1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein (1)

Über 70 Interessierte trotzten dem Wintereinbruch und folgten dem Aufruf zum 1. Schulbibliothekstag in Schleswig-Holstein am 14.10.2009 im Gymnasium Altenholz bei Kiel. Eine gespannte Erwartung lag über der Schule, die sich nicht nur räumlich, sondern auch über den aktiven Einsatz ihrer Schüler/innen in einen historischen Moment einbrachte. Das Organisatorenteam – allen voran Susanne Drauz („Frau Fleischmann“), Gerhard Günter Schlamp (Hessische Schulbibliothekslegende) und Andreas Borrmann (künftige Legende? Lehrer am Gymnasium) und ein großer Stab an Ordonanzen der 13. Klassen setzten alles daran, dass sich die Teilnehmenden und Referent(inn)en gut betreut fühlten. Über die Eindrücke dieses Tages will ich hier und folgend als geladene Referentin berichten, was auf Grund des eigenen Einsatzes nur sequentiell sein kann.

Stichwort: Einsatz. Ein hoher, persönlicher Einsatz war kennzeichnend für das gesamte Geschehen. Bereits beim gemeinsamen Mittagessen der Protagonisten in der schuleigenen, atmosphärischen Kantine (auf der Homepage noch alte Fotos) erstaunte uns die Tatsache, dass sowohl der berühmte Koch (seines Zeichens Schleswig-Holsteinischer Spargelschnellschälerkönig, wie man mir erzählte) als auch ca. 100 Mütter abwechselnd unentgeltlich bis zu 150 Mittagessen pro Tag kochten und den täglichen Küchendienst verrichteten. In drei Etappen wird hier gegessen und trotz Andrang findert der Koch immer noch die Zeit dafür, die Hallo-Grüße der Hungrigen lachend und winkend zu erwidern. Selten habe ich eine derart harmonische Stimmung in einer Schule erlebt wie in Altenholz, einem – zugegeben– wohlsituierten Ort an der Kieler Schleuse. Diese Stimmung sollte den ganzen Tag auch bleiben.

Zu den fünf Workshops, die zum größten Teil in zwei Durchgängen offeriert wurden, fanden sich höchst engagierte und trotz aller präkeren Schulbibliothekssituationen optimistisch vorwärtsblickende Lehrer(innen) sowie einige wenige Bibliothekarinnen und Bibliothekare ein. Bemerkenswert: Teilnehmende, die sich eher destruktiv äußerten, mussten es sich gefallen lassen, vom Gros der Teilnehmenden belehrt zu werden, man wäre ja schließlich nicht da, um zu jammern, sondern sich Anregungen zur Verbesserung zu holen.

Wie ist die Schulbibliothek nun zu verbessern bzw. welche Instrumente könnten hilfreich sein? Aus dem Programm:

Monika Gumz (OStRin und Bibl.Assessorin, Fachberatung Schulbibliothek, Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, Außenstelle Kassel) bot Erkenntnisse unter dem Titel „Gelingensbedingungen empathischen Lesens“ an. Sie wurde tatkräftig von den ihr zugeteilten Schülerinnen und Schüler unterstützt, die bereitwillig etliche Kisten mit Anschauungsmaterial und Büchern schleppten und somit die knappe Aufbauzeit in den (unterrichtsbedingt erst kurzfristig freiwerdenden) Klassenzimmern wieder wettmachten.

Günter Schlamp (Schuldirektor a. D. und Weblogbetreiber Basedow1764) referierte zu „Arbeitstechniken lernen in der Bibliothek“. Er berichtete in unserer gestrigen abendlichen Ausklangrunde ebenfalls von einem sehr aufmerksamen Publikum, das auf uns alle wie der buchstäbliche „Schwamm“ wirkte, der alles begierig aufsog.

Was tun, wenn der Etat der Schule zu allem, nur nicht zur (faktisch nicht vorhandenen) Schulbibliothek reicht? „Farbe kostet nix“, so die Lösung von Jaqueline von Laak (Dipl. Designerin, Innenarchitektin BDIA, Fachbereich Bibliothekseinrichtung, Büchereizentrale Schleswig-Holstein), zumindest, was die „Gestaltungsebenen für die Schulbibliothek“ betrifft, so der Untertitel.

Zum gleichen Dilemma, was tun, wenn die monetären Mittel fehlen, referierte Ilona Munique (also die Berichterstatterin, zertif. Erwachsenenbildnerin u. a., WEGA-Team) unter dem Thema „Sponsoring? Sponsoring! – Drittmittelbeschaffung für Schulprojekte“ und räumte mit der Fehlinterpretation auf, dass Spende mit Sponsoring gleichzusetzen wäre. Sowohl das Fragezeichen als auch das Ausrufungszeichen im Titel sind mit Kalkül gesetzt. Sponsoring darf Bildungsträger, Staat und Gesellschaft auf keinen Fall aus ihrer Verantwortung entlassen (das ist das Fragezeichen). Sponsoring kann immer nur eine zusätzliche Möglichkeit sein, ein erweiterter Spielraum sowie Hintergrund für Öffentlichkeitsarbeit (das Ausrufezeichen). Ich berichte darüber ausnahmsweise im hauseigenen Weblog.)

Ebenfalls ein kostenschonendes Instrument sind die „Medienboxen der Büchereizentrale Schleswig-Holstein“, vorgestellt von Margit Wachtel (Dipl. Bibl., Schulbibliotheksstelle, BüZ SH). Die Medienauswahl der verschiedenen Themen orientiert sich am Bedarf der Kindergärten, Grundschulen und Orientierungsstufen.

Der „Markt der Möglichkeiten“ in der Aula hielt eine Vielfalt an Informationsmaterialien mit non-kommerziellen Charakter bereit, war folglich keine Firmenausstellung. Beispielsweise war das „Forum Schulbibliothek“ mit einigen Arbeitshilfen vertreten, unter anderem die Publikation zur erste Umfrage zum Stand der Schülerbüchereien (PDF, 732 KB).

Außerdem zu finden: der reichlich bestückte Stand der „Bundeszentrale für politische Bildung“. Mitgenommen habe ich ein Exemplar zur Demokratie in Deutschland, die mir allzu oft verzerrt wahrgenommen oder mit Füßen getreten wird. In Anbetracht der vergangenen Wahlen liegt das Thema ja durchaus noch im Raum.

Zu Anfang und Ende, also den „meets and greets“, dem Impulsvortrag von Gerhard Günter Schlamp „Die Schulbibliothek als Lernort“ sowie zur Podiumsdiskussion mit Vertreter(inn)en unterschiedlichsten Couleurs in Sachen Schulbibliothek, komme ich in den nächsten beiden Blogbeiträgen. Vielleicht auch schon mit Linkergänzung der Veranstalter/innen, die sicherlich in Kürze eigene Beiträge veröffentlichen werden. Ich persönlich schreibe diesen Text gerade auf dem Weg von Kiel nach Flensburg, Treffpunkt unserer dieshalbjährlichen Vereinsausschusssitzung des BIB. Bericht in Kürze – geschrieben wohl auf dem Weg nach Dresden, meinem darauf folgenden Einsatzort.

So ende ich, wie ich begann: mit einem Hoch auf jedwede Einsatzbereitschaft im Ehrenamt, die geprägt ist von erstrebenswerten Verbesserungen unserer Welt, in der wir leben. Und die nicht dadurch geschieht, dass wir jammernd, klagend und schimpfend auf dem Fleck stehen bleiben, sondern uns in einem Netzwerk wiederfinden, welches die Zukunft reissfest zu tragen vermag. Das wünsche ich jedenfalls diesem neuen bzw. erweiterten „Netzwerk Schulbibliotheken“ von Herzen.

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One Response to 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein (1)

  1. […] 1. Schulbibliothekstag in Schleswig-Holstein wurde außerdem ausführlich berichtet: FobiKom-Weblog (Teil 1: Impressionen und Programmübersicht) | (Teil 2: Impulsreferat) | (Teil 3: Schlussrunde) sowie […]

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