Lernen im Lebenslauf (VI) Broschüre des BMBF unter der Lupe

Dezember 2, 2008

In der Fortsetzung der Rezensionsbeiträge zur Broschüre (PDF | 632 KB) greife ich die Empfehlung Nummer 7 auf. Darin enthalten: Bibliotheksrelevantes in rau(h)en Mengen.

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I), (II), (III), (IV), (V)

Demokratie braucht Verantwortungsbereitschaft. Deshalb muss das Verständnis für gesellschaftliche, soziale, politische und kulturelle Zusammenhänge verbessert werden. […]

In der Kindheit, im Jugend- und im Erwachsenenalter muss die Vermittlung demokratischer Werte einen zentralen Stellenwert erhalten. Auch im Hinblick auf das Thema Zuwanderung ist die Stärkung der politischen und (inter-)kulturellen Bildung unverzichtbar.

Um hier gleich einmal einzuhaken: Demokratie braucht Bibliotheken. Sie kümmern sich tagtäglich darum, dass entsprechende Medien (Bücher und mehr) zur Demokratie-Bildung (im doppelten Sinne) ausgewählt, erschlossen und bereitgestellt werden. Und zwar für alle, gleich, welchen Alters, der Religion, seiner Nationalität oder sozialen Herkunft.

Das ist jedoch noch nicht alles. Diese Medien werden gezielt, zum Beispiel während Schulklassenführungen, durch das bibliothekarische Personal vermittelt. Also passend herausgesucht. Empfohlen. Weitergereicht. In die Hand gedrückt. Vorgelesen — zuweilen sogar das.

Unbedingt ist hier das Manifest der UNESCO 1994 zur Öffentlichen Bibliothek zu zitieren, worin es im Vorwort heißt:

Es [das Manifest] betont den gleichzeitig lokalen, regionalen und internationalen Charakter der demokratiestiftenden Öffentlichen Bibliothek als Basiseinrichtung für Volksbildung und Kultur.

Der “Innovationskreis Weiterbildung”, der die Grundlagen der Broschüre zum Lernen im Lebenslauf erarbeitet hat, hat die Empfehlung auch ohne Beteiligung von BibliothekarInnen in unserem Sinne formuliert. Fein. Lassen Sie uns weiterlesen, für welche Ziele sich folglich der Arbeitskreis einsetzt: Den Rest des Beitrags lesen »


Lernen im Lebenslauf (V) Broschüre des BMBF unter der Lupe

September 8, 2008

Um das “Lernen zwischen den Generationen: Potenziale ausschöpfen” geht es im heutigen Teil V der Rezensionsreihe zur Broschüre (PDF | 632 KB). Im Kapitel 6 der Empfehlungen des “Innovationskreises Weiterbildung” lesen wir:

Das Lernen im Lebenslauf muss auch für die spät- und nachberufliche Phase attraktiv bleiben und weiterentwickelt werden, damit das Wissen und die Kompetenzen der älteren Generation erhalten bleiben. Nur so kann es gelingen, soziale Teilhabe und die Wertschätzung der Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten sicherzustellen,  auch im Interesse der Jüngeren.

Die jüngeren KollegInnen im Berufsfeld Bibliothek interessieren sich durchaus schon aus Eigennutz für die Belange der älteren Generationen, um diese Nutzergruppe an die Bibliothek zu binden bzw. (neu) zu erreichen. Und das nicht erst seit heute. Sie reagieren mit einer entsprechenden Auswahl und Bereitstellung an geeigneten Medien und mit speziellen Programmen auf die Bedarfe älterer Menschen. (Beweisführung siehe Link/Literaturliste unten.)

Dabei schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die Literatur, die sie für Ältere beschaffen, lesen auch jüngere Menschen, so zum Beispiel, um den pflegebedürftigen Eltern helfen zu können oder um Schonkost und Diätküche für sich zu entdecken. (Tiefer Griff in die Schublade, ich weiß.) Ein Yoga-Buch speziell für die Generation Plus ist ebenso interessant für jüngere Menschen, die nicht immer so beweglich sind, wie man es gemeinhin annehmen möchte. Das Thema Rente und die damit verbundenen Sachbücher sind im Zeitalter der Verunsicherungen durchaus ebenso für Berufstätige im mittleren Alter zukunftserhellend (oder eher, verdunkelnd?).

Mit ihrer gezielten Literaturauswahl und den zahlreichen Veranstaltungen für und mit Senioren sind Bibliotheken bereitwillige Erfüllungsgehilfen für die in der Broschüre angeforderten Möglichkeiten von Information, Beratung und ein intergenerationelles Lernen für Ältere.

