Porträt Weiterbildung Deutschland und Österreich (4)

Nicht wirklich überraschend: „die institutionelle Struktur der Erwachsenenbildung in der Bundesrepublik Deutschland ist außerordentlich differenziert“. Erkenntnis aus dem 4. Kapitel „Institutionen“ des Bandes Porträt Weiterbildung Deutschland.

Wohingegen es „Ein besonderes Kennzeichen der österreichischen Erwachsenenbildung [ist] die relativ strikte Aufgabentrennung bei den bundesweiten Verbänden“ ist. „Sie sind entweder fast ausschließlich im allgemeinbildenden oder im berufsorientierten Bereich tätig.“ Zu lesen im Porträt Weiterbildung Österreich.

Die Zahl der anerkannten und öffentlich geförderten Einrichtungen sowie die Weiterbildungsinstitutionen von Unternehmen, Betrieben und der Wirtschaft, weiter der kommerziell betriebenen Einrichtungen in Deutschland „wird auf rund 25.000 geschätzt“. Rund 17.000 führt das Projekt Weiterbildungskataster des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung auf. Hier findet sich ein Schätzwert von bis zu 85.000 Anbietern! Wie dem auch sei: ein Markt ist offensichtlich da.

Wie hoch die Anbieterdichte in welcher deutschen Region ist, zeigt eine Karte. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt mit 23,2, Sachsen mit 24,7 und Mecklenburg-Vorpommern mit 24,8 Weiterbildungsanbieter pro 100.000 Einwohner im Alter von 19 bis 64 Jahren. Hamburg mit 55,4 und Bremen mit 47,9 liegen weit vorne. Hessen mit 40 und das Saarland mit 39,2 lassen Baden-Württemberg mit seinen 38,8 hinter sich. Was sich daraus ableiten lässt? Denken Sie sich, was Sie wollen. Die Verfasser konstatieren lediglich, dass sich die Weiterbildungsanbieter „recht unregelmäßig über das Land“ verteilen und sich deren Verteilung „nicht direkt proportional zur Bevölkerung“ verhält. Ob uns eine Statistik über den häufigst anzutreffenden Bildungsstand, über Aussagen zur industriellen Entwicklung, den Stand der Arbeitslosigkeit, die Zuschusshöhe oder die Rahmenbedingung „Bildungsurlaub“ etc. zu Interpretationen verhelfen könnte? Wäre interessant, aber wagemutig.

Recht übersichtlich gestaltet sich hingegen die österreichische Anbietersituation. Eine unabhängige, bundesweit und gemeinnützig agierende „freie Arbeitsgemeinschaft“, die aus neun großen Verbänden und dem Büchereiverband Österreich (BVÖB) besteht – die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) – existiert neben Wirtschaftsförderungsinstituten und privatwirtschaftlichen Unternehmen. Dargestellt sind die einzelnen allgemeinbildenden und berufsbildenden Institutionen der KEBÖ. Auf andere Institutionen wird hier nicht eingegangen. Dazu findet sich jedoch eine Tabelle im 6. Kapitel „Angebote“, die die prozentuale Verteilung von Anbietern beruflicher Weiterbildung zeigt. Auch im Kapitel „Angebote“: die „Österreichische Gesellschaft für politische Bildung“. Und der Hinweis auf das Fachinformationssystem (FIS) Bildung, eine internationale Fachliteraturdatenbank zum Bildungsgeschehen Deutschlands, Österreich und der Schweiz.

Das Büchlein zur deutschen Weiterbildungssituation kann zwar nicht mit einer Konstellation wie dem KEBÖ aufwarten, jedoch finden sich dafür einige Grafiken zu Fakten der Erwachsenenbildungsanbieter. Eine davon zu den verschiedenen Anbietertypen. Erstaunlich: 41,3% sind private Anbieter, weit abgeschlagen dahinter mit 23,5% die Volkshochschulen. Erst danach finden sich mit 7,5% Einrichtungen eines Vereins oder Verbands (außer den VHS natürlich) und der Wirtschaft mit 5,2%, also Arbeitgeber und Kammern.

Bei der Verteilung der Teilnahmefälle an Weiterbildungen auf die verschiedenen Einrichtungen ziehen jedoch die Volkshochschulen mit 38% beinahe gleichauf zu den privaten Anbietern mit 39%. Dies zeigt eine weitere statistische Abbildung. Außerdem schön kurz und bündig aufbereitet: einige Daten des wbmonitors sowie die DIE-Trendanalyse – alleine dafür lohnt es sich schon, den 91-seitigen Band zu erwerben.

Erwähnung findet in unserem Kapitel „Institutionen“ das Lernen Erwachsener durch informelle Medien wie Rundfunk und Fernsehen, die „auch einen politischen Bildungsauftrag haben“. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf das 7. Kapitel „Teilnahme“. Dem schließe ich mich an und verweise ebenfalls. Auf den nächsten Beitrag.

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