Der 13. BIB-Sommerkurs 2010 (8)

Tag 4, 5. August 2010

Der Vormittag

Die Referentin

Karin Holste-Flinspach, Berufsschullehrerin an der Stauffenbergschule in Frankfurt am Main, referierte über die Theorie des Lernens und über didaktische Methoden. Außerdem ist sie die Vorsitzende der BIB-Kommission für Ausbildung und Berufsbilder, mithin also neben Wiltraut Zick und Claudia Hartmann die Dritte im Bunde aus dieser Kommission am 13. BIB-Sommerkurs 2010. So viel kollegiales Engagement ist beachtlich und mehr als begrüßenswert! Thematisch allerdings auch naheliegend, ging es in Meißen doch speziell um Ausbildung.

Das Lehren lernen

Zunächst stellte Frau Holste-Flinspach die Frage, in welcher Situation sich die Teilnehmenden als Ausbilder/innen befinden, was tun sie, in welcher Rolle sehen sie sich? Ein buntes Bild war die Antwort, von Lust bis Frust war alles dabei.

Lernprozesse, Lernarten

Zum Einstieg erfuhren die Teilnehmenden etwas über den Lernprozess. Lehren setzt im besten Falle einen Lernprozess in Gang, der auf eine Veränderung in der eigenen Einstellung und des Verhaltens hinaus läuft und Fertigkeiten vermittelt. Um ein intentionales, also absichtliches Lernen zu ermöglichen, sollte die Planung von Lernzielen, die Auswahl der Methoden und die Lernkontrolle in einem lernpsychologischen Kontext stehen – und natürlich auch das gewünschte Lernziel erreicht werden.

Der wichtigste Satz dürfte sein, dass Lernen ein Vorgang ist, den jeder nur für sich vollziehen kann. Damit sind allerdings die Ausbilder/innen nicht „fein raus“ aus der Geschichte. Sie sollten beispielsweise Unter- oder Überforderung bei den Auszubildenden erkennen können, um dem entsprechend die Anforderungen der Ausbildungsaufgaben anzupassen und / oder Hilfe zur Änderung des Lernverhaltens anbieten zu können. Also bewusstes Lehren.

Doch mit einem unbewussten Lehren kann ebenfalls ein Lernvorgang in Fahrt kommen – durch Beeinflussung Es wird als funktionales Lernen bezeichnet und geht häufig einher mit der Aufmerksamkeit auf ein besonderes Interessensgebiet.

Weitere Arten des Lernen wie affektives und kognitives Lernen sowie Lernen durch Verstärkung wurden erläutert. Letzteres ist zumindest Hundebesitzer/inne/n wohl bekannt: ein paar Mal richtig gelobt und schon spart man sich den Gang im Regen nach der Tageszeitung. (Bei Katzenliebhaber/inne/n funktioniert die Konditionierung nur bedingt. Und von „besitzen“ kann auch nicht die Rede sein …). Frau Holste-Flinspach betonte allerdings, dass das mit dem Lob gar nicht so einfach wäre. Denn nicht bei jeder Lernleistung sollte gelobt werden und das Lob muss außerdem ehrlich gemeint und richtig ausgedrückt sein.

Lerntypen

Während die überwiegende Anzahl von Menschen am Besten lernen, wenn sie selbst tätig werden, so lernen die wenigsten durch reines Zuhören. Für Ausbilder/innen gilt also: der Lernerfolg durch Projektarbeit und Praktika ist größer als eine Unterrichtsstunde, in der eine vortragende Unterweisung erfolgt. Falls doch nur ein Vortrag ansteht, dann zumindest begleitet von einer PowerPoint-Präsentation oder einem Fim. Denn durch das Sehen lässt sich der fragliche Nutzen eines reinen Vortrags eventuell nach oben korrigieren. Lässt man die Zuhörenden und Zusehenden außerdem die gehört-gesehenen Inhalte nacherzählen, könnte die Lernerfolgskurve durch die bessere Verarbeitungsleistung des Gehirns doch noch ansehnlich nach oben schnellen.

