Neue Online-Publikationsreihe zur Weiterbildung

April 15, 2011

Das DIE* informiert mit dem Online-Format “DIE aktuell” regelmäßig über aktuelle Entwicklungen in der Weiterbildung. Gestartet wurde die Reihe, die für Fachpublikum und Medien (hier: Presse) gedacht ist, mit zwei Texten zum Qualitätsmanagement.

Die erste Ausgabe (PDF, 562 KB) zeigt kompakt auf 7 Seiten den Ist-Zustand von Qualitätsmanagement auf und bezieht sich dabei auf die neuesten Ergebnisse des wbmonitor 2010. Eine Erkenntnis daraus ist, das mehr als ein Drittel aller Anbieter (36%) nach der Norm DIN EN ISO 9000 ff zertifiziert sind. Dabei spielt die Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung, AZWV (sic!) die größte Rolle. Qualitätsmanagementsysteme sind häufig Voraussetzung für eine formale Anerkennung der Einrichtung und diese wiederum sorgt für eine Erhöhung der Marktchancen. Lediglich 20% aller Weiterbildungsanbieter verfügen über kein Qualitätszertifikat, Qualitätssicherungsmodell oder Qualitätsmanagementsystem.

Weiland, Meike: Wie verbreitet sind Qualitätsmanagement und formale Anerkennung bei Weiterbildungsanbietern?

In diesem Zusammenhang steht die zweite Ausgabe (PDF, 479,3 KB) von DIE aktuell, ebenfalls kurz und bündig auf 7 Seiten. Sie lotet den Anspruch und das Potenzial der neuen ISO-Norm aus, die seit Ende 2010 als internationale Branchennorm für Bildungsdienstleistungen aller Art gilt. Die neue Norm orientiert sich stärker am Lehr-Lernprozess. Sie geht im Gegensatz zu den “alten” ISO-Normen, die überwiegend im Bereich beruflicher Weiterbildung angewandt werden, in die Breite der Erwachsenenbildung. Und: die Neue zeigt Anschlussfähigkeit an die Diskussion um die Qualifikationsrahmen EQR und DQR (wir berichteten).

Veltjens, Barbara, Brandt, Peter (Bearb.): Weiterbildungsqualität international: Die neue Form ISO 29990.

* Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibnitz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V.


ProfilPASS auf der Didacta (2): Modellprojekte und Fußball

März 2, 2011

“Zwei, die sich ergänzen” stellte Mona Pielorz den rund 50 Teilnehmenden am ProfilPASS-Beraterempfang anlässlich der Didacta vor. Es sind dies der ProfilPASS für junge Menschen und der Berufswahlpass. Sprich: Berufsorientierung und Berufswahl innerhalb eines abgestimmten Konzeptes.

Der Kurzbericht aus dem ProfilPASS-Konsortium des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung – Leibnitz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) war denn auch tatsächlich knackig dem Modellprojekt des verzahnten Einsatzes der beiden Pässe gewidmet. Der Hintergrund zu diesem Pilotprojekt, das von Kultusministerien verschiedener Bundesländer mittels zehn Modellschulen durchgeführt wird:

  • zum einen die Unkenntnis junger Menschen über ihre persönlichen Stärken und Neigungen, ihre fehlende Motivation und fehlendes Selbstvertrauen, aber auch unvollständige oder falsche Vorstellungen über die Arbeitswelt,
  • zum anderen bereits bestehende Maßnahmen zur Berufsorientierung der Arbeitsagentur zusammen mit den Schulen.

Die Kompetenzermittlung in den Schulen kommt dabei häufig zu kurz. Oft fehlen geeignete Verfahren oder werden nicht evaluiert, um sie einer Weiterentwicklung zuzuführen. Das Projektkonzept sieht derzeit so aus, dass in den siebten Klassen wie gewohnt mit den Stufen des Berufswahlpasses begonnen wird und sich dann – im prozessgeeignetem Moment – der ProfilPASS zur Bewusstwerdung der Stärken einklinkt. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in den Berufswahlpass-Prozess ein, die Arbeitsagenturen informieren und helfen weiterhin wie gewohnt, doch noch besser vorbereitet, bei der Planung des möglichen Berufsweges.

Natürlich ist der ProfilPASS nicht nur für Schüler/innen da. Er kommt außerdem zum Einsatz für …

  • Führungskräfte
  • Karrieretraining
  • Leitende Angestellte
  • Motivationstraining
  • Auszubildende
  • Praktikant(inn)en

Außerdem berichtete Mona Pielorz über einen spannenden Ansatz eines Instrumentes zur Zertifizierung junger Menschen, dem Certicat Européen de Compétences: Foot & Enterprises.

Fähigkeiten und Kenntnisse, im Kontext von Fußball erlernt, können auf Unternehmen übertragen werden. Deutschland, Spanien und Portugal haben es vorgemacht, Frankreich startet mit 120 Fußballspielern, die ebenfalls von diesem Europäischen Zertifikat für eine nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit profitieren möchten.