Empfehlungskapitel 6 (S. 26):

(1) … Weiter sind Möglichkeiten von Information und Beratung für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger auszubauen.

(3) Neue Angebotsformen für das intergenerationelle Lernen müssen weiterverbreitet werden.

Links/Literatur:

Bibliotheksportal “Ältere Leserinnen und Leser” von: knb, Kompetenznetwerk für Bibliotheken, mit vielen weiteren Links zum Thema.

Literatur zur Lebenslage älterer Menschen. Ein Beitrag im Weblog “Nachrichten für öffenliche Bibliotheken in NRW.

Bibliotheksforum 2007 in Straubing: Bunter, älter, weniger: demographischer Wandel und die Bibliotheken (PDF, 249 KB) / Dietmar Wild. In: Bibliotheksforum Bayern, Jg. 2, 2008, H. 1, S. 6-9.

Aktiv im Alter: besondere Angebote für die Generation 60plus in der Stadtbibliothek Duisburg / Jan-Pieter Barbian, Simone Fühles-Ubach. In: BuB, Jg. 60, 2008, H. 6, S. 486-489.

Angebote für Senioren – Beispiel Rödental (PDF, 120 KB) / Michael Scholz. In: Öffentliche Bibliotheken in Bayern (seit 2007 “Bibliotheksforum Bayern”), Jg. 5, 2006, H. 5, S. 20-21.

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I), (II), (III), (IV)

Eigentlich wollte ich die einzelnen Empfehlungen stärker zusammenfassen. Doch sehe ich eine Fülle an Anknüpfungspunkten für Bibliotheken in beinahe jedem einzelnen Kapitel, und so scheint mir ein breiteres Vorgehen durchaus gerechtfertigt zu sein. Um so unverständlicher wird mir, warum Bibliotheksvertreter/innen nicht im Arbeitskreis zu finden sind bzw. waren. Aber darüber habe ich mich ja schon ganz zu Anfang ausgelassen … Sei’s drum, wir holen mit dieser Reihe das Versäumnis einfach nach.

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


Lernen im Lebenslauf (IV) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 22, 2008

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I), (II) und (III)

Aus den “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (PDF | 632 KB) beleuchte ich — nach Vorwort, Präambel und den ersten drei Empfehlungen — das Empfehlungskapitel fünf und greife ein paar der dort genannten Ziele auf.

Mein eigenes Ziel wiederum ist es, eine Verbindung der Empfehlungen zu Bibliotheken und Bibliotheksverbänden im Bezug auf Fort- und Weiterbildung herzustellen. Die Broschüre für uns dingfest machen, sozusagen. Kursiv meine subjektiven Nachgedanken (auf gut Fränkisch: a wengala a Gebabbel.)

  • Integration durch Bildung verbessern (Empfehlungskapitel 5)… und die Aufzählungsreihenfolge dort könnte die Interpretation nahe legen (wenn wir’s nicht besser wüssten), dass erst in zweiter Linie die besondere Verantwortung Deutschlands als Integrationsland zählt, wir vielmehr ein demographisches Problem zu lösen hätten.
  • Wie dem auch sei: der Nationale Integrationsplan soll aufgegriffen werden, indem Möglichkeiten im Bildungssystem für Migrantinnen und Migranten eröffnet werden sollen. Jetzt gefiele mir (nicht zum ersten Male) eine Literaturangabe. Leider ist Derartiges in der gesamten Broschüre nicht zu entdecken. Ich mutmaße Papiersparmaßnahmen oder Aktualisierungsgründe mit dem Kompromiss: kann doch ohnehin jede(r) tagesfrisch selber ergoogeln, yahooen, … oder fachlich ausgedrückt: recherchieren. Hiermit getan.

(1) Eine interkulturelle Bildung muss zu einer Querschnittsaufgabe aller Bildungsbereiche […] werden.

Mit Querschnittsaufgaben kennen sich Bibliotheken ganz gut aus. Und das nicht erst seit diesem Jahr, wiewohl das Etikett “soziale Bibliotheksarbeit” der Ursprung gewesen sein dürfte. Nachzulesen im knb, Kompetenznetzwerk für Bibliotheken.

(2) Interkulturelle (Weiter-)Bildungsangebote sind auszubauen und die interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen hinsichtlich der Personalentwicklung, der Programmprofilierung und des Marketings voranzutreiben.

