Der 13. BIB-Sommerkurs 2010 (10)

Tag 4, 5. August 2010 (Forts. 2)

Der Nachmittag

Der Referent

Gerhard Althaus ist Ausbildungsleiter an der Universitätsbibliothek Dortmund und unser Referent des Nachmittages. Seine ruhige, souveräne Art war nach all der Vielfalt des Stoffes der vergangenen Tage und des anregenden Exkursionstages (morgen mehr!) jetzt wahrlich angesagt und entspannend, trotz des an Spannung reichen Themengebietes, das noch vor uns lag.

Umgang und Kommunikation mit Auszubildenden

Um eine Sensibilisierung für das Führen von Beurteilungsgesprächen mit Auszubildenden zu erreichen, teilte Herr Althaus zunächst Zettelchen mit kurzen Texten aus. Die Teilnehmer/in sollten bestimmte Aussagen in die Kategorie „finde ich gut“ oder „finde ich nicht gut“ einzuordnen waren.

Beispielaussagen zur Sensibilisierung:

  • „Gespräche mit Auszubildenden sollten vertraulich behandelt werden und daher unter vier Augen stattfinden.“
  • „Auf Wunsch des Auszubildenden ziehe ich jederzeit andere Personen hinzu (Vertreter der JAB, des Personalrats, der Bibliotheksleitung oder eine Vertrauensperson des Azubis).“
  • „Ich bin bereit, je nach Gesprächsverlauf meine Beurteilung zu revidieren.“
  • „Ich bemühe mich, die Sprache meines Gegenübers zu sprechen und verständlich zu sein.“
  • „Ein bisschen Auflockerung muss sein, daher stelle ich eventuell auch Fragen zum privaten Umfeld des Gesprächspartners.“
  • „Einwände haben immer Vorrang. Ich sage sofort, was mich stört, berührt und warte damit nicht bis zum Ende des Gesprächs.“

Im Anschluss wurden die einzelnen Texte von den Teilnehmenden vorgestellt und und deren jeweilige Einordnung im Plenum diskutiert. Nicht immer kam eine einhellige Meinung zustande wie zum Beispiel bei der Aussage: „Ich versuche, das vom Azubi Angesprochene mit den mir vorliegenden Beurteilungsbögen zu verbinden“.  Doch das Ziel einer Sensibilisierung war erreicht.

Eine nachfolgende Abfrage nach möglichen Konfliktbereichen bzw. -fällen ergab folgende Liste:

  • Unangemessene Sprache und Gestik
  • Unpassende Kleidung
  • Piercings / Frisur / Fingernagelgestaltung
  • mangelnde Höflichkeit
  • Haltung, zum Beispiel Hände in den Hotentaschen
  • mangelnde Pünktlichkeit
  • Unklares Hierarchieverhalten, zum Beispiel Siezen oder Duzen
  • Selbsteinschätzung bei Fehlern
  • Pausenlänge
  • mangelnde Disziplin, zum Beispiel fehlende Abmeldungen
  • Berichtsheftführung

Konfliktgespräche – Beurteilungsgespräche

Wie führe ich ein Gespräch, wenn ich eines dieser Konfliktfälle ansprechen und klären möchte? Zunächst ist der Ist-Zustand möglichst genau festzuhalten. Sodann wird der Soll-Zustand bestimmt. Ein Beispiel dazu siehe Foto. In Workshops überlegten die Teilnehmenden, wie sie Gespräche vorbereiten, durchführen und nachbereiten könnten.

Die Gesprächsvorbereitung lässt sich aufteilen in „inhaltlich, persönlich und organisatorisch“, siehe Ergebnisfoto aus der Workshopgruppe 1.

Die Durchführung: von der positiven Gesprächseröffnung bis zur positiven Verabschiedung entwarf die Gruppe 2 ein Gesprächsszenario – siehe Foto.

Eine gute Nachbereitung, um den Erfolg zu überprüfen, sah für die Gruppe 3 so aus:

Herr Althaus stellte zehn Beurteilungsmerkmale für Leistungen und Kenntnisse der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) als Beispielbewertung einer Universitätsbibliothek vor und erläuterte die einzelnen Stichwörter:

  1. Fachkenntnisse
  2. Einsatzbereitschaft
  3. Auffassung
  4. Lernfähigkeit / Geschick
  5. Sprachlicher Ausdruck (mündlich / schriftlich)
  6. Arbeitssorgfalt
  7. Selbständigkeit
  8. Sozialverhalten

Schwierige Auszubildende

Was tun, wenn ein/e Azubi bei jedem Punkt so richtig schlecht abschneidet? Richtig schwierig, so Althaus, wird eine Kündigung erst nach der Probezeit. Deshalb sollte man die Probezeit für Beobachtungen nutzen und notfalls das Ausbildungsverhältnis frühzeitig beenden. Der Referen gab etliche Tipps, wie man sich gegenüber schwierigen Auszubildenden verhalten sollte und wie Gespräche geführt werden könnten (Grenzen aufzeigen, eine zweite Person hinzuziehen, die ein Protokoll anfertigt, alle Maßregeln in schriftlicher Form festhalten und an den Ausbildungsträger für die Personalakte weiterreichen, etc.) Er gab außerdem Beispiele für Formulierungen, beispielsweise einer schriftlichen Aufforderung zu einem gewünschten Verhalten oder einer Abmahnung.

