Fort- und WeiterBildung im Gespräch … mit Brigitte Klein

Interview der BIB-Kommission für Fortbildung, FobiKom, mit Brigitte Klein zur bibliothekarischen Fort- und Weiterbildung.

FobiKom: Frau Klein, seit 1999 sind Sie Dezernentin für Öffentliche Bibliotheken der Bezirksregierung Köln -Dezernat 48.08- und erlebten seit 1988, damals noch als Leiterin der Vorgängerinstitution „Staatliche Büchereistelle Köln“, eine wechselvolle Geschichte der bibliothekarischen Fort- und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen. Zeitweise konnten sogar keine Fortbildungen mehr von Seiten des Dezernats angeboten werden, andererseits hatten Sie – gemeinsam mit dem Bibliotheksdezernat der Bezirksregierung Düsseldorf – im Bezug auf die Qualitätszertifizierung unter ISO-9001:2000 für einen Bibliotheksverbund (s. BuB, 2006, H. 9, S. 641f) von sich reden gemacht.

Was macht Sie als Weiterbildungsanbieterin bzw. -organisatorin besonders glücklich?

Brigitte Klein: Wenn die Teilnehmenden, die Zeit und Geld in eine Fortbildung gesteckt hatten, zufrieden sind und sie einen Gewinn für ihre Praxis erhalten. Aber auch, wenn sich das eine oder andere nicht sofort umsetzen lässt, sich doch zumindest etwas in den Köpfen bewegt hat.

Wo sehen Sie in der bibliothekarischen Weiterbildung Veränderungs- oder Verbesserungsbedarf?

Klein: Zurzeit stehen wir in Nordrhein-Westfalen in der Diskussion, wie wir uns noch stärker vernetzen und besser koordinieren können. Wir, die Fortbildungsanbieter/innen Nordrhein-Westfalens, treffen uns zweimal im Jahr, koordiniert durch die Aus- und Fortbildungskommission des vbnws, und versuchen, terminliche wie inhaltliche Überschneidungen zu verhindern und gezielte Themenabgrenzungen je nach Institution zu finden.

Wobei uns das nicht immer ganz gelingt.

Andererseits finde ich das auch nicht so schlimm. Wenn sich mal ein Seminar wiederholt, vor allem in einer anderen Stadt, so haben die KollegInnen dann wenigstens eine zweite Chance, falls sie bei der ersten Veranstaltung nicht dabei sein konnten. Zudem läuft die Entwicklung in einer Bibliothek ja nicht immer gleichzeitig mit dem aktuellen Seminarangebot ab, und manche Themen werden erst Jahre später so zusagen „neu für sich entdeckt“ und angefragt. Auch Wiederholung ist somit bedarfsgerecht.

Insgesamt sollte es noch mehr und vielfältigere Angebote geben.

Welche Themen vermissen Sie in der bibliothekarischen Weiterbildung?

Klein: Eigentlich keine. Es gibt mittlerweile so viele Fortbildungsanbieter, welche die verschiedensten Bereiche abdecken. Und auch das ehemalige HBZ, jetzt das Zentrum für bibliothekarische Weiterbildung der FH Köln (ZBIW), berücksichtigt in seinem Angebot nun auch die öffentlichen Bibliotheken. Es gibt tatsächlich eine Fülle an Angeboten, auch von Seiten der Berufsverbände, ob zu Technik, Personalfragen, Bibliotheksentwicklungskonzepten … Die Situation ist vielleicht noch nicht ideal, aber im Vergleich zu früheren Jahren hat sie sich sehr verbessert. Unlängst stöhnte eine Bibliothekarin, es gäbe mittlerweile viel zu viel Einladungen, meinte dies jedoch durchaus positiv.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten …

Klein: Ich wünschte mir, dass die Träger der Bibliotheken sich besser in die sich ständig verändernden Situationen der Bibliotheken versetzen und damit den hohen Bedarf an Fortbildungen verstehen könnten. Als Veranstalterin sehe ich häufig dieselben Gesichter und weiß von einigen kleineren Bibliotheken, dass diese ihre Leute schlicht aus finanziellen Gründen nicht schicken können. Auch fehlt das Personal, um Schließzeiten aufgrund Fortbildung zu vermeiden, aber auch, die Inhalte von Fortbildungen letztendlich umsetzen zu können.

Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen Fortbildung und Weiterbildung?

Klein: Für mich persönlich gehe ich mit dem hiesigen Credo konform, dass der Begriff Fortbildung eher punktuell zu verstehen ist, während die Weiterbildung eher systematisch angelegt ist, also modular, und möglicherweise zu einem bestimmten Abschluss oder einer Zertifizierung führt.

Wie schätzen Sie die Situation für die bibliothekarische Weiterbildungszukunft ein?

Klein: Es ist gut, dass es mittlerweile die Möglichkeit eines aufbauenden Masterstudiums mit neuen Abschlüssen gibt – wenn ich mich mit meiner Antwort auf den vorher definierten Weiterbildungscharakter beschränken darf.

Klein: Das Bewusstsein für Veränderungen ist stark gewachsen. Diese Veränderungen müssen jedoch unbedingt mit Fortbildungen begleitet werden. Die notwendigen Veränderungen können nicht jeder für sich alleine erlebt werden, sondern sind nur mit Hilfe des miteinander Redens, des Austausches bewältigbar.
Der Wert von Fortbildungen wird oft unterschätzt. Selbst, wenn nur der Status Quo gehalten werden soll, ist Fortbildung notwendig. Insgesamt glaube ich, dass derzeit eine gute Entwicklung im Weiterbildungsbereich zu sehen ist, und ich hoffe, dass das so bleibt.

Welche Chancen geben Sie dem E-Learning in der bibliothekarischen Weiterbildung?

Klein: Da bin ich ein bisschen skeptisch, obwohl ich persönlich E-Learning ganz gut finde, weil es doch sehr flexibel ist und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht. Wir hatten ja vor Jahren für unsere Bibliotheken die bibweb-Lizenzen erworben. Als ich dann jedoch nach einiger Zeit nachgehakt hatte, wie viele der Teilnehmenden die Kurse auch beendet hatten – also, da will ich nun lieber nicht nach der Quote gefragt werden. Manche haben sich doch recht schwer getan, aber vielleicht ist es nur die neue Art des Lernens gewesen, und das Instrument muss sich wohl erst noch etablieren.

FobiKom: Nun habe ich da als Mitautorin eines der bibweb-Module auch eine gewisse Einsicht in das Konzept. Das Ergebnis entsprach tatsächlich nicht immer so den eigenen Vorstellungen der Autoren. Ich hätte, wenn es nach mir gegangen wäre, die Teilnehmenden noch ein wenig mehr anleiten, ihnen so zusagen mehr „die Hand halten“ mögen, da der direkte Austausch schließlich fehlt.

Klein: Ja, ich glaube auch, dass die Module didaktisch noch besser aufbereitet werden könnten. Es stecken sicher noch eine Menge Optionen im E-Learning, doch wohl mehr in Richtung Blended Learning. Ich halte das Lernkonzept für durchaus zukunftsfähig.

Welcher Ihrer damaligen Ausbildungs- oder Studieninhalte ist mittlerweile völlig überflüssig geworden?

Klein: (Lacht). Na, da ist mittlerweile vieles überflüssig. Alles, was ich heute können muss, habe ich aus der Praxis. Ich studierte ja Ende der 60er, und ohne das Studium schlecht machen zu wollen, das wäre unfair – aber es gab seither immense Veränderungen. Was haben die Bibliotheken doch für eine Entwicklung genommen! Man kommt auch heute nicht umhin, Fortbildung zu betreiben, denn mit dem Studium ist es nicht zu Ende. Man muss kontinuierlich am Ball bleiben, und das geht nur durch ständige Fortbildung.

Welche Rolle spielen für Sie die Pausenzeiten während der Fortbildungsveranstaltung?

Klein: Eine wichtige, da ein Wechsel zwischen Aufmerksamkeit und Anspannung sowie Ruhe stattfindet. Das wäre der lernpsychologische Aspekt. Und dann sind Pausen auch noch wichtig für die Atmosphäre, das Gespräch und den Erfahrungsaustausch.

