Porträt Weiterbildung Deutschland und Österreich (9.2)

Und weiter geht’s im Kapitel Tendenzen und Perspektiven aus den Porträtbändchen Deutschlands und Österreichs. Wissenschaftliche Befunde, so erfahren wir aus Österreich, betonen einen Zusammenhang betreffs der Höhe der Ausbildung und des Wirtschaftswachstums. Des weiteren werden zwei Problemzonen des Bildungswesens ausgemacht:

Erstens verlassen bis zu 20 Prozent der 15-jährigen eines Jahrganges die Schule mit großen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Und zweitens werden bei den Führungskräften besonders die „Soft Skills“ vermisst. Zum Beispiel in Sachen Kommunikation und des „Miteinander Lernens“ in den (künftig hoffentlich hierarchieflacheren) Organisationen. Erwünscht wird außerdem eine vermehrte Wahrnehmung der Vermittlungs- und Weiterbildungsfunktion auf Seiten der Führungskräfte.

Weiterbildung auch als verbindendes Element zwischen Schule und Hochschulen, als Querschnittsthema, als „präventive Arbeit, um den Wandel kreativer gestalten zu können“. Schlechte Aussichten, wenn schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung nicht an Fortbildungen teilnehmen. Dem Ministerium für Arbeit und Soziales ist das ein Dorn im Auge und es begründet die Förderung von Weiterbildung dementsprechend in seinem Positionspapier von 1996, nachzulesen bei Werner Lenz.

Hat der Aufruf genutzt? „Erst gezielter Einsatz von Personal und Finanzmittel lassen Erwachsenenbildung in ihrer sozialpolitischen Dimension wirksam werden“, so die Erwartungshaltung, die die KEBÖ (Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs) im Jahr 2001 an die Politik (in sinngemäßer Form) geäußert hat. Sie fordert einen jährlichen Mehraufwand von bis zu 145 Millionen Euro. Was damit passieren soll, hat Lenz ausführlich und nachvollziehbar aufgeführt. Im Wesentlichen treffen diese Anliegen auch auf deutsche Lande zu.

Neben der sozialpolitischen Dimension spielt – und ich blicke wieder in das deutsche Porträt – die regionale Dimension und in der logischen Abfolge die Subsidiarität (innerhalb des Staates bzw. Gesamtdeutschlands) eine große Rolle. Globale Probleme und die europäische Dimension ist die eine, regionale und individuelle Probleme die andere Komponente, gerade auch, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit in der Arbeitswelt geht. Eine Lösungsansatz sind kooperative Netzwerke, wie sie im Zusammenhang mit der „Lernenden Region – Förderung von Netzwerken“ stehen.

Kurz zurück nach Österreich. Hier macht mir ein Passus zu schaffen, der folgendermaßen lautet:

Sie [die österreichische Erwachsenenbildung] steht am Anfang einer neuen Phase, in der Erkenntnisse aus der Praxis und wissenschaftliche Analysen ebenso gefragt sind wie die weitere Mitarbeit engagierten und qualifizierten jungen und erfahrenen Personals.

Jung UND Erfahren? Ich hoffe, hier wird nicht nach der eierlegenden Wollmilchsau gesucht. Aber im Bezug auf Weiterbildung wäre das durchaus verständlich. Von der Erwachsenenbildung wird viel erwartet und erhofft, doch zu wenig Konkretes geleistet. Wer’s austragen wird? Gering Verdienende und sozial Benachteiligte sowie engagierte und qualifizierte, jedoch unterbezahlte Trainer(inn)en? Das ist wohl ein trauriges Bild Europas. Es fällt nur deshalb nicht sonderlich auf, da es in anderen Ländern und Regionen noch viel schlechter bestellt ist.

Jammern auf hohem Niveau ist es jedoch auch nicht. Beklagen möchte ich vielmehr den Umstand, dass diejenigen, die ernten, DIE vergessen, die zunächst den Boden bereiten, ihn säen und pflegen. Wenn also beispielsweise die herstellende Industrie ihren Reibach macht, wäre es nur recht und billig, sie in entsprechender monitärer Weise am Heranwachsen qualifizierter Mitarbeiter(innen) stärker zu beteiligen. Nicht nur weniger Einzelner qua Ausbildung. Ein allgemeiner Bildungsfond fällt mir da spontan ein. Und Ihnen? Wo wir schon dabei sind: welche Perspektiven haben eigentlich Sie? Schreiben Sie uns.

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