Netzwerkkonferenz 2009 (4): Zeit und Lernen

Im Teil 4 der Berichte zur ArtSet® Netzwerkkonferenz geht es um „Zeit und Lernen“. Da fragen wir doch gleich einmal: was habe ich aus dem Vortrag des Systemtheoretikers, Prof. Dr. Peter Fuchs, gelernt?

Fuchs-Lehren in guter Absicht mit System

Zunächst, dass ein lebendiger Vortrag keinen Beamer benötigt. Dann, dass eine lesbare Handschrift diesem Umstand Rechnung tragen sollte. Nicht nur die des Professors an der Tafel, nein, auch die meinige Niederschrift ist etwas schwer decodierbar. Das macht den Blogbeitrag heute möglicherweise etwas, hm, anreisserisch. Doch den Professor muss man ohnehin live erlebt haben. Er war zwar sowohl akkustisch als auch inhaltlich zuweilen etwas schwer verständlich. Und trotzdem riss er die Zuhörenden von Anfang bis Ende mit, als er sich den Systemen – quasi von hinten wie ein Fuchs –  über eine Story von Fremdenlegionären, die zu Staubsaugervertreter mutieren, anschlich, um uns hier vorne pfundschwere Theorien leichthin und schalkhaft in den Schoß zu legen. Er sagt ja selbst: „Lehren findet meist in guter Absicht statt“. Und: „Lehren ist ein Einfallstor für Moral“ – aber das hat er erst später zum Besten gegeben.

Nun, wir wissen ja, dass man mit Spaß viel lernen kann. 160 Vortragslauschende so eben mal kurz die systemrelevante Theorie zu vermitteln kann gnadenlos scheitern, zumal es bereits später Nachmittag war. Dann mal los …

Systemtheorie „ganz einfach“

Zunächst die Basis: Bedeutung
Dann das Schema: „etwas setzt sich zusammen“
Und: Systeme denken nicht. (Später hieß es: „Systeme haben jedoch ein Gedächtnis.“)

Na, war doch gar nicht sooo schwer. Sie müssen nur den Sinn in einen Horizont einbetten. Sie haben die Wahl und den Horizont, somit die Voraussetzung zu einer phänomenologischen Beschreibung. Die operative Bedeutung erhalten Sie, indem Sie einen „Hut“ aufsetzen. In der Wiederholung übrigens ändert sich alles Gewesene wieder. Den Hut übrigens als Phallussymbol, oder noch bessser: der Aus- und Einstülpung … das habe ich mir sofort gemerkt. Wir wissen jetzt: „wenn sie von Hüten träumen, dann haben Sie ein Problem.“

Das System hat Grenzen

Also nun mal im Ernst, alles hat seine Grenzen! Ja, auch das System. Und zwar Sinngrenzen. Jetzt die Geschichte mit dem Staubsaubervertreter. Jener, der zunächst nur als Vertreter wahrgenommen wurde, mit dem entsprechend vor sich gehenden Verkaufsgespräch. Dass dieser als längst verschollener Sohn von der Frau des Hauses urplötzlich wiedererkannt wurde, änderte die Fortsetzungsbedingung der Kommunikation. Sohn darf nun umarmt, körperliche Merkmale angesprochen werden („du bist aber dick geworden“) … also eine enthemmte Kommunikation. Die Grenzen im System haben sich verschoben.

… und eine andere Zeit

An diesem Lücken lassenden, interpretationswürdigen Blogbeitrag lässt sich übrigens gut erkennen, dass Sinnsysteme eine andere Zeit haben, dass „die Gegenwart bereits vorbei ist“, dass die Zeit Beobachter braucht und es eine nachträgliche Identifikation geben kann. Beobachtungen erster und zweiter, ja, auch dritter Ordnung soll es geben, … wir sind jetzt nicht mehr weit entfernt von Fuchsens „Alphahenne“ bzw. dem „Omegahuhn“; Mann – Frau, Frau vor Mann -> Mann inkompetent, Frau kompetent … also, irgendwie bräuchte ich jetzt doch noch so ein paar Folien. Sie auch?

Erinnern ohne Folien? Erinnern als Krise

Vergessen Sie es, die Folien gibt es nicht. Ich kann nur noch einmal raten: erleben Sie den schlauen Fuchs von Professor (der sich durch diesen Trick vermutlich persönlich unersetzbar und unvergessen macht) – es macht wirklich Spaß! Wie auch die ganze Netzwerkkonferenz, die immer wieder Überraschungen parat hält. Eben eine lernende Organisation, die sich selber immer wieder neu erfindet. Und dabei wieder vergessen muss.

„Erinnern“ hat übrigens immer etwas mit einer Krisenfunktion zu tun. Wenn Sie zum Beispiel Klavierspielen gelernt haben, müssen Sie auch wieder vergessen, wie Sie es gelernt haben. Denn wenn Sie bei jeder Note erst überlegen, wie sich die Finger bewegen müssen, dann kommen Sie nie zu einem flüssigen Spiel. Das Vergessen ist übrigens gar nicht so schlimm, denn stattdessen bekommen Sie ja Erfahrung. Irritiert? Macht nichts, war auch ein Aspekt – Irritationen lässt Kombinationspielräume zu … oder so. Irritationen sind Störungen im Prozess und somit ein Weg, Erhärtungen aufzuweichen.

Verstören und Irritieren

Nun, Prof. Fuchs hat uns wohltuend verstört, aber nicht allein gelassen damit. Er empfiehlt bei Interesse („Wollen muss erzeugt, Formkatastrophen errechnet werden“ – nein, jetzt reicht’s aber wirklich, Ilona!) das Lesen von (seinen) Büchern. Außerdem wurden wir aufgefordert, ihm unsere Fragen zuzumailen. Dazu bin ich leider noch nicht gekommen. Die nächste Tagung nahte bereits. Ich hatte noch in der selben Woche das Vergnügen, dem ArtSet-Team zum Andragogiktag in Bamberg erneut zu begegnen – doch davon später mehr. Jetzt erst mal Begegnung mit dem Bodensee. Passenderweise mit dem Seminarthema „Zeit- und Selbstmanagement“. Das benenne ich jetzt trotzdem nicht sofort um in „Zeitberatung“, allen Professoren zum Trotz 😉

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