Netzwerkkonferenz 2009 (3): Zeit und Organisation

Der Netzwerk-Berichte vorletzter Teil: „Zeit und Organisation“. Ist gleich „Organisationszeiten“? Und: „Was habe ich heute eigentlich gemacht?“ waren die Eingangsfragen, gestellt von PD Dr. Frank Michael Orthey, dem zweiten Referenten des Tages der ArtSet® Netzwerkkonferenz in Köln. s. a. Berichte: Teil 1 | Teil 2 (Workshop zu Zeit und Qualität (sic!)

Temporeich und mit zahlreichen textunterfütternden Bildfolien führte Frank M. Orthey, Trainer und Berater für Lern-, Führungs- und Modernisierungsprozesse, die Teilnehmenden durch das „Suppenkoma“ hinweg. [Zu den Vortragsfolien.]

Sach-, Sozial- und Zeitdimension

Organisationen bewegen sich in Sach- Sozial- und Zeitdimensionen. Immer höhere Beschleunigungs- und Rationalisierungsansprüche im Bezug auf Arbeits- und Organisationszeiten absorbieren die Eigen-Zeit und Sozialzeit der Arbeitnehmer und lassen deren natur-gemäße Rhythmen und Zeitbedarfe häufig unberücksichtigt. In welcher Weise sich dabei Beziehungen unter den Personen entwickeln oder wie sich Lerninhalte in angemessener Zeit festigen lassen, interessiert nur am Rande. Die daraus resultierenden Differenzen benötigen jedoch einen immer höheren Abstimmungs- und Synchronisierungsbedarf, der … Sie ahnen es … ebenfalls Zeit beansprucht. Ein unentrinnbares Dilemma?

Zeit und Lernen

Orthey gibt uns zumindest „Lern-Hoffnungen: denn erstens macht Lernen Sinn und zweites lässt uns Lernen bewusst (Zeit er-)leben. Oder wie die Slogans treffend anmerken: „Wer aufhört zu lernen, hört auf zu leben“ und „Lernen macht Zukunft!“

Dabei gilt es, Zeit zum Ver-lernen, zum Sich-Lösen, zu erhalten. Was wir nicht mehr brauchen, darf und muss vergessen werden, um dem Neuen die Chance der Verfestigung zu geben. „Entlernen entlastet und erleichtert“, so Orthey. Bildungsorganisationen wissen, dass es für echtes Lernen Zeit braucht.

Das Zeitmodell für Organisationen

An einem „Zeitmodell für eine ökologische Zeitkultur in Organisationen“ stellt der Referent die Verhältnisse und die Spannungsfelder von (Eigen)Zeit, Naturzeit, sozialen Zeiten und Aufgaben-Zeiten (inhaltlichen Zeiten) dar.

Zum Beispiel die soziale Zeit. Sie ist per se eine Beziehungszeit. Die gemeinsame Kaffeepause, das kurze Schwätzchen auf dem Flur, der Smalltalk in der Kantine beim „Essen-Fassen“ …, sie entfallen zunehmend durch die Flexibilisierung der Arbeitsplätze, -zeiten und -inhalte (Gleitzeit, Telearbeit, Telefonkonferenzen in der Nacht, etc.). Auch wird das Zeitmanagement in die persönliche Verantwortung delegiert. Ein Beispiel: Pausen (als Zeitbiotope) sind nicht mehr vorgegeben. Ergo macht man Pause, wenn es gerade zwischen rein passt. Oder auch gar nicht. Pausen werden häufig als „Zeitpuffer“ angesehen, die bei Eigen-Organisation verpuffen, so die Erkenntnis aus dem vorangegangenen Workshop zu „Zeit und Qualität“. Dem Arbeitgeber müsste es freuen, wenn Pausen hinfällig werden.

Doch das hat fatale Folgen für die Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen, des Informationsflusses und der Rückkoppelungen. So werden neuerdings die ehemals „in gutem Kontakt verbrachten Zeiten“ in aufwändigen Arrangements über „Beziehungsthemen“ (wieder-)belebt.

Im Spannungsverhältnis von „sozialer Zeit“ zu „Organisationszeiten“ steht die Zeit sodann als ein zentralen Machtfaktor von und in Organisationen. „Der Mensch ist Mittelpunkt. Der Mensch ist Mittel. Punkt“ (Zitat von? Hinweis erbeten!)

Bleibt die Erkenntnis: wir brauchen eine Zeitvereinbarungs- statt -managementkulturfür ökologisch sinnig agierende Organisationen.

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