3. Deutscher Weiterbildungstag und Interkulturalität

August 30, 2010

Der Schirmherr konnte glücklich nachnominiert werden: statt Altbundespräsident Horst Köhler sagte nun Christian Wulff seine Rückenstärkung zum 3. Deutschen Weiterbildungstag (DWT) am 24. September 2010 zu.

Wir nehmen den Tag ebenfalls zum Anlass, die Weiterbildung ins Gespräch zu bringen. Die BIB-Kommission für Fortbildung lädt ein zum Thema Interkulturellen Kompetenz in Bildungseinrichtungen. Stattfinden wird die offene Gesprächsrunde bei Kaffee und Gebäck von 11.00 – 15.00 Uhr in Bamberg in den Räumen des WEGA-Teams, welches den Tag ausstatten wird. [Zur Anmeldung]

Zwei Expertinnen, die viele von Ihnen aus bibliothekarischen Zusammenhängen kennen, werden ebenfalls anwesend sein: Susanne Schneehorst aus der “ältesten Stadtbibliothek Deutschlands”, nämlich aus Nürnberg (und ganz nebenbei bemerkt aus meiner Heimatstadt) und Rebecca Englert aus Salzburg. Beide haben hinlänglich Erfahrung und Wissen über interkulturelle Bibliotheksarbeit bzw. interkulturelle Kompetenz.

Susanne Schneehorst ist Mitglied der Expertengruppe Interkulturelle Bibliotheksarbeit des Deutschen Bibliotheksverband, dbv und tätig im Fremdsprachenlektorat “Multikulturelle Bibliotheksarbeit” der Stadtbibliothek Nürnberg. Von ihrem reichen Erfahrungsschatz profitiert jährlich ein großes Publikum von Fachtagungen und Bibliothekskongressen im In- und Ausland. Wir sind begeistert, dass sich Frau Schneehorst die Zeit für den DWT in Bamberg nehmen wird!

Rebecca Englert ist als freie Mitarbeiterin des Österreichischen Bibliothekswerk im Bereich der sozial-integrativen Bibliotheksarbeit tätig. Sie ist Mitautorin der Publikation “Lebensspuren – Begegnung der Kulturen”. Als Fachtrainerin in der Erwachsenenbildung (Schwerpunkte Deutsch als Fremdsprache und Interkulturelle Trainings) hat sie im Frühjahr 2010 einen Masterlehrgang zur “Interkulturellen Kompetenz” am Bayrischen Volkshochschulverband in München abgeschlossen. Sie war viele Jahre als Bibliotheksberaterin in Österreich und Südtirol unterwegs und bringt neben fundiertem Wissen auch ihren eigenen Migrationshintergrund mit. Nein, nicht den einer Österreicherin in Deutschland, sondern den der Tochter einer vietnamesischen Mutter in Österreich. Einfach perfekt, die länderübergreifende Beweglichkeit von Frau Englert – wir freuen uns auf Sie!

So erhalten alle Teilnehmenden der Gesprächsrunde ausreichend Gelegenheit, ihre Fragen rund um Interkulturalität beantwortet zu bekommen. Sie haben die Möglichkeit, sich mit dem Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten auseinander zu setzen oder generell einen Einstieg in das Thema zu finden. Dabei muss das natürlich nicht nur unter dem Aspekt der Bibliotheksarbeit oder dem von sonstigen Bildungsinstitutionen geschehen. Die Gründe fürs Kommen könnten auch ganz private Ursachen haben.

Interessanterweise (und das ist wirklich rein zufällig!) eröffnen in Bamberg am Tag darauf die 16. Interkulturellen Wochen 2010 des Migranten- und Integrationsbeirates (MIB) der Stadt Bamberg. Sie finden vom 25.09. bis 09.11. statt und beginnen am Samstag, den 9.11. mit einem Fest am Maximiliansplatz unter dem Motto: “Zusammenhalten – Zukunft gewinnen”.

Der Weg nach Bamberg lohnt sich also. Ich bin bei der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit auch gerne behilflich.


Internationaler Tag der Migranten und der BIB

Dezember 18, 2009

Der heutige Internationale Tag der Migranten ist noch einmal ein guter Aufhänger, auf das Schwerpunktthema (Generalthema) für 2010 unseres Personalverbands, dem Berufsverband Information Bibliothek e. V. (BIB), hinzuweisen.

Erst vor wenigen Tagen erfolgte hier im Blog eine Ausschreibung, die Suche nach kompetenten Trainer/innen betreffend, die das Thema für die Fortbildungsprogramme unserer Landesgruppen aufbereiten sollen.

