Ups! Ist Weiterbildung Geldvernichtung?

Diese Schlagzeile war ein echter Schocker: „Weiterbildung: Echter Nutzen oder Geldvernichtung?“, dreist-mutig in den Raum gestellt vom WirtschaftsBlatt.

Brille aufgesetzt … das kann doch wohl nicht wahr sein … aufrechte Sitzposition eingenommen und dann gaaaanz langsam und konzentriert gelesen. Wer wagt es, unsere (also die der Trainerinnen wie Trainer) immerwährenden persönlichen Einsätze, schlafgeopferten Nächte, Berufung und Erwerbsquelle, ja, unser ganzes Sinnen und Trachten, Erkenntnis und Motivation in die Welt zu bringen, in Frage zu stellen???

Ich lese: „Gaudi-Seminare“

Ich ahne: Damit ist gewiss nicht ein Kunstseminar gemeint. Hm, Gaudi: wo gibt’s die denn? Schade, habe wohl was verpasst.

Ich lese: „Werden Seminare besucht, so wird in immer kürzerer Zeit mehr Inhalt hineingepackt, am besten Organisationsentwicklung plus Betriebswirtschaft in zwei Tagen.

Ich seufze: Ja, ja … das ist nicht wirklich neu. War schon vor der Krise so. Zum Beauftrager „Ja, machen wir“ sagen und dann die Teilnehmenden trotzdem nicht überfordern. Alle sind hoch zufrieden und später kann (und will) sich keiner mehr daran erinnern, was er den Betroffenen ursprünglich alles abverlangt hätte.

Ich lese: „Und der Nutzen für das Unternehmen wird immer wichtiger.“

Ich protestierte: Wer konnte schon jemals den „objektiven“ und langfristigen Nutzen eines Seminars tatsächlich abschätzen?

Selbst, wenn das Seminar nicht einmal inhaltlich bereichert haben SOLLTE (was glücklicherweise die wenigsten schaffen – man beachte die doppelte Verneinung!), so könnte – jetzt mal im Extremfall – jemand jemanden kennen und lieben gelernt haben und somit zu einem besseren Menschen und dadurch zu einem zufriedeneren, einsatzfreudigeren Arbeitnehmer mutiert sein … siehe VHS als größter Heiratsvermittler … Erinnert mich außerdem an die historische Entwicklung und erwachsenenbildungstheoretische Diskussion von „Bildung zur Brauchbarkeit“.

Ich lese: Günter Sigl, Institut Stratos: „Wir müssen uns schon fragen, ob durch Weiterbildung nicht eher Kapital vernichtet wird, als dass es wirklich etwas nützt. Mich würde zum Beispiel interessieren, welche Unternehmen in Österreich auch nur den Anflug eines Bildungscontrollings oder Transfergespräche nach einem Seminar betreiben. 80 Prozent aller Trainings scheitern am Transfer in die Praxis.“

Ich atme auf: Ach so. Die üblicherweise (auch in Deutschland) selten eingesetzte Nachhaltigkeitsprüfung (was leider, leider ihre Gründe hat, aber das ist ein anderes Kapitel) muss nun als Indiz herhalten, dass eventuell Kapital vernichtet wurde. Doch nur auf Grund fehlender Überprüfung gleich auf Verluste zu schließen, also, das halte ich für sehr gewagt.

Ich lese: So sind 50 Prozent aller Trainer davon überzeugt, dass das, was in ihren Trainings gelernt wird, auch Eingang in die Praxis findet.

Ich lese leider NICHT: die Studienquelle zu dieser Zahl!

Ich lese: Gerhard Niedermair: Es gibt zwar schon Instrumente, anhand derer man ziemlich rasch erkennen kann, ob ein bestimmter Aspekt in die Praxis übernommen wurde.

Ich versteht nicht: warum der in diesem Absatz befindliche Link auf ein Buch zu Opiatabhängigkeit verweist (!?).

Ich beschließe, hier nur noch einen Absatz zu bringen und dann den Rest Ihnen zu überlassen.

„Wo sich aber doch etwas ändern sollte, ist in der Verstärkung der Klammerfunktion, also vor dem Seminar und nach dem Seminar. […] Was garantiert nicht funktioniert: Jemanden auf Vorrat in ein Seminar zu schicken. Deshalb muss zuerst überhaupt der Bedarf erhoben werden. Was aber sicher in Zukunft noch zunehmen wird, ist informelles Lernen.“

Ich meine: DAS kann ich unkommentiert so stehen lassen.

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