Auf gut Deutsch: Ausbau der Medien und Medienvermittlung für MigrantInnen innerhalb der allfälligen Profilbildung in/von Bibliotheken wäre jetzt “unser Ding”. Die entsprechenden Bildungsmaßnahmen zu den profilierten Angeboten dürfte dann die Querschnittsaufgabe der uns besuchenden LehrerInnen mit ihren Schulklassen sein.
Allerdings – dass die Personalentwicklung derart voranzutreiben wäre, dass Bibliotheken als ausgesprochener (Weiter-)Bildungsort mit aktiver Vermittlung von beispielsweise “Deutsch als Fremdsprache” angesehen werden könnten, wage ich zu bezweifeln. Die Bibliothek als interkulturelle Schnittstelle und Bildungspartnerin – das jedoch unbedingt. In weiten Teilen ist das ohnehin selbstverständlich und Programm.

(4) Die Sprachförderung … (übersprungen)

(3) Es sind gezielte Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung interkultureller Kompetenzen zu etablieren bzw. auszubauen, …

Ein schöner Gedanke. Für BibliothekarInnen im Süden ein Volkshochschulkurs in Italienisch und Türkisch, im Osten ein Auffrischungskurs in Russisch, außerdem eine Einführung in “Vergleichende Religionswissenschaft” oder “Wie legt man den Koran aus?”
Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als eine meiner fleißigen, nach Schulschluss täglich anwesenden Bibliothekshelferleins, die Beyhan, eines Tages stumm und erwartungsvoll vor mir stand – erstmals mit einem Kopftuch bekleidet. Die tief greifende Wandlung im Leben dieses Mädchens war mir erst bewusst, als es von heute auf morgen nicht mehr erschien (erscheinen durfte?). Es war sozusagen ihr Abschiedsbesuch von ihrer vertrauten Kinderwelt und von mir, einer Unwissenden inmitten ihres Schatzes an Bücherwissen. Solltest Du diese Zeilen jemals lesen, Beyhan, verzeih mit bitte meine Ignoranz.

(5) Betriebliche und öffentlich finanzierte Maßnahmen zur Weiterbildung müssen verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund einbeziehen. Dies gilt insbesondere für Angebote für Geringqualifizierte.

DAS könnte jetzt an die Adresse der Berufsverbände gerichtet sein. Hm, nehmen wir diese Broschüre ernst oder nicht? Dann wäre es wohl unsere Aufgabe (also die der FobiKom zunächst), auszuloten, wer von unseren (BIB-)BibliothekarInnen Migrationshintergrund nachweisen kann, und ob wir (d.h. beispielsweise die Landesgruppen im BIB) diese in den Ausschreibungen zu unseren Fortbildungen ausdrücklich berücksichtigen – sowohl inhaltlich wie von der Ansprache her. 1. Notiz an Geschäftsstelle: lässt sich Migrationshintergrund bei unseren Mitgliedern feststellen? Berührt diese Feststellung den Datenschutz? 2. Notiz an BuB-Redaktion: Aufruf an MigrantInnen, sich bei uns zu melden und Bedarfe anzumelden. (Jetzt bin ich aber mal gespannt, ob die KollegInnen das hier lesen und umgehend reagieren.)

By the way: es ist zu überdenken, ob wir MigrantInnen denn immer so in die Schublade der Benachteiligten stecken sollten … Spiegel-Leser wissen mehr.

( 6 ) – ( 8 ) (ausgelassen)

Vielleicht ist es aufgefallen: das Empfehlungskapitel 4. Transparenz und Qualität sicherstellen: Bildungsberatung ausbauen habe ich gänzlich außen vor gelassen. Zu unrecht? Sagen Sie’s mir. Können/Sollen/Dürfen Bibliotheken, so wie darin gefordert, einen Beitrag zu einem “quantitativ ausreichenden und qualitativ hochwertigen Beratungsangebot” leisten? Ich denke, das geht über unsere Aufgaben hinaus, trotz der Tatsache, dass Beratung unser täglich Brot ist. Was meinen Sie als BibliothekarIn, als Erwachsenenbildner/in, als BildungsberaterIn, …?

Spätestens, wenn die erste Antwort eingeht, führe ich die Rezension zur Broschüre fort. Und das nächste Kapitel beträfe das “Lernen zwischen den Generationen”. Das klingt nach Umsetzungsmöglichkeiten auch für Bibliotheken. Mal sehen/lesen … und bis bald!

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>

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Lernen im Lebenslauf (III) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 11, 2008

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I) und (II)

Die Präambel der “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (PDF | 632 KB) umfässt vier Seiten und beginnt mit einem klaren Statement:

Das Lernen im Lebenslauf gehört zu den großen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. Die Verwirklichung des Lernens im Lebenslauf ist entscheidend für die Zukunft des Einzelnen, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Sie ist eine vorrangige bildungspolitische Aufgabe.