Am 2.11.2009 war Migration ebenfalls Gegenstand der Betrachtungen, und zwar während des 1. Bayerischen Schulbibliothekstags in Nürnberg. Monika Schunigl referierte über das Förderprogramm für Migrantenkinder der Stadtbibliothek Nürnberg und des Pädagogischen Instituts.

Dass das Thema nicht nur ein vorübergehender Hype ist, beweist auch dieser Eintrag: Datenbank zur Online-Kompetenz für Migrant(inn)en vom 26.08.2009.

Und schon wesentlich früher, am 22.08.2008, beschäftigte uns das Thema durch die neu herausgekommene Broschüre “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die wir unter die Lupe nahmen. Darin war die Rede davon, dass der “Nationale Integrationsplan” aufgegriffen werden solle mittels ermöglichender Bildungssysteme.

Wissen SIE eigentlich, was Intergration genau bedeutet? Vage? Na, dann …


Datenbank zur Online-Kompetenz für Migrant(inn)en

August 26, 2009

Eine ideale Werbeplattform für Bibliotheken mit ihren vielfältigen Angeboten für ausländische Mitbürger/innen: in der Datenbank Gute Beispiele finden sich Maßnahmen und Projekte zur Stärkung der Online-Kompetenz von Migrantinnen und Migranten in ganz Deutschland. Betreut wird die Datenbank vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. in Bielefeld.

Ein Beispiel einer Datenbanksuche:

Zielgruppe: z. B. Berufseinsteiger(innen)

Herkunft: z. B.  Griechenland

Geschlecht: z. B. weiblich

Die Auswahl passt sich je nach angebotener Themenmöglichkeit an, für unser Beispiel wäre es Medienkompetenz mit einem Kursangebot. In der darunter aufgezeigten Karte ist der Ort eingezeichnet: es ist Altenkirchen. Auf den Ort geklickt erscheinen die Kursdaten. Hier ein Computer-Grundlagenkurs für Migrantinnen des Haus Felsenkeller e.V. mit dem Thema Alltagskompetenz / Familienkompetenz / Medienkompetenz. Nach einem weiteren Klick folgen alle Angaben zu Ansprechpartern, Teledaten, Dauer etc.


Lernen im Lebenslauf (IV) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 22, 2008

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I), (II) und (III)

Aus den “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (PDF | 632 KB) beleuchte ich — nach Vorwort, Präambel und den ersten drei Empfehlungen — das Empfehlungskapitel fünf und greife ein paar der dort genannten Ziele auf.

Mein eigenes Ziel wiederum ist es, eine Verbindung der Empfehlungen zu Bibliotheken und Bibliotheksverbänden im Bezug auf Fort- und Weiterbildung herzustellen. Die Broschüre für uns dingfest machen, sozusagen. Kursiv meine subjektiven Nachgedanken (auf gut Fränkisch: a wengala a Gebabbel.)

  • Integration durch Bildung verbessern (Empfehlungskapitel 5)… und die Aufzählungsreihenfolge dort könnte die Interpretation nahe legen (wenn wir’s nicht besser wüssten), dass erst in zweiter Linie die besondere Verantwortung Deutschlands als Integrationsland zählt, wir vielmehr ein demographisches Problem zu lösen hätten.
  • Wie dem auch sei: der Nationale Integrationsplan soll aufgegriffen werden, indem Möglichkeiten im Bildungssystem für Migrantinnen und Migranten eröffnet werden sollen. Jetzt gefiele mir (nicht zum ersten Male) eine Literaturangabe. Leider ist Derartiges in der gesamten Broschüre nicht zu entdecken. Ich mutmaße Papiersparmaßnahmen oder Aktualisierungsgründe mit dem Kompromiss: kann doch ohnehin jede(r) tagesfrisch selber ergoogeln, yahooen, … oder fachlich ausgedrückt: recherchieren. Hiermit getan.

(1) Eine interkulturelle Bildung muss zu einer Querschnittsaufgabe aller Bildungsbereiche […] werden.

Mit Querschnittsaufgaben kennen sich Bibliotheken ganz gut aus. Und das nicht erst seit diesem Jahr, wiewohl das Etikett “soziale Bibliotheksarbeit” der Ursprung gewesen sein dürfte. Nachzulesen im knb, Kompetenznetzwerk für Bibliotheken.

(2) Interkulturelle (Weiter-)Bildungsangebote sind auszubauen und die interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen hinsichtlich der Personalentwicklung, der Programmprofilierung und des Marketings voranzutreiben.

