Porträt Weiterbildung Deutschland und Österreich (9.1)

Der heutige Beitrag befasst sich mit der jeweiligen Kapitelnummer 12 der beiden Bändchen Porträt Weiterbildung Deutschland bzw. Österreich: Tendenzen und Perspektiven. Blicken wir also in die Glaskugel der Erwachsenenbildung.

Einige Themen sind in fast jedem europäischen Land gleichermaßen akut geworden: die politische Bildung, Literacy, die Bildung älterer Menschen und die der Migrant(inn)en – dieses war zu lesen im letzten Kapitel. Aber auch selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen werden eine immer größere Rolle spielen. Doch bevor wir zu diesem durchaus positiven Teil der Zukunftsschau kommen, zunächst eine beinahe apokalyptisch anmutende Aussage E. Nuissls/P. Brandts für Deutschland. Diese  besagt, dass es „erheblicher gemeinsamer Anstrengungen“ bedarf,  dass man eine „große Minderheit der Bevölkerung [d. i. 20 – 30 %] nicht in ein System der ’social exclusion‘ [zu] treiben“ darf, aus dem herauszukommen kaum mehr möglich ist.“

Eine weitere Kernaussage betrifft die viel zitierte Schere, die auch bei der Bezahlbarkeit von Bildung mittlerweile zutrifft: es gibt viele, die nicht einmal niedrige Entgelte für Bildungsbeteiligung zu bezahlen vermögen, und viele, die auch bereit sind, für ihr berufliches Fortkommen „deutlich höhere Entgelte zu zahlen.“ Es ist der unumkehrbare „Weg einer Regulierung des Bildungssystem von der Angebots- zur Nachfrageinduktion“ – und damit der Beginn eines Paradigmenwechsels in der Erwachsenenbildung. Soviel also zum gesellschaftlichen Bildungsauftrag. Leidiges Credo: „Wer zahlt. schafft an.“ Erhärtet wird diese (meine) These durch den österreichischen Band mit der Aussage von W. Lenz: „Weiterbildung wird als unverzichtbares wirtschaftliches Element angesehen. Der traditionelle Anspruch von Bildung als Beitrag zur Entwicklung der Persönlichkeit, als Moment der indiviuellen, sozialen und demokratiepolitischen Orientierung wird immer mehr ausgeblendet.“

Minimale Gegensteuerung dazu: die Anerkennung eines (deutschen) ProfilPASSes als Anerkennung selbstgesteuerteten Lernens und somit auch die informellen Bereiche des Lernens betreffend. Geschuldet für meine Begriffe eindeutig der unübersehbaren demokratischen Bildungsgestaltungsmöglichkeiten, die das Internet bietet, zum Beispiel über selbstverantwortliches Online-Lernen, einem selbstorganisierten Netzwerklernens oder einer autodidaktischen Grenzüberschreitung von Raum und Disziplinen. Jeder Mensch kann sich selbst bilden – das ist kein neuer, aber vielleicht mit Hilfe des Internets neu entdeckter Horizont.

Alleine in diesen Zeilen steckt soviel Zündstoff zum Nachdenken, dass ich es heute damit bewenden lasse. Wer mag, kann dazu gerne einen Kommentar beisteuern. Morgen mehr … im doppelten Sinne.

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