Lesen Sie eine spezielle Zeitschrift, Publikation oder Internetbeiträge (z.B. Weblogs, Newsletter, …), von denen Sie im Bezug auf Weiterbildung besonders profitieren?

Klein: Nein, nicht spezifisch. Ich suche und picke mir die Informationen von überall her, recherchiere im Internet – es ist wie ein Kaleidoskop.

Wenn Sie morgen auf unsere Bundeskanzlerin treffen würden: um was würden Sie sie bitten oder was würden Sie sie fragen?

Klein: Soll ich jetzt eher in Richtung allgemeine Bibliotheksbelange oder ausschließlich auf Fort- und Weiterbildung antworten?

FobiKom: Ganz, wie Sie möchten …

Klein: Passend zur momentanen Diskussion würde ich auf eine stärkere institutionelle Absicherung abzielen. Doch dafür ist die Bundesebene nicht so der Ansprechpartner. Einen ähnlichen Ausspruch wie von unserem Bundespräsidenten* würde ich jedoch gerne auch von der Bundeskanzlerin hören, das wäre sicher vorteilhaft. Es würde der Bedeutung von Bibliotheken entsprechen und langfristig das Bewusstsein wecken helfen, wie wichtig Bibliotheken für das Land sind. Unserem Föderalismus ist es jedoch geschuldet, dass dies mehr auf Länderebene geschehen muss.

FobiKom: Nun, unsere Bibliotheksverbände haben sich ja in den vergangenen Jahren sehr um den Imagewandel und die Bewusstmachung von Bibliotheken als Bildungsorte verdient gemacht …

Klein: Ja, das ist auch wirklich sehr anerkennenswert. Das muss tatsächlich einmal betont werden, hier ist viel geleistet worden. Und dicke Bretter gebohrt worden. Leider sind noch viele dieser Bretter übrig. Aber wenn wir noch mehr Politikerstimmen ähnlich Köhlers Ausspruch hören würden, dann gäbe es einen neuen Horizont für unsere Bibliotheken.

* „Meine Meinung ist: Bibliotheken gehören […] in Deutschland auf die politische Tagesordnung.“ Horst Köhler, Rede in Weimar, 24. Oktober 2007.

FobiKom: Frau Klein, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ilona Munique, Vorsitzende der Kommission für Fortbildung im BIB

Foto: miamiamia | stock.xchng
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One Response to Fort- und WeiterBildung im Gespräch … mit Brigitte Klein

  1. […] „Fortbildung im Gespräch“ mit Frau Klein Gespeichert unter: Fortbildung, Informationen aus Verbänden und Institutionen, Vermischtes: Hinweise, Tipps, Informationen — oebib @ 7:45 Tags: Fortbildung, Weiterbildung Ilona Munique von der BIB-Fortbildungskommission hat ein Gespräch mit Brigitte Klein von der Bezirksregierung Köln zum Thema Fort- und Weiterbildung aus Sicht der bibliotheksfachlichen Dezernate bei den Bezirksregierungen geführt. Es geht u.a. um Angebot und Bedarf, den Wert von Fortbildung, den Unterschied von Fort- und Weiterbildung, E-Learning-Kurse und die Zukunft der Weiterbildung. Thematisch ist der Bereich aus Sicht von Frau Klein gut abgedeckt: „Es gibt mittlerweile so viele Fortbildungsanbieter, welche die verschiedensten Bereich abdecken … Die Situation ist vielleicht noch nicht ideal, aber im Vergleich zu früheren Jahren hat sie sich sehr verbessert.“ Defizite sieht sie u.a. bei Teilnahmemöglichkeiten vor allem kleinerer Bibliotheken: „Als Veranstalterin sehe ich häufig dieselben Gesichter und weiß von einigen kleineren Bibliotheken, dass diese ihre Leute schlicht aus finanziellen Gründen nicht schicken können. Auch fehlt das Personal, um Schließzeiten aufgrund Fortbildung zu vermeiden, aber auch, die Inhalte von Fortbildungen letztendlich umsetzen zu können.“ Das Gespräch ist auf dem Fobikom-Weblog nachzulesen: https://fobikom.wordpress.com/2008/08/01/fort-und-weiterbildung-im-gesprach-%e2%80%a6-mit-brigitte-kl… […]

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