„Ich werde Ihnen eine Rechnung schicken“

Warum eigentlich nicht umsonst? Letzt wurde längere Zeit ein/e Dozent/in für einen zweitägigen Kurs gesucht – für umsonst. D.h. nein, das stimmt nicht, Unterkunft und Fahrt werden bezahlt, aber sonst nicht mehr als diese „Aufwandsentschädigung“. Und es ist nicht das erste Mal, dass ich solch‘ eine Anfrage bekommen habe – es ist durchaus Usus, dass man gefragt wird, ob man denn nicht für Gotteslohn tätig werden will. Es ist ja für einen guten Zweck, für die Fortbildung der Kolleginnen/Kollegen! Dass man eine Leistung erbringt, dass man Urlaubstage investiert, die man auch mit der Familie verbringen könnte …. Nun liegt das vielleicht bei Leuten noch nahe, die einen Job haben, es gibt aber etliche gute Dozenten/Dozentinnen, Trainer/innen und Coaches, die von der Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Ob es bei diesen Freelancern anders ist? Nein, selbst bei den bekannteren nicht:

Phil Bradley, freier Recherche- und Bibliothek 2.0-Trainer, hat vor einem Monat in seinem Weblog einen Text geschrieben, den man nicht übergehen sollte. Er handelt vom Dasein eines Freelancers, von jemandem, der von den Kursen und den Beiträgen zu Konferenzen, die er gibt, leben muss.

Falls Sie ungern Englisch lesen, hier kurz der Erzähl-/Argumentationsstrang des Eintrags:
Phil Bradley sagt, dass er zwar die Freiheit hat und liebt, zu tun, was er will, andererseits aber alles selbst tun muss, Acquise, Planung, Verwaltung – denn es ist ja mit den reinen Kurs-/Vortragsstunden nicht getan! Er hat niemand, der ihm eine Rente bezahlen wird. Ausserdem arbeitet er so gut wie immer, denn alles Lesen ist immer auch auf Lernen für die Arbeit gerichtet.
Deshalb muss man auch sehen, dass es hier um einen Lebensunterhalt geht, dass es nicht darum gehen kann, die Leistung umsonst oder zu billig zu erbringen. Diejenigen, die eine Leistung möchten, sollten daher den Freelancer respektieren und fair behandeln. Sie sollten sich nicht mit billigen Argumenten herausreden, wie z.B. dass es auch Werbung sei, wenn er/sie umsonst hier und da auftäte. Werbung für weitere nicht- oder unterbezahlte Leistungen? Nein. Daher kommt denn auch die Überschrift des Eintrages: „Ich werde Ihnen eine Rechnung schicken“

Nochmals zurück zu meinen eigenen Erfahrungen: Ich kenne durchaus faire Partner, die bedauern, wenn sie zuwenig bezahlen können, weil das Budget nicht mehr hergibt. Die auch netterweise das dann nicht „Honorar“, sondern „Anerkennungshonorar“ nennen. Ich finde es auch o.k., wenn der/die Dozent/in selbst entgegenkommen kann. – Nur die direkte Zumutung, für umsonst arbeiten zu sollen und das Eingeschnapptsein, wenn man es wagt, nein zu sagen, das kenne ich auch. Manchmal sehnt man sich dann durchaus nach festen Tarifen für Freelancer …

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