Tratsch – und Fortbildung?!

Dieser Artikel von Alexander Greisle im work.innovation-Blog hat mich sehr amüsiert. Tratsch als irrelevant erachten, Tratsch verbieten wollen – damit habe ich auch so meine Erfahrungen. Im Kindergarten meiner Kinder hieß das immer „Parkplatzgespräche“, weil die Mütter (und teilweise auch Väter) nach dem Bringen oder beim Abholen, weil die Eltern nach den Elternabenden und auch die Gremienvertreter/innen nach der Sitzung stehenblieben und informell sich über alles austauschten, was mit dem Kindergarten und dem Drumherum (Kinder, Erziehung, …) zu tun hatte. Ich erinnere mich, dass die Erzieherinnen immer wieder dagegen vorgehen wollten und auch der Vorstand, dem ich angehörte, manchmal Anwandlungen zeigte, die Meinung, die sich in diesem informellen Raum bildete, verbieten oder kanalisieren zu wollen. – Tratsch kann unbequem sein, weil dort Erfahrungen ausgetauscht werden und die Meinungsbildung in eine Richtung gehen kann, die einem nicht so genehm ist. Tratsch ist – Öffentlichkeit!
So, das FobiKom-Blog ist ja ein Weblog über Fortbildungen. Deshalb noch der Schwenk (keineswegs als Pflichtübung!) hinüber zu Fortbildungsveranstaltungen und Konferenzen. Gerade bei letzteren weiß man eigentlich doch, dass das persönliche Treffen und der Austausch über die Themen ein ganz wichtiger Teil der Konferenz, sprich: der Fortbildung ist. Nun sind Konferenzen hinreichend anonym, dass man Veranstaltungen einmal schwänzen kann für ein Gespräch! Wenn man freilich Fortbildungen plant (als Anbieter) oder durchführt (als DozentIn), dann sollte man darauf achten, dem Gespräch Freiraum zu geben. Wenn eine Pause 10 Minuten dauern soll und man merkt, dass gerade intensive Gespräche laufen, dann kann man etwas Zeit zugeben. Oder man kann solche Zeitzonen planen, beispielsweise mit einem gemeinsamen Mittagessen. Oder man kann den Austausch sogar als Veranstaltung(steil) ausweisen, die Kommission für One-Person Librarians des BIB beispielsweise veranstaltet alljährlich auf BibliothekarInnentagen und -kongressen ein „zwangloses Beisammensein“ nach Vortrag und Praxisbeiträgen. Eine schöne Sache, dem Austausch (und sicher auch dem Tratsch) Raum und Namen zu geben!
Formelle, geplante, Qualitätskriterien entsprechende Fortbildungen sind gut, tun not – aber denoch sollte man auf informelle Zonen des Austauschs achten! Und keine Angst davor haben, in solchen Gesprächen einmal schlecht evaluiert zu werden. Wer ein Ohr darauf hat, bekommt so eine Menge über Bedürfnisse, Einschätzungen und Rückmeldungen mit und kann das so als ungeschminkte Rückmeldung verwenden, um daraus zu lernen.

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One Response to Tratsch – und Fortbildung?!

  1. fobikom sagt:

    Ich kann meinem Kollegen hier nur beipflichten. Der informelle Austausch als Teil der Veranstaltung muss nicht versteckt werden, sondern hat seine volle Berechtigung. So zählt die Kommission für Fortbildung beispielsweise die von manchen Landesgruppen initiierten Stammtische in der Statistik explizit als Fortbildung dazu. (Fort-)Bildung geschieht immer und überall. Ob in enge Kanäle gepresst oder auf ungedämmten Schwemmland. Frägt sich, welches der beiden fruchtbarer sein dürfte …

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