Der einzige Lehrstuhl für Andragogik …

… „steht“ in Bamberg an der Otto-Friedrich-Universität, darauf seit 1996 Prof. Dr. Jost Reischmann. Welcher nun leider eben im Begriff steht, sich aus jenem Stuhl zu erheben und in den Schaukelstuhl (?) seines verdienten Ruhestands zu wechseln. Der rührige Professor, der sich auch international um die Andragogik verdient gemacht hat, wird sich am 16.7.2008 im Marcushaus mit folgenden Worten verabschieden:

„Andragogik? – Andragogik!“

Spätestens an diesem Punkt erwarten zu Recht alle Leser/innen, die sich gerade still fragen: „Andragogik? Ist das der Nachfolge-SciFi von Andromedar, Season 5?“ und die außerdem nicht nach Bamberg fahren können, von mir eine Antwort. Diese gab und gibt am besten Jost Reischmann selbst. Seine Definition von 1996 hat auch Eingang in das Wörterbuch Erwachsenenpädagogik (Hg. Arnold/Nolda/Nuissl) gefunden, und überhaupt zeichnet er dort für den gesamten Eintrag zur Andragogik verantwortlich:

Andragogik bezeichnet die Wissenschaft von der lebenslangen und lebensbreiten Bildung der Erwachsenen und ist damit ein anderer Begriff für „Wissenschaft von der Erwachsenenbildung“.

Bisher hat sich der Begriff Andragogik noch nicht so recht bei uns durchsetzen können. Auch in diesem Blog wurde er bislang nicht benutzt – vielleicht ja auch nur, um anfänglich niemanden zu verschrecken😉

Vielleicht aber auch, weil der Begriff Andragogik über das institutionelle Erwachsenenbilden hinaus greift, in eine eher subjekthafte und selbsterkenntnisgeleitete Erwachsenenbildung. Und das ruft zuweilen Argwohn hervor. Angeleitetes Lernen ist halt besser abprüfbar …

Es wird tatsächlich höchste Zeit, wieder etwas Bildungstheorie mit ins Spiel zu bringen. Natürlich nur in verträglichen und erbaulichen Dosen. Wir sind ja hier versammelt, um unter anderem den Spaß am Lernen zu beschwören. Was Lernen durchaus machen kann. Machen soll! Und ich denke, mindestens eine Person hat daran mitgewirkt, das Erwachsenenbildung, sorry – dass Andragogik keine trockene Wissenschaft ist, sondern erwachsene Menschen frohen Sinnes (über sich hinaus) wachsen lässt, wenn man sie lässt. Sehen Sie sich doch nur dieses Bild einmal an!

Die Laudatio auf der Verabschiedungsfeier hält übrigens der Direktor des Instituts für Erwachsenenbildung Bonn (DIE), Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Nuissl von Rein, der sich leider auch schon gefährlich nahe in Richtung „Schaukelstuhl“ bewegt. Da beruhigt es zu wissen, dass die ihm zu Ehren erschienene Festschrift anlässlich seines runden Geburtstages in 2006 den Titel „Zukunftsfeld Weiterbildung“ trug. Das weckt Erwartungen und lässt hoffen. Auf eine Zukunft, in der beide Geistesgrößen noch lange in ihren angestammten Bereichen ihr Bestes von sich geben. Erstgenannter auch ohne Lehrstuhl unter dem Wertesten! Aber auch da habe ich große Hoffnung, denn einer seiner eigenen Buchtitel insistiert gar trefflich: „Generationen. Andragogische Überlegungen“.

In diesem Sinne: Prof. Dr. Reischmann einen fröhlichen Abschied zu einem rührigen Neubeginn mit viel Zeit zum Schreiben erbaulicher Lektüre für die nächste Generation an bildungshungrigen Andragogen!

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