
Forts. von Lernen im Lebenslauf (I), (II) und (III)
Aus den “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (PDF | 632 KB) beleuchte ich — nach Vorwort, Präambel und den ersten drei Empfehlungen — das Empfehlungskapitel fünf und greife ein paar der dort genannten Ziele auf.
Mein eigenes Ziel wiederum ist es, eine Verbindung der Empfehlungen zu Bibliotheken und Bibliotheksverbänden im Bezug auf Fort- und Weiterbildung herzustellen. Die Broschüre für uns dingfest machen, sozusagen. Kursiv meine subjektiven Nachgedanken (auf gut Fränkisch: a wengala a Gebabbel.)
- Integration durch Bildung verbessern (Empfehlungskapitel 5)… und die Aufzählungsreihenfolge dort könnte die Interpretation nahe legen (wenn wir’s nicht besser wüssten), dass erst in zweiter Linie die besondere Verantwortung Deutschlands als Integrationsland zählt, wir vielmehr ein demographisches Problem zu lösen hätten.
- Wie dem auch sei: der Nationale Integrationsplan soll aufgegriffen werden, indem Möglichkeiten im Bildungssystem für Migrantinnen und Migranten eröffnet werden sollen. Jetzt gefiele mir (nicht zum ersten Male) eine Literaturangabe. Leider ist Derartiges in der gesamten Broschüre nicht zu entdecken. Ich mutmaße Papiersparmaßnahmen oder Aktualisierungsgründe mit dem Kompromiss: kann doch ohnehin jede(r) tagesfrisch selber ergoogeln, yahooen, … oder fachlich ausgedrückt: recherchieren. Hiermit getan.
(1) Eine interkulturelle Bildung muss zu einer Querschnittsaufgabe aller Bildungsbereiche […] werden.
Mit Querschnittsaufgaben kennen sich Bibliotheken ganz gut aus. Und das nicht erst seit diesem Jahr, wiewohl das Etikett “soziale Bibliotheksarbeit” der Ursprung gewesen sein dürfte. Nachzulesen im knb, Kompetenznetzwerk für Bibliotheken.
(2) Interkulturelle (Weiter-)Bildungsangebote sind auszubauen und die interkulturelle Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen hinsichtlich der Personalentwicklung, der Programmprofilierung und des Marketings voranzutreiben.
Auf gut Deutsch: Ausbau der Medien und Medienvermittlung für MigrantInnen innerhalb der allfälligen Profilbildung in/von Bibliotheken wäre jetzt “unser Ding”. Die entsprechenden Bildungsmaßnahmen zu den profilierten Angeboten dürfte dann die Querschnittsaufgabe der uns besuchenden LehrerInnen mit ihren Schulklassen sein.
Allerdings – dass die Personalentwicklung derart voranzutreiben wäre, dass Bibliotheken als ausgesprochener (Weiter-)Bildungsort mit aktiver Vermittlung von beispielsweise “Deutsch als Fremdsprache” angesehen werden könnten, wage ich zu bezweifeln. Die Bibliothek als interkulturelle Schnittstelle und Bildungspartnerin – das jedoch unbedingt. In weiten Teilen ist das ohnehin selbstverständlich und Programm.
(4) Die Sprachförderung … (übersprungen)
(3) Es sind gezielte Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung interkultureller Kompetenzen zu etablieren bzw. auszubauen, …
Ein schöner Gedanke. Für BibliothekarInnen im Süden ein Volkshochschulkurs in Italienisch und Türkisch, im Osten ein Auffrischungskurs in Russisch, außerdem eine Einführung in “Vergleichende Religionswissenschaft” oder “Wie legt man den Koran aus?” …
Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als eine meiner fleißigen, nach Schulschluss täglich anwesenden Bibliothekshelferleins, die Beyhan, eines Tages stumm und erwartungsvoll vor mir stand – erstmals mit einem Kopftuch bekleidet. Die tief greifende Wandlung im Leben dieses Mädchens war mir erst bewusst, als es von heute auf morgen nicht mehr erschien (erscheinen durfte?). Es war sozusagen ihr Abschiedsbesuch von ihrer vertrauten Kinderwelt und von mir, einer Unwissenden inmitten ihres Schatzes an Bücherwissen. Solltest Du diese Zeilen jemals lesen, Beyhan, verzeih mit bitte meine Ignoranz.
(5) Betriebliche und öffentlich finanzierte Maßnahmen zur Weiterbildung müssen verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund einbeziehen. Dies gilt insbesondere für Angebote für Geringqualifizierte.
DAS könnte jetzt an die Adresse der Berufsverbände gerichtet sein. Hm, nehmen wir diese Broschüre ernst oder nicht? Dann wäre es wohl unsere Aufgabe (also die der FobiKom zunächst), auszuloten, wer von unseren (BIB-)BibliothekarInnen Migrationshintergrund nachweisen kann, und ob wir (d.h. beispielsweise die Landesgruppen im BIB) diese in den Ausschreibungen zu unseren Fortbildungen ausdrücklich berücksichtigen – sowohl inhaltlich wie von der Ansprache her. 1. Notiz an Geschäftsstelle: lässt sich Migrationshintergrund bei unseren Mitgliedern feststellen? Berührt diese Feststellung den Datenschutz? 2. Notiz an BuB-Redaktion: Aufruf an MigrantInnen, sich bei uns zu melden und Bedarfe anzumelden. (Jetzt bin ich aber mal gespannt, ob die KollegInnen das hier lesen und umgehend reagieren.)
By the way: es ist zu überdenken, ob wir MigrantInnen denn immer so in die Schublade der Benachteiligten stecken sollten … Spiegel-Leser wissen mehr.
( 6 ) – ( 8 ) (ausgelassen)
Vielleicht ist es aufgefallen: das Empfehlungskapitel 4. Transparenz und Qualität sicherstellen: Bildungsberatung ausbauen habe ich gänzlich außen vor gelassen. Zu unrecht? Sagen Sie’s mir. Können/Sollen/Dürfen Bibliotheken, so wie darin gefordert, einen Beitrag zu einem “quantitativ ausreichenden und qualitativ hochwertigen Beratungsangebot” leisten? Ich denke, das geht über unsere Aufgaben hinaus, trotz der Tatsache, dass Beratung unser täglich Brot ist. Was meinen Sie als BibliothekarIn, als Erwachsenenbildner/in, als BildungsberaterIn, …?
Spätestens, wenn die erste Antwort eingeht, führe ich die Rezension zur Broschüre fort. Und das nächste Kapitel beträfe das “Lernen zwischen den Generationen”. Das klingt nach Umsetzungsmöglichkeiten auch für Bibliotheken. Mal sehen/lesen … und bis bald!
Ilona Munique
<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>
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