Rückblende 3. Deutscher Weiterbildungstag 2010

Unter dem Motto „Bildung stärken, Chancen nutzen“ fand am 24. September 2010 der 3. Deutsche Weiterbildungstag statt. Zum Thema „Interkulturelle Kompetenz in Bildungseinrichtungen“ luden die BIB-Kommission für Fortbildung in Kooperation mit dem WEGA-Team nach Bamberg ein. [Details zur Einladung]

Die angekündigten Referentinnen zur vierstündigen und für alle Interessierten offenen Gesprächsrunde diskutierten die Gründe, warum der Themenaspekt Interkulturelle Kompetenz trotz aller Medienpräsenz gerade bei der Bildungseinrichtung „Bibliothek“ offensichtlich wenig angesagt ist. Andere Einrichtungen wie Volkshochschule oder Berufsberatungen nehmen wesentlich reger derartige Fortbildungsthemen an.

Interkulturelle Kompetenz – ein Erfolgsdruck?

„Da muss man über sich selbst reden“, so die Überlegung von Susanne Schneehorst. Die Nürnberger Bibliothekarin mit langjährigen Erfahrungswerten zum Thema Integration berichtete jedoch andererseits von einer rasant wachsenden Nachfrage. Diese jedoch weniger zur generellen Kompetenzbildung als vielmehr zu rein praktischen Fortbildungen, etwa dem gezielten Bestandsaufbau mit fremdsprachigen Medien oder integrative Veranstaltungsarbeit.„Das ist mittlerweile schon richtig Stress für mich“, meinte sie augenzwinkernd über ihre zunehmenden Vortragsreisen.

Rebecca Englert, Integrationslotsin aus Salzburg und mit einem Master zur Informationskompetenz ausgezeichnet, mutmaßte, ob möglicherweise eben der Begriff „Kompetenz“ einen zu hohen Erfolgsdruck auslöse und mithin eine Hemmschwelle darstelle. „Sensibilisierung“ wäre demnach für sie wohl der geeignetere Begriff. Ihre Erfahrungen aus der Bibliothekswelt zeigen, dass eine integrative Kompetenz bzw. Sensibilisierung in der Kommunikation sowie die bewusste Wahrnehmung des „Eigenen und Fremden“ für die beruflichen Alltagssituationen und -arbeiten von grundlegender Bedeutung sind.

Für die beiden Integrations-Referentinnen war der Deutsche Weiterbildungstag eine gute Gelegenheit, sich über diese und weitere Fragen zwanglos auszutauschen.

Über die Griechen

Frau Englert brachte außerdem einen griechischstämmigen Gast, die Pädagogin, Übersetzerin und WDR-Radiosprecherin Vicky Prokopi, mit nach Bamberg. Die beiden hatten sich über Xing über die Gruppe zur Interkulturalität kennengelernt.

Frau Prokopi warf das Stichwort „die Pädagogik der Räume“ und ihre Auswirkung auf das Selbstverständnis der Landesbewohner in die Runde. Sie berichtete vom hohen Geschichts- und Selbstbewusstsein der Busfahrer in Athen, die täglich an den ehrwürdigen Zeugnissen griechischer Hochkultur von Weltgeltung vorbeiführen und stolz auf ihre Abstammung seien. Manchmal etwas sehr stolz, schmunzelte Prokopi, da sie die Kultur jedes anderen Landes als ebenso wichtigen Beitrag zur heutigen Weltkultur empfindet.

Vicky Prokopi bestätigte außerdem einige Annahmen über die Umgangsformen der Griechen, die die Gastgeberin der Gesprächsrunde, Ilona Munique (die Blogschreiberin hier), aus einer Sammlung zur Interkulturellen Kommunikation zum Besten gab. Beispielsweise der Gestenreichtum und die strikte Nachmittagsruhe von 15 bis 18 Uhr, die jegliche Störung als absolute Unhöflichkeit brandmarkt.

Pünktlichkeit, Siezen und Kopftuchtragen

Heiterkeit löste der Erfahrungsaustausch der Gruppe zum Aspekt Pünktlichkeit aus. So lässt eine Nachmittagsverabredung je nach Kulturraum einen Kommensspielraum von bis zu 23 Uhr zu. Oder auch einer plötzlichen Absage, lachte Rebecca Englert, die sich frägt, ob es denn ein Gen für Pünktlichkeit gäbe? Sie war sich jedoch der Pauschalisierungsgefahr solcher Aussagen durchaus bewusst. Jeder Mensch müsse als Einzelperson mit seinen ganz spezifischen Eigenschaften erfahren werden.

Auch das Duzen oder Siezen unterliegt landestypischen Regeln. So berichtete Frau Englert davon, dass es in ihrer vietnamesischen Familie etliche „Siez-Onkel“ für sie gäbe. Die hierarchische Stellung zueinander wäre entscheidend. Diese wird bei jeder Erstbegegnung umgehend „abgeklopft“, um die künftig zu gestaltende Kommunikationsweise rasch zu klären.

Aufschlussreich war ein von Susanne Schneehorst durchgeführter Test aus dem „Heft zum Kopftuch“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Gemeinsam schaffte die Runde viele richtige Antworten, obwohl die Fragen nicht ganz leicht waren. Oder wissen Sie, wo vorübergehend der Tschador (eine Kopftuchform) an der Uni verboten war? In Ägypten, England oder der Schweiz?

Hoffnungen

Überhaupt hatte sich Susanne Schneehorst für den Gesprächskreis bestens vorbereitet. So hatte sie das neu erschienene, deutsch-französisch geschriebene Kinderbuch „Wir gehen in die Bibliothek – À la bibliothèque“ mit im Gepäck. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, diesem mögen noch weitere Übersetzungen folgen.

Der Deutsche Weiterbildungstag war wieder eine gute Gelegenheit, Themen der Fortbildung und Weiterbildung zwanglos und informativ zu präsentieren und dabei von einer gesamtdeutschen medialen Aufmerksamkeit bei über 700 Einzelveranstaltungen zu profitieren. Wir hoffen sehr, das er weiterhin angeboten wird!

BIB-Landesgruppen, die sich dem nächsten Termin (ob und wann, das wird derzeit aktuell beraten) anschließen möchten, werden von der BIB-Kommission für Fortbildung rechtzeitig informiert und bei Bedarf mit Werbemitteln ausgestattet. So könnten sie zum Beispiel einen Fortbildungstermin auf das entsprechende Datum setzen und von der hohen medialen Aufmerksamkeit profitieren.

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