Der Innovationskreis spricht von der Verantwortung jedes Einzelnen zur Weiterbildung, aber auch von der Verantwortung des Staates, der Unternehmen, Sozialpartner, Verbände, Bildungsträger und öffentlchen Arbeitgeber, für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen. Die Umsetzung der Empfehlungen der Broschüre soll als eine gemeinsame Aufgabe angesehen werden.

Weiter heißt es:

In einer “Weiterbildung mit System” sollte “kein Abschluss […] ohne die Möglichkeit eines Anschlusses zu einer weiteren Qualifizierung bleiben”. Derartige Forderungen sind so alt wie mein Berufsleben – immerhin über ein viertel Jahrhundert.

Bedarfsorientierte Personalentwicklung heißt (auch) fortlaufende Qualifizierung. Lässt sich das im öffentlichen Dienst umsetzen? Reichen die Empfehlungen der Broschüre so weit, dass sich hier ein Licht am Tunnelende ausmachen lässt?

Die Präambel also durchwegs interessant. Und so lasse mich auf die weiteren Kapitel gerne ein. Der Innovationskreis konkretisiert in ihnen seine Empfehlungen und Ziele, für die er sich einsetzen möchte – und dies durchwegs einleuchtend (in Klammern persönliche Gedankensplitter):

  • Motivation und Verantwortung stärken (Empfehlungskapitel 1) durch breit angelegte Kampagnen, in denen für das Lernen im Lebenslauf mit Hilfe Medienpartnerschaften geworben wird. Doch, ein bisschen wird schon etwas sichtbar, siehe 2. Deutscher Weiterbildungstag.
  • Bildungsprämien (in seinen verschiedenen Formen) inklusive Beratungsangebot. Die FobiKom berichtete.
  • Gesetzlich, tariflich und betrieblich abgesicherte Lernzeitkonten. Hier stehen wir wohl noch am Anfang – oder hat einer der werten LeserInnen bereits eine Kontonummer erhalten? Bitte melden.
  • Anerkennung und Akzeptanz für das Lernen im Lebenlauf vertiefen (Kapitel 2), was bedeuten soll, dass nicht nur die formalen Qualifikationen, sondern auch die Kompetenzen zählen, die außerhalb der etablierten Bildungssystem erworben wurden (der derzeitigen Entwicklung eines europäischen Qualifikationsrahmens sei Dank!). Fein, ich sehe hier tatsächlich eine Chance für bibliothekarische SeiteneinsteigerInnen sowie verdienstvolle Ehrenamtliche.
  • Ein gemeinsames Kompetenzverständnis entwickeln. Hm. Ob die Grabenkämpfe zwischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen DiplombibliothekarInnen alsbald endgültig der Vergangenheit angehören? Damit müsste es beginnen …
  • Durchlässigkeit und Verzahnung der Bildungsbereiche ermöglichen (Kapitel 3), und hier begegnet uns wieder die Forderung nach Anschlussmöglichkeiten an einen wie immer gearteten Abschluss. Vorbei sollen auch diese Zeiten sein, als BibliotheksassistentInnen ohne Abitur nach Erreichen ihrer Endstufe motivationslos und frustriert die zweite Lebensarbeitszeithälfte zur Rente ansteuern mussten.
  • Aufstiegsstipendium für begabte AbsolventInnen einer dualen Ausbildung, die ein Hochschulstudium anschließen wollen. Da habe ich doch erst kürzlich …
  • Die Zugänge zum Hochschulsystem und zur wissenschaftlichen Weiterbildung auch für Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung unter Anrechnung ihrer beruflichen Qualifikation erleichtern. Höre ich da einen Aufschrei? Nein? Prima. Denn Fachkräftemangel können wir uns auch/gerade in Bibliotheken nicht erlauben.
  • Wissenschaftliche Weiterbildung – Zertifizierung und Verzierung mit Kreditpunkten. Gute Idee. Was spricht dagegen? Eine Bildung ist eine Bildung ist eine Bildung … und immer wertvoll.

Die Präambel und die ersten drei Kapitel (Empfehlungen) reichen bereits, um Hoffnung für die Fort- und Weiterbildung zu schöpfen. Reine Worthülsen konnte ich nicht ausmachen, allenfalls die eine oder andere Wiederholung. Doch das kann nur nützlich sein. Die nächsten Kapitel in der nächsten Woche – bis dann!

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


Lernen im Lebenslauf (II) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 3, 2008

Unlängst fehlten mir die Bibliotheken [s. Lernen im Lebenslauf (I)], nun sind es die Frauen, die mir ein wenig zu kurz gekommen erscheinen.