Wir dürfen gespannt sein!


Lernen im Lebenslauf (III) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 11, 2008

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I) und (II)

Die Präambel der “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (PDF | 632 KB) umfässt vier Seiten und beginnt mit einem klaren Statement:

Das Lernen im Lebenslauf gehört zu den großen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. Die Verwirklichung des Lernens im Lebenslauf ist entscheidend für die Zukunft des Einzelnen, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Sie ist eine vorrangige bildungspolitische Aufgabe.

Der Innovationskreis spricht von der Verantwortung jedes Einzelnen zur Weiterbildung, aber auch von der Verantwortung des Staates, der Unternehmen, Sozialpartner, Verbände, Bildungsträger und öffentlchen Arbeitgeber, für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen. Die Umsetzung der Empfehlungen der Broschüre soll als eine gemeinsame Aufgabe angesehen werden.

Weiter heißt es:

In einer “Weiterbildung mit System” sollte “kein Abschluss […] ohne die Möglichkeit eines Anschlusses zu einer weiteren Qualifizierung bleiben”. Derartige Forderungen sind so alt wie mein Berufsleben – immerhin über ein viertel Jahrhundert.

Bedarfsorientierte Personalentwicklung heißt (auch) fortlaufende Qualifizierung. Lässt sich das im öffentlichen Dienst umsetzen? Reichen die Empfehlungen der Broschüre so weit, dass sich hier ein Licht am Tunnelende ausmachen lässt?

Die Präambel also durchwegs interessant. Und so lasse mich auf die weiteren Kapitel gerne ein. Der Innovationskreis konkretisiert in ihnen seine Empfehlungen und Ziele, für die er sich einsetzen möchte – und dies durchwegs einleuchtend (in Klammern persönliche Gedankensplitter):

  • Motivation und Verantwortung stärken (Empfehlungskapitel 1) durch breit angelegte Kampagnen, in denen für das Lernen im Lebenslauf mit Hilfe Medienpartnerschaften geworben wird. Doch, ein bisschen wird schon etwas sichtbar, siehe 2. Deutscher Weiterbildungstag.
  • Bildungsprämien (in seinen verschiedenen Formen) inklusive Beratungsangebot. Die FobiKom berichtete.
  • Gesetzlich, tariflich und betrieblich abgesicherte Lernzeitkonten. Hier stehen wir wohl noch am Anfang – oder hat einer der werten LeserInnen bereits eine Kontonummer erhalten? Bitte melden.
  • Anerkennung und Akzeptanz für das Lernen im Lebenlauf vertiefen (Kapitel 2), was bedeuten soll, dass nicht nur die formalen Qualifikationen, sondern auch die Kompetenzen zählen, die außerhalb der etablierten Bildungssystem erworben wurden (der derzeitigen Entwicklung eines europäischen Qualifikationsrahmens sei Dank!). Fein, ich sehe hier tatsächlich eine Chance für bibliothekarische SeiteneinsteigerInnen sowie verdienstvolle Ehrenamtliche.
  • Ein gemeinsames Kompetenzverständnis entwickeln. Hm. Ob die Grabenkämpfe zwischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen DiplombibliothekarInnen alsbald endgültig der Vergangenheit angehören? Damit müsste es beginnen …
  • Durchlässigkeit und Verzahnung der Bildungsbereiche ermöglichen (Kapitel 3), und hier begegnet uns wieder die Forderung nach Anschlussmöglichkeiten an einen wie immer gearteten Abschluss. Vorbei sollen auch diese Zeiten sein, als BibliotheksassistentInnen ohne Abitur nach Erreichen ihrer Endstufe motivationslos und frustriert die zweite Lebensarbeitszeithälfte zur Rente ansteuern mussten.
  • Aufstiegsstipendium für begabte AbsolventInnen einer dualen Ausbildung, die ein Hochschulstudium anschließen wollen. Da habe ich doch erst kürzlich …
  • Die Zugänge zum Hochschulsystem und zur wissenschaftlichen Weiterbildung auch für Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung unter Anrechnung ihrer beruflichen Qualifikation erleichtern. Höre ich da einen Aufschrei? Nein? Prima. Denn Fachkräftemangel können wir uns auch/gerade in Bibliotheken nicht erlauben.
  • Wissenschaftliche Weiterbildung – Zertifizierung und Verzierung mit Kreditpunkten. Gute Idee. Was spricht dagegen? Eine Bildung ist eine Bildung ist eine Bildung … und immer wertvoll.

Die Präambel und die ersten drei Kapitel (Empfehlungen) reichen bereits, um Hoffnung für die Fort- und Weiterbildung zu schöpfen. Reine Worthülsen konnte ich nicht ausmachen, allenfalls die eine oder andere Wiederholung. Doch das kann nur nützlich sein. Die nächsten Kapitel in der nächsten Woche – bis dann!

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.