, Globalisierung, veränderter Informations- und Kommunikationstechnik. Jede Organisation muss sich dabei die Frage stellen:

Wie können wir als Organisation unsere Lernfähigkeit herausbilden und wie können wir sie behalten?

Die Unterstützung von Lern- und Entwicklungsprozessen ist innerhalb der jeweiligen Organisation (Institution) nicht nur eine organisatorische, sondern vielmehr auch eine pädagogische Aufgabe. Das erziehungswissenschaftliche Wissen hinsichtlich organisationaler Lernprozesse und die Möglichkeiten ihrer Unterstützung ist bislang allerdings vergleichsweise gering.

Einer der Gründe wohl, warum die Arbeitsgemeinschaft Organisationspädagogik des Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) 2006 eine eigene Kommission beantragt hatte. Die mittlerweile eingerichtete Kommission nimmt sich auf der Meso-Ebene der Thematik um erziehungswissenschaftliches Wissen bei der Unterstützung von Lern- und Entwicklungsprozessen als eine pädagogische Aufgabe in Profit- wie Non-Profit-Organisationen an. Und zwar vor dem Hintergrund des derzeitigen Gesellschaftsbildes.

Forschungsprojekte

Der Referent, seines Zeichen wissenschaftlicher Mitarbeiter mit einer Kooperationsstelle des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Philipps-Universität Marburg und des DIE, stellte den Tagungsteilnehmenden zwei Forschungsprojekte vor.

Das erste, mittlerweile abgeschlossene Projekt hatte Weiterbildungseinrichtungen als „lernende Organisation“ zum Thema, mit dem Ziel, Anforderungsprofile zu entwickeln. Das zweite, noch laufende Projekt befasst sich mit dem Zusammenhang von Netzwerken und Organisationsentwicklung. (Womit der thematische Anschluss an meinen Bericht aus der gleichen Woche zur Netzwerkkonferenz gelungen wäre.)

Beiden Forschungsprojekte gleich sind die Anforderungsbereiche: Organisations- und Führungsverständnis sowie Handlungsoptionen erwirken bzw. erzielen.

Ergebnis: Die Organisation vermehrt ihr Verständnis von Lernunterstützungshandeln, begreift seine Förderungs-, Gestaltungs-, Verknüpfungs- und Transferfunktion mit der Leitung als zentrale Funktion und stellt sich die Frage nach dem Kernangebot. So in etwa und in aller gebotener Kürze.

Problemfelder dabei sind der Selbstbezug der einzelnen Protagonisten in der Organisation, die geringe Nachhaltigkeit der Weiterbildungen sowie ein fehlendes funktionierendes Personalentwicklungskonzept.

Die Anforderungsbereiche sind betriebswirtschaftlicher, pädagogisch-didaktischer sowie organisationspädagogischer Art. Letzteres wäre konkret so auszufüllen: das Vorleben kultureller Praxis, die Sinnvermittlung für den Arbeits- und Lernprozess und die Förderung von Reflexion, die kontinuierlich geschehen und verankert sein sollte.

Führungsverständnis

Um zum Kernthema des Andragogentags zu kommen, nun zum Führungsverständnis, ermittelt im Rahmen des genannten Projekts mit Hilfe von Interviews. Timm Feld fässt das Ergebnis so zusammen:

Das wissensbasierte Führungsverständnis stellt die optimale Raumgestaltung und den Wissensaustausch in den Vordergrund.

Führung führt nicht nur Mitarbeitende, sondern das gesamte Unternehmen, welches in einem gesellschaftlichen Umfeld wahrzunehmen ist. Je komplexer nun die Organisation und die Einflussfaktoren von außen, desto eher wird die Einflussnahme der Führungskraft jedoch begrenzt. Ausgehend von einer hohen Bedeutung endogener wie exogener Faktoren benötigt die Führungs- und Leitungsperson eine Kontextsteuerung. Sie optimiert die Rahmenbedingungen für Lernen, Arbeiten und Leben in der Organisation.

Das Führungsverständnis und die Anforderung an eine Kontextsteuerung kommt in dem nachfolgenden Interview schnörkellos-verständlich zum Ausdruck:

„Weiterbildungseinrichtungen sind, wie es so schön heißt, wissensbasierte Organisationen. Und das muss im Führungshandeln Berücksichtigung finden. Die Mitarbeiter brauchen Freiräume, um zu arbeiten und auch um selbst zu lernen. Führung muss das sicherstellen. Führung muss aber auch sicherstellen, dass die Organisation arbeiten und lernen kann […]“

Zusammengefasst: Die organisationspädagogische Gestaltungsaufgabe besteht aus der Förder- und Gestaltungsleistung, der Verknüpfungsleistung sowie der (Lehr-/Lern-)Transferleistung.

Und? Hatten Sie heute die Zeit, etwas zur Führungskräfte- und Personalentwicklung dazu zu lernen, erhalten? Oder mussten Sie diesen Blogbeitrag heimlich überfliegen? Dann erzählen Sie Ihrer Führungskraft doch einfach während der Weihnachtsfeier etwas über Organisationspädagogik und Kontextsteuerung. Hoch die Glühweintassen auf Ihre Lernende Organisation!

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2 Responses to Rückschau 15. Andragogentag Bamberg 2010 (4) und Schluss

  1. eisnerjosef sagt:

    Bereichernde Ausführungen! – mich hätte noch interessiert ob hier Führung als Funktion im Sinne von Leitung verstanden werden kann oder als soziale Rolle?
    LG, Josef E.

    • fobikom sagt:

      Ich persönlich habe es als eher Leitung verstanden. Doch ob die „soziale Rolle“ ausgeschlossen davon ist, kann am Besten wohl der Referent selbst beantworten.

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