Andragogentag „Beratung in der Weiterbildung“ (4)

Der Vortrag „Weiterbildungsberatung der Bundesagentur für Arbeit“ (AG 5) anlässlich des 14. Andragogentags in Bamberg erhielt regen Zulauf. Zu Beginn stellte der Hauptredner, Eberhard Kutzera von der Bundesagentur seinen Advocatus diaboli, Michael Hümmer, vor. Letztgenannter hatte die Aufgabe, die Ausführungen punktuell in Frage zu stellen und somit den Diskurs mit den Teilnehmenden anzuregen.

Neues Beratungskonzept der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Zunächst ging es um die beabsichtigte Installierung eines neuen bzw. abgeänderten Beratungskonzeptes der Bundesagentur für Arbeit ab dem Jahr 2010. Eberhard Kutzera, Weiterbildungsberater in der VHS Bamberg sowie Arbeitsberater in der BA, ging kurz auf den rechtlichen Rahmen und die Zielgruppen der Beratung ein. Sodann berichtete er über die Grundstruktur des Beratungskonzeptes und seiner Prozesse. Er vergleicht dabei die zwei Beratungsformate OEB und IBB und weist jeweils auf deren Besonderheiten hin. OEB steht für Orientierungs- und Entscheidungsberatung, IBB für Integrationsbegleitende Beratung.

Basics der Berater/innen

Um die Arbeitsweise der Berater/innen transparent zu machen, stellt Kutzera einige Basics in Form (s)einer Selbstreflexion vor. Er macht deutlich, was Beratung für ihn selbst ist. Das geht von der Hilfe zur Selbsthilfe bis zur Arbeitsmarktberatung. Die Beratungsausführung sieht er in einer „klientenzentrierten-, realitätsbezogenen- und lösungsorientierten Strategie“. (Einschub: wie beinahe alle seriösen Berater bezieht er sich dabei auf Carl Rogers, den Begründer der personenzentrierten Beratung. Dessen Ansatz basiert auf den Annahmen der humanistischen Psychologie. Sie geht – im Gegensatz zum Behaviorismus und der Tiefenpsychologie – von einem gesunden, sich selbst steuernden Menschen aus.)
Die Beratungselemente betreffen die Personal-, Karriere- und Arbeitgeber- sowie Arbeitnehmerberatung, die Weiterbildungs- und Konfliktberatung und das Outplacement.

Die Beratung von (nicht nur) Arbeitslosen war für die Gruppe Gegenstand einiger Diskussionsbeiträge. In der Vergangenheit – so eine Wortmeldung – ging die Beratung zuweilen am realen Fachkräftebedarf vorbei. Offenbar wurden vermehrt Weiterbildungen zu (beispielsweise) IT-Techniker/innen oder auch Gabelstapelfahrer angeboten, die letztendlich wider Erwarten doch nicht benötigt wurden. Dieses Dilemma läge schlicht darin begründet, dass niemand, trotz genauer Beobachtung der Entwicklungspotenziale, in die Zukunft sehen könne, so Kutzera.

Fragen zur Beratertätigkeit

Im Vorfeld des Seminars wurde von Student/innen der Universität Bamberg in einem Workshop eine Fragensammlung erstellt. Kutzera bildete sie zwar auf Folie ab, doch in der Kürze der Zeit waren natürlich nicht alle zur Beantwortung vorgesehen. So stellte er den Teilnehmenden der Arbeitsgruppe frei, aus dem Katalog einige auszuwählen.

So lautete eine Frage „Wie geht man mit auswegslosen Beratungssituationen um, in denen man dem Klienten einfach nicht helfen kann?“ Ja, die gäbe es hin und wieder, so Kutzera. Persönlich dürfte man daran aber nicht „verzweifeln“, denn ein Berater kann nun einmal keine Stellen oder eine Qualifikation herbeizaubern. Dennoch fänden sich immer erste Schritte, die zu gehen eine Alternative zur Arbeitslosigkeit wären.

„Sind „Persönlichkeitsberatung“ (also Passung bzw. Profession) plus Fachberatung in Bildungsberatung untrennbar?“ Eine interessante Frage. Die Antwort: es muss sauber getrennt werden zwischen den beiden Beratungsaufträgen. Was jedoch nicht heißt, dass sie immer zu trennen sein müssen. Nur gewahr muss man darob sein, was denn der Beraterauftrag zunächst genau ist und was die spezifische Situation tatsächlich gerade erfordert.

Fazit

Die beiden Referenten Kutzera und Hümmer vermittelten ein gutes Bild von der (alten wie neuen) Beratertätigkeit in der Bundesagentur, so dass das eine oder andere Vorurteil („Hauptsache, die Statistik stimmt“) ausgeräumt werden konnte. Ein wenig offen blieb die Frage, worin sich das neue vom alten Beratungskonzept denn nun tatsächlich unterscheiden würde. Dass ich keine Notiz dazu habe und die Antwort auch nicht nachhaltig in meinen Gehirnwindungen hängen blieb, mag ein Indiz dafür sein, dass er so wesentlich wohl auch nicht sein dürfte. Zumindest nicht in der Person Kutzeras, der das „alte“ Verfahren wohl immer schon an den „neuen“ Erkenntnissen einer adäquaten Beratungstätigkeit ausgerichtet haben dürfte, so mein persönlicher Eindruck.

Für morgen ist hier in diesem Weblog der letzte Beitrag zum Andragogentag 2009 vorgesehen. Er wird dem Schlussvortrag von Barbara Lampe zum Thema „Professionalisierung der Weiterbildungsberatung im Bildungsberatung-Verbund“ gewidmet sein. Bis denn!

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