Da die Leistungskurve um diese Uhrzeit wohl am höchsten war, lauschten die Teilnehmenden interessiert den weiteren Ausführungen der Kollegin. Beispielsweise zur Lernkurve, bei der es sich empfiehlt, die Lernstofffülle auf eine Minimum zu reduzieren und vor allem die Lerneinheiten nicht zu rasch aufeinander folgen zu lassen.

Nun, uns erwartete allerdings ebenfalls eine schiere Fülle von Inhalten zu Unterrichtskonzeption, -aufbau und ablauf, zu Lernzielen, Lernzielhierarchien, -kategorien und stufung und zu didaktischen Methoden. Mit dem Unterschied, dass die Teilnehmenden sicher freiwillig die von Karin Holste-Flinspach bereit gestellte PowerPoint-Präsentation nachlesen und selbstorganisiert weiterverfolgen werden, somit also diesem Rundumschlag durchaus gewachsen sein dürften.

Didaktische Methoden

Karin Holste-Flinspach stellte sechs gängige didaktische Methoden vor. Ich gehe vor allem auf die letzten drei ein.

  1. Unterweisung am Arbeitsplatz
  2. Lehrgespräch
  3. Lernen in Gruppen
  4. Vier-Stufen-Methode
  5. Projektmethode, Leittextmethode
  6. (Lern)Erfolgskontrolle

Die Vier-Stufen-Methode besteht aus: 1. Vorbereiten der Auszubildenden sowie 2. Vormachen und Erklären. Unter Anleitung der Ausbilder/innen erfolgt 3. das Nachmachen. Selbständiges Arbeiten ist die vierte und letzte Stufe. Also ganz klassisch und durchaus bewährt im Sinne einer programmierten Unterweisung.

Mit der Projektmethode wird vor allem vernetztes Denken und Handeln gefördert. Der gestrige Beitrag widmete sich dieser Methode ausführlich. Bleibt uns also noch, die Leittextmethode zu erläutern, die eine Weiterentwicklung der Projektmethode darstellt.

Die Leittextmethode ist „eine schriftliche Anleitung zum selbständigen Lernen“, so die Kurzversion der PowerPoint-Präsentation. Das lässt sich allerdings auch missverstehen. Es wird nicht angeleitet, wie man selbständig lernt. Viel mehr sollen die Auszubildenden die an sie gestellten praktischen Aufgaben mit Hilfe von Leittexten (Anleitungen) bewältigen (lernen) können. Und dabei selbständig vorgehen. Ziel ist dabei, die Schlüsselqualifikationen zu stärken und in Zusammenhängen denken zu lernen.

Die Teilnehmenden konnten sich ein gutes Bild vom Status Quo in der Ausbildung machen und viele Anregungen mit nach Hause nehmen. Einige Methoden miteinander kombiniert ergäben wohl eine äußerst spannende und erfolgreiche Ausbildungszeit.

(Lern-)Erfolgskontrolle

Lernerfolge motivieren. Und fördern den Lernwillen. Doch Lernerfolge festzustellen, erfordert leider irgend eine Form der Kontrolle. Wie kontrolliere ich, ob der Lernstoff verstanden wurde? Na klar, durch Fragen. Doch dieses Ab-Fragen wirkt zuweilen wie eine Prüfung. Das turnt die Jugendlichen nicht gerade an. Frau Holste-Flinspach empfiehlt daher eine lockere Gesprächsrunde. Auch klar: konstruktive Kritik ist erlaubt und geboten. Das Korrigieren von Fehlern erwünscht.

Die Sequenz zur „Organisation von Praktika für Student(inn)en“ mit Annamaria-Benita Lippold stelle ich morgen dar. Für heute haben Sie genug Stoff zum Nachdenken und „Nachgoogeln“ erhalten, meine ich. Bis dann!

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One Response to Der 13. BIB-Sommerkurs 2010 (8)

  1. […] Auch Fobikom-Weblog war diese Woche wieder sehr aktiv und führte die Reihe zum BIB-Sommerkurs 2010 weiter, die Themen: Umgang mit Ausbildenden, Organisation von Praktika, Projektarbeit, Lerntypen und Methoden. […]

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