Auf gut Deutsch: Ausbau der Medien und Medienvermittlung für MigrantInnen innerhalb der allfälligen Profilbildung in/von Bibliotheken wäre jetzt “unser Ding”. Die entsprechenden Bildungsmaßnahmen zu den profilierten Angeboten dürfte dann die Querschnittsaufgabe der uns besuchenden LehrerInnen mit ihren Schulklassen sein.
Allerdings – dass die Personalentwicklung derart voranzutreiben wäre, dass Bibliotheken als ausgesprochener (Weiter-)Bildungsort mit aktiver Vermittlung von beispielsweise “Deutsch als Fremdsprache” angesehen werden könnten, wage ich zu bezweifeln. Die Bibliothek als interkulturelle Schnittstelle und Bildungspartnerin – das jedoch unbedingt. In weiten Teilen ist das ohnehin selbstverständlich und Programm.

(4) Die Sprachförderung … (übersprungen)

(3) Es sind gezielte Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung interkultureller Kompetenzen zu etablieren bzw. auszubauen, …

Ein schöner Gedanke. Für BibliothekarInnen im Süden ein Volkshochschulkurs in Italienisch und Türkisch, im Osten ein Auffrischungskurs in Russisch, außerdem eine Einführung in “Vergleichende Religionswissenschaft” oder “Wie legt man den Koran aus?”
Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als eine meiner fleißigen, nach Schulschluss täglich anwesenden Bibliothekshelferleins, die Beyhan, eines Tages stumm und erwartungsvoll vor mir stand – erstmals mit einem Kopftuch bekleidet. Die tief greifende Wandlung im Leben dieses Mädchens war mir erst bewusst, als es von heute auf morgen nicht mehr erschien (erscheinen durfte?). Es war sozusagen ihr Abschiedsbesuch von ihrer vertrauten Kinderwelt und von mir, einer Unwissenden inmitten ihres Schatzes an Bücherwissen. Solltest Du diese Zeilen jemals lesen, Beyhan, verzeih mit bitte meine Ignoranz.

(5) Betriebliche und öffentlich finanzierte Maßnahmen zur Weiterbildung müssen verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund einbeziehen. Dies gilt insbesondere für Angebote für Geringqualifizierte.

DAS könnte jetzt an die Adresse der Berufsverbände gerichtet sein. Hm, nehmen wir diese Broschüre ernst oder nicht? Dann wäre es wohl unsere Aufgabe (also die der FobiKom zunächst), auszuloten, wer von unseren (BIB-)BibliothekarInnen Migrationshintergrund nachweisen kann, und ob wir (d.h. beispielsweise die Landesgruppen im BIB) diese in den Ausschreibungen zu unseren Fortbildungen ausdrücklich berücksichtigen – sowohl inhaltlich wie von der Ansprache her. 1. Notiz an Geschäftsstelle: lässt sich Migrationshintergrund bei unseren Mitgliedern feststellen? Berührt diese Feststellung den Datenschutz? 2. Notiz an BuB-Redaktion: Aufruf an MigrantInnen, sich bei uns zu melden und Bedarfe anzumelden. (Jetzt bin ich aber mal gespannt, ob die KollegInnen das hier lesen und umgehend reagieren.)

By the way: es ist zu überdenken, ob wir MigrantInnen denn immer so in die Schublade der Benachteiligten stecken sollten … Spiegel-Leser wissen mehr.

( 6 ) – ( 8 ) (ausgelassen)

Vielleicht ist es aufgefallen: das Empfehlungskapitel 4. Transparenz und Qualität sicherstellen: Bildungsberatung ausbauen habe ich gänzlich außen vor gelassen. Zu unrecht? Sagen Sie’s mir. Können/Sollen/Dürfen Bibliotheken, so wie darin gefordert, einen Beitrag zu einem “quantitativ ausreichenden und qualitativ hochwertigen Beratungsangebot” leisten? Ich denke, das geht über unsere Aufgaben hinaus, trotz der Tatsache, dass Beratung unser täglich Brot ist. Was meinen Sie als BibliothekarIn, als Erwachsenenbildner/in, als BildungsberaterIn, …?

Spätestens, wenn die erste Antwort eingeht, führe ich die Rezension zur Broschüre fort. Und das nächste Kapitel beträfe das “Lernen zwischen den Generationen”. Das klingt nach Umsetzungsmöglichkeiten auch für Bibliotheken. Mal sehen/lesen … und bis bald!

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>

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