Unbestritten sind im Innovationskreis Weiterbildung unter dem Vorsitz von Annette Schavan zahlreiche Größen aus der Bildungslandschaft vertreten: Rolf Arnold, Rita Süssmuth, Reinhold Weiß, … um nur ein paar von 20 ExpertInnen (inklusive der Vorsitzenden) zu nennen.

Und unbestritten ist es auch, dass über die Hälfte der Bevölkerung aus Frauen besteht und sie, oft unausgesprochen, die Hauptverantwortung tragen, wenn es um die Startvoraussetzungen zur Bildungsfähigkeit geht.
Nein, nicht nur, weil sie als Mütter sozusagen hautnah am Kind und Heranwachsenden (und heute oft darüber hinaus) sind, sondern weil sie zudem die überwiegende Anzahl im so genannten “Lehrkörper” stellen – fast zwei Drittel der Lehrkräfte sind Frauen.

Die in den “Innovationskreis Weiterbildung” Berufenen sind sicherlich wohl ausgewählt. Es bleibt jedoch dabei: Ich zähle 14 Männer und 6 Frauen.

Stellt sich die Frage: sind mitsprache- und denkfähige Frauen lediglich zu finden in der Kinder- und Jugenderziehung, jedoch nicht mehr in der (betrieblichen) Weiterbildung, ergo: der Erwachsenenbildung?

Könnte es daran liegen, dass Frauen nach wie vor trotz Quotenregelung und Bildungsmöglichkeiten, trotz Wiedereingliederungsprogrammen nach Elternzeit (sind wir mal ehrlich, es ist immer noch eher eine Mütterzeit), trotz Geburtenrückgang bei gleichzeitigem Ausbau von Kindertagesstätten, … eher selten “verantwortungsvolle Positionen” (aus der Präambel der Broschüre) erreichen und damit eine gewichtige Stimme in der Weiterbildungsszenerie?

Immerhin. Die Vorsitzende des Innovationskreises: eine Frau. (Warum muss Letzteres in diesem Jahrtausend eigentlich noch explizit erwähnt werden?)

Im dritten Teil nehme ich die zehn Empfehlungen zur Weiterbildung genauer unter die Lupe.
Natürlich unter dem subjektiven Aspekt “bibliothekarische Fort- und Weiterbildung”. Wer das nicht abwarten will, hier die Broschüre zur Bildung (PDF, 632 KB) zum Selberlesen.

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>

Wenn Sie einen Kommentar zur Broschüre abgeben wollen – die FobiKom-Seiten stehen ihnen gerne offen – diskutieren Sie mit.


Lernen im Lebenslauf (I) Broschüre des BMBF unter der Lupe

Juli 27, 2008

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung gab unlängst eine Broschüre zur Bildung (PDF, 632 KB) heraus mit dem Titel “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (via Bibliotheksportal, knb).

Die 34-seitige Broschüre im A4-Format offeriert dabei ihre zehn Empfehlungen in einem 23-seitigen Kernteil und kommt dabei sehr gut ohne das Wort Bibliothek / Bücherei aus. :-(

Gut eingefügt hätten sich Bibliotheken, die im Zusammenhang mit Bildung schließlich nicht gerade exotische Institutionen darstellen, beispielsweise auf der Seite 14, rechte Spalte:

Deutschland verfügt über hervorragende Beispiele für das Lernen im Lebenslauf, die breit umgesetzt werden sollten. Initiativen des Bundes und der Länder, der Kommunen, der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und anderer Träger sowie gelungene Einzelinitiativen von Schulen, Hochschulen und weitere Einrichtungen auf regionaler Ebene … müssen mehr in der Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Na gut, wir sind wohl innerhalb der “Kommunen” und “Hochschulen” subsumiert. Auch “Wirtschaft” und “andere Träger” kämen als Deckmantel in Frage, denken wir an unsere vielen OPLs. Oder aber, wir kommunizieren ausreichend, so dass der Passus für uns ohnehin nicht zu gelten braucht.

Und trotzdem, hier ist eine Chance verpasst, Bibliotheken als institutionenübergreifende Bildungsverantwortliche ins Licht der Bildungsöffentlichkeit zu tragen.

Doch Wunder nimmt es nicht, sieht man sich die Auflistung der am Innovationskreis Weiterbildung Beteiligten an. Sehe ich da eine Bibliotheksdirektorin oder einen amtierenden Verbandsvorsitzenden aus unseren Reihen? Fehlanzeige.

Die Zusammensetzung des Innovationskreises Weiterbildung betrachte ich in Kürze im nächsten Teil.

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


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