Nicht immer muss es gleich „in die Vollen“ gehen. Häufig genügt bei unter 18-jährigen ein Gespräch mit den Eltern oder die Beratung mit der Jugend- bzw. Auszubildendenvertretung. Eine Teilnehmerin meinte, sie hätte gute Erfahrungen gemacht, mit den anderen Auszubildenden zu reden und sie ins Boot zu holen. „Ey, Mann, was machste denn für ne Sch…“, von einem Jugendlichen zum anderen gesprochen kann eigenartigerweise besser fruchten als die sprachlich korrekte Ansprache eines Weisungsberechtigten. Natürlich ist hierbei Fingerspitzengefühl geboten.

Eher eine Schocktherapie ist die Abmahnung, doch ist sie ein legitimes und manchmal das einzige Mittel, schwierige Auszubildende zu erreichen. Oder wie würden Sie reagieren, wenn Krankschreibungen und Beurteilungen nachweislich und wiederholt gefälscht wurden? Wohl eher mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Ja, leider auch das. Und dafür gab es ein Beispiel für die Formulierung eines Auflösungsvertrag. Der Referent war wirklich bestens präpariert!

Behinderte Auszubildende

Ein wichtiges Kapitel war der Umgang mit behinderten Auszubildenden und ihre Integration in den Auszubildendenprozess. Die PowerPoint-Präsentation von Herrn Althaus mit vielen Tipps aus der Praxis wurde ergänzt durch die Erfahrungsberichte der Teilnehmenden. Besonders schwierig fanden es die meisten, mit psychisch Behinderten klar zu kommen. Dabei stellte sich beispielsweise die Frage, ob Ausbildungsleiter/innen den Kolleginnen und Kollegen Bescheid über die Krankheit des Auszubildenden geben dürfen bzw. sollten. Zunächst stand zwar das „Nein“ aus Gründen des Persönlichkeitsschutz im Raum. Doch was passiert, wenn ein psychisch Behinderter plötzlich aggressiv wird. Was, wenn ein Epileptiker einen Anfall hat? Also, ich wüsste schon ganz gern, was auf mich zukommen könnte, damit ich im Notfall besser helfen kann.

Zu allen Gesprächen, die mit der Anstellung eines Behinderten zu tun haben, empfiehlt es sich, die oder den Schwerbehindertenbeauftrage/n hinzuzuziehen. Auch sollten Behinderte eine feste Ansprechperson haben.

Aber bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt ist einiges zu beachten. Nämlich beim Einstellungsverfahren. Denn lädt ein öffentlicher Arbeitgeber einen schwer behinderten Bewerber nicht zu einem Vorstellungsgespräch ein, kann das laut § 82 Sozialgesetzbuch IX zu einem Schadensersatzanspruch führen. Über diesen Hinweis wurde ausgiebig diskutiert. Die Teilnehmenden hatten viele Fragen und Gerhard Althaus glücklicherweise auch viele Antworten.

Wenngleich an diesem Nachmittag nicht alles angesprochen werden konnte, was Herr Althaus für die Teilnehmenden vorgesehen hatte – seine ausgeteilten Unterlagen ergänzten die Lücken selbsterklärend. Und am Abend, der mit einer Meißner Stadtführung und einem Umtrunk im historischen Bennohaus ausklang, stand er uns netterweise auch noch ein wenig zur Verfügung.

Etwas zur Veranstaltungsorganisation des Sommerkurses

Sämtliche Unterlagen der Referent(inn)en, die eingesandten Beispiele von Teilnehmenden und die aus der Inetbib-Anfrage (DANKE!) sowie die (gefühlten tausend) Fotos sind auf einem Server gesammelt. Sie stehen den Teilnehmenden des BIB-Sommerkurses ein halbes Jahr zum Download zur Verfügung. Über das Einrichten einer Schulungsplattform wie Moodle oder drop.io hatte ich mir natürlich Gedanken gemacht. Letztendlich erschien es jedoch am Unkompliziertesten und Sichersten, alles auf dem heimischen Server zu hosten und zu hüten. Zumal es bei der Menge an Unterlagen ratsam war, sie einigermaßen zu ordnen – was bei einer für alle offen gestalteten Upload-Möglichkeit nicht unbedingt gewährleistet ist. (Wer allerdings seinen Ftp-Client einzurichten wusste, durfte das natürlich gerne nutzen … was letztendlich doch nicht geschah.)

Wir melden rechtzeitig das endgültige Löschen der Unterlagen und verbinden dies mit einer Nachhaltigkeitsprüfung, also einer zweiten Evaluation. So bringt sich der Stoff vielleicht noch einmal in Erinnerung. Die erste Evaluation sowie einige Wortmeldungen werde ich voraussichtlich nächsten Mittwoch hier auf dem FobiKom-Weblog teilveröffentlichen. Sozusagen als Sahnehäubchen für die FobiKom. Das Ehrenamt erhält bekanntlich seine Anerkennung und Motivation nicht durch schnöden Mammon, sondern zuweilen vom Lob. Und das gab es glücklicherweise überreichlich. Aber vorher noch wird hier der Seminarfreitag aufgearbeitet. An dem es einiges aufzuarbeiten gab. Wir lesen uns Montag, okay?!

Und was ist mit dem Samstag? Ach so, ja … der Exkursionstag, wie versprochen, in Form einer Bildergalerie. See you!

Advertisements

One Response to Der 13. BIB-Sommerkurs 2010 (10)

  1. […] war diese Woche wieder sehr aktiv und führte die Reihe zum BIB-Sommerkurs 2010 weiter, die Themen: Umgang mit Ausbildenden, Organisation von Praktika, Projektarbeit, Lerntypen und […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: