Deutscher Qualifikationsrahmen in der Kritik

Im Schwerpunktheft Fort- und Weiterbildung von BuB, H. 7-8/2010 wies ich auf den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) hin (S. 530, im Titel nicht ganz korrekt als „Qualifizierungsrahmen“ bezeichnet.) Der DQR berücksichtigt innerhalb des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems. Nun liegt ein erster Entwurf vor und auch schon die ersten Kritiken dazu.

Ziel des DQR ist eine höhere Mobilität von Lernenden und Beschäftigten zwischen Deutschland und anderen europäischen Ländern. Daher muss es einen Vergleichsmaßstab für die Qualifikationen und Kompetenzen in den unterschiedlichen Ländern geben. Die damit verbundenen Fragen beantwortet der erste Entwurf des DQR aus Sicht des DIE jedoch noch nicht.

Pressemitteilung vom 19.07.2010 des Deutsche Institut für Erwachsenenbildung, DIE; siehe dazu DIE FAKTEN.

Kritik besteht vor allem an der unterschiedlichen Auffassung der Einordnung bestimmter Abschlüsse innerhalb der acht Niveaustufen. Weiterhin stellen sich Fragen zur Vergleichbarkeit innerhalb des europäischen Kontextes. Es wird so zusagen nach einer „gemeinsamen Währung“ für eine Einordnung von Qualifikationen und Kompetenzen gesucht. Diese könnten sein: Länge des Ausbildungsweges, Exklusivität der Leistung, gesellschaftliche Wertschätzung … oder was?

Der DQR arbeitet außerdem, so ist in o. g. PDF zu lesen, „mit anderen Kompetenzbegriffen und unterscheidet die Lernergebnis- bzw. Anforderungsstruktur mit anderen Kategorien.“ Das sieht dann so aus:

1. Hauptkategorie „Fachkompetenz“ mit Unterkategorien a) „Wissen“ und b) „Fertigkeiten“

2. Hauptkategorie „personale Kompetenz“ mit Unterkategorien a) „Sozialkompetenz“ und b) „Selbstkompetenz“

Methodenkompetenz wäre dann integraler Bestandteil der vier Dimensionen.

Das Beispiel ist in der o. g. PDF weiter ausgeführt und enthält die DQR-Deskriptoren für die Niveaustufe 4.

Das DIE hat nun eine Stellungnahme der Weiterbildung zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) unterzeichnet.

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3 Responses to Deutscher Qualifikationsrahmen in der Kritik

  1. Die Diskussion über den Europäischen Qualifikationsrahmen und den deutschen Qualifikationsrahmen sind relativ heftig. Siehe u.a. auch http://www.denk-doch-mal.de und auch bei http://www.endresbildungde.wordpress.com

    Gerhard Endres

  2. Der DQR berücksichtigt leider nicht die tatsächlich während der Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten, sondern nur die bereits im System festgeschriebenen Werteebenen. Einer meiner drei Berufe – physikalisch-technischer Assistent – ist m. E. durchaus auf Bachelorniveau. Ganz einfach weil diese Ausbildung nahezu das gleiiche Wissen vermittelt. Das kann auf meiner Webseite gern verifiziert werden. Dort habe ich, auszugsweise, Prüfungsleistungen der höheren Berufsfachschule und zum Vergleich einer Fachhochschule hinterlegt. Zudem studiere ich an einer FH berufsbegleitend Elektrotechnik und habe bisher alle Klausuren mit meinem Ausbildungswissen bestanden. Für HM II habe ich präzise zwei Nachmittage Übungsaufgaben gelöst. Durchgefallen sind die, die vier oder fünf Wochen gelernt haben. Beide Seiten kenne ich also aus eigenere Anschauung! Im DQR ist der PhyTA in Stufe 4 eingeordnet. Meister und Techniker dagegen, die grundsätzlich weniger fachliche Kompetenz besitzen, sind sogar dem FH-Absolventen in Stufe 6 gleichgestellt.
    Irgendetwas läuft hier grundsätzlich verkehrt. Leider existiert keine Möglichkeit für Betroffene, einer derartigen Diskriminierung zu widersprechen. Wenn mann sich auf der DQR-Webseite an zuständige Personen (per Mail oder telefonisch) wendet wird einem mit Unverständnis begegnet. Wie kann man auch nur auf den Gedanken kommen, Zweifel am Urteil selbsternannter Experten zu hegen? Eine realistische Bewertung von Ausbildungsberufen sieht für mich anders aus.

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