Der 13. BIB-Sommerkurs 2010 (2)


Tag 1, 2. August 2010

Der Referent

Diplompsychologe Jochen Fischer aus Grassau (Bayern) musste als einziger Referent des fünftägigen 13. BIB-Sommerkurses seinen Tag mit keiner anderen Referentin oder einem Referenten teilen. Ein Glück für uns, dass der Mann aus der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege (Fachbereich Sozialverwaltung in Wasserburg am Inn) uns so symphatisch durch den langen Tag begleitete.

Der Start

Herr Fischer begann den ersten Tag – nein, nicht mit einer öden Vorstellungsrunde, sondern mit einer „zielführenden“ Einlage, die alle Teilnehmenden gleichzeitig  aktivierte und unser diesjähriges BIB-Sommerkursthema einleitete, das da bekanntlich lautete: „Investition in die Zukunft: Ausbildung individuell gestalten“ (Programm).

Die erste Aufgabe bestand darin, eine große Folie, auf der alle gleichzeitig standen, auf „Links“ zu drehen, also umzuwenden. Und dieses, ohne die Folie zu verlassen, denn der Boden führte Starkstrom. Na, wir probierten das lieber mal nicht aus, ob die Behauptung wahr war, sondern klammerten uns lieber aneinander. Gut, dass wir bereits am Abend vorher schon an einem Tisch saßen, so waren wir uns bei dieser Tuchfühlübung wenigstens nicht völlig unbekannt.

Die anschließende Erkenntnis: mehr Kommunikation und Austausch, klarere Ziel- und Koordinationsabsprachen. Alles wichtige Voraussetzungen für die Ausbildungs- und Praktikumssituationen.

Die erste Session am Vormittag

„Rund um die Bewerbung und das Auswahlverfahren“, so lautete das Thema des Vormittages.

Die zweite Aufgabe des Tages war, zu schätzen, wie oft die große Folie faltbar war, damit am Ende alle darauf noch einen Stehplatz fänden.

Erkenntnis: Die Teilnehmenden hatten richtig geschätzt, jedoch auch sehr vorsichtig. Da wäre mehr drin gewesen. „Unkonventionelle Vorschläge“ das Schlüsselwort. Einerseits also die Aufforderung, diese einzubringen, andererseits der Hinweis, auf Unkonventionelles positiv einzugehen, zum Beispiel, wenn es von der jungen Generation kommt, die wir ausbilden sollen. Auf Nummer Sicher gehen war gestern. Individuell sieht anders aus.

Nach der Vorstellungsrunde, in der wir keine Lebensläufe, sondern explizit die „Jetzt-Situation“ darstellen sollten, sowie die Erwartungshaltung an den Tag, erarbeiteten die Teilnehmenden ein Anforderungsprofil zur Personalauswahl (siehe Foto links).

Es galt, Anforderungskriterien wie Verlässlichkeit, Teamfähigkeit oder Belastbarkeit zu finden und Beobachtungsmerkmale („Lackmustest“) zu definieren, anhand derer die Einschätzung der sich Vorstellenden erfolgen soll.

Erst dann kann die Ausschreibung der Auszubildenden- und Praktikumsstellen erfolgen, denn einige Merkmale sollten in den Text mit einfließen. Und wo wird geworben? Die Teilnehmenden führten allerhand Verbreitungswege auf und diskutierten die Chancen.

  • Im Hause (z. B. Hochschule)
  • Agentur für Arbeit
  • Amtsblatt
  • Schulen, vor allem 8. und 9. Klassen
  • Regionalzeitungen
  • Ausbildungsbeilage der Tageszeitungen
  • BuB
  • Inetbib
  • Ausbildungsmessen
  • Twitter
  • in Jugendorganisationen

Wie der Text der Annonce aussehen sollte, ließ sich auf eine kurze Formel reduzierten: KISS – Keep it short and simple. Und bitte nicht in der dritten Person oder in Passiva schreiben!

Wie hingegen die Bewerbungsunterlagen auszusehen haben, konnte im ausgeteilten Handout nachgelesen werden. Und schon war der Vormittag vorbei.

Die zweite Session am Nachmittag

"Flaschen, Taschen und Jacken in der Bibliothek? Geht gar nicht!" Ist der Bewerber überzeugend aufgetreten?

Herr Fischer aktivierte uns mit einer kurzen Qui-Gong-Übung, bevor wir die zweite Session unter der Überschrift „Rund um das Vorstellungsgespräch“ begannen.

Das Bewerbungsgespräch, so Fischer, sollte mindestens 30 bis 45 Minuten dauern. Die Realität sah jedoch bei einigen Teilnehmenden mit 10 bis 20 Minuten ganz anders aus. Die  nachfolgenden Übungen in drei Schritten („Lebender Fall“, „Schrottlösung“, „Galalösung“) erhellten jedoch die Mindestforderung und so manche/r Teilnehmende/r entschloss sich darauf hin, es in Zukunft mit mehr Zeit zu versuchen.

Eine simple, aber wirkungsvolle Möglichkeit, Bewerbungsgespräche auszuwerten, ist eine Benotung vorher festgelegter Beobachtungsmerkmale. Wie gut kann die/der Bewerber(in) Grenzen setzen, Zuhören oder bedürfnisorientierte Vorschläge machen? Wie ist um seine körpersprachliche Zuwendung bestellt? Die Teilnehmenden konnten nach diesem Muster ihre Simulationsübung sogleich selbst untersuchen.

Schrottlösung – armer Kevin Doll!

Auf die Frage nach zentralen Tests konstatierte Fischer, davon hielte er nicht allzu viel. Sie seien in der Regel nicht aussagekräftig, vor allem dann nicht, wenn sie kaum im Zusammenhang mit der Realität stünden, wie das bei der Abfrage von Allgemeinwissen oft vorkomme.

Galalösung: aktivierende Impulsaussage "Sie haben bestimmt ein Hobby"

Ein gelungener Tag, was auch die Evaluationsauswertung bewies. Manche konnten gar nicht genug bekommen. Kleine Auswahl:

„Herr Fischer hat eine sehr angenehme, unaufdringliche und humorvolle Art und verpackt Fachwissen rhetorisch gekonnt und verständlich“

„Sehr angenehme und zugewandte Ausstrahlung“

„Sogar die Rollenspiele machten Spaß“

„Mehr Zeit für praktische Übungen“

Unser Speisesaal im Kloster

Doch  irgendwann muss Schluss sein. Das Abendessen ruft. Und die Referentinnen des morgigen Tages möchten heute noch die Technik überprüfen, damit morgen alles wie am Schnürchen läuft.

Das ein Tipp am Rande an die Organisator(inn)en unter Ihnen: rechnen Sie nicht zu früh mit Ihrem persönlichen Abendprogramm. Referent(inn)en haben Vorrang – und Sie genießen es sicher ebenfalls, wenn Sie ruhig schlafen können. Also dann, bis morgen!

Die Referentinnen des folgenden Tages, Wiltraut Zick, Karin Klingbeil und Marion Albrecht, bereiten sich vor.

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One Response to Der 13. BIB-Sommerkurs 2010 (2)

  1. […] berichtete in mehreren Teilen (1, 2, 3, 4) über den BIB-Sommerkurs 2010, bei den sich alles um die Gestaltung der Ausbildung […]

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