Lernen im Lebenslauf (III) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 11, 2008

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I) und (II)

Die Präambel der “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (PDF | 632 KB) umfässt vier Seiten und beginnt mit einem klaren Statement:

Das Lernen im Lebenslauf gehört zu den großen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. Die Verwirklichung des Lernens im Lebenslauf ist entscheidend für die Zukunft des Einzelnen, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Sie ist eine vorrangige bildungspolitische Aufgabe.

Der Innovationskreis spricht von der Verantwortung jedes Einzelnen zur Weiterbildung, aber auch von der Verantwortung des Staates, der Unternehmen, Sozialpartner, Verbände, Bildungsträger und öffentlchen Arbeitgeber, für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen. Die Umsetzung der Empfehlungen der Broschüre soll als eine gemeinsame Aufgabe angesehen werden.

Weiter heißt es:

In einer “Weiterbildung mit System” sollte “kein Abschluss […] ohne die Möglichkeit eines Anschlusses zu einer weiteren Qualifizierung bleiben”. Derartige Forderungen sind so alt wie mein Berufsleben – immerhin über ein viertel Jahrhundert.

Bedarfsorientierte Personalentwicklung heißt (auch) fortlaufende Qualifizierung. Lässt sich das im öffentlichen Dienst umsetzen? Reichen die Empfehlungen der Broschüre so weit, dass sich hier ein Licht am Tunnelende ausmachen lässt?

Die Präambel also durchwegs interessant. Und so lasse mich auf die weiteren Kapitel gerne ein. Der Innovationskreis konkretisiert in ihnen seine Empfehlungen und Ziele, für die er sich einsetzen möchte – und dies durchwegs einleuchtend (in Klammern persönliche Gedankensplitter):

  • Motivation und Verantwortung stärken (Empfehlungskapitel 1) durch breit angelegte Kampagnen, in denen für das Lernen im Lebenslauf mit Hilfe Medienpartnerschaften geworben wird. Doch, ein bisschen wird schon etwas sichtbar, siehe 2. Deutscher Weiterbildungstag.
  • Bildungsprämien (in seinen verschiedenen Formen) inklusive Beratungsangebot. Die FobiKom berichtete.
  • Gesetzlich, tariflich und betrieblich abgesicherte Lernzeitkonten. Hier stehen wir wohl noch am Anfang – oder hat einer der werten LeserInnen bereits eine Kontonummer erhalten? Bitte melden.
  • Anerkennung und Akzeptanz für das Lernen im Lebenlauf vertiefen (Kapitel 2), was bedeuten soll, dass nicht nur die formalen Qualifikationen, sondern auch die Kompetenzen zählen, die außerhalb der etablierten Bildungssystem erworben wurden (der derzeitigen Entwicklung eines europäischen Qualifikationsrahmens sei Dank!). Fein, ich sehe hier tatsächlich eine Chance für bibliothekarische SeiteneinsteigerInnen sowie verdienstvolle Ehrenamtliche.
  • Ein gemeinsames Kompetenzverständnis entwickeln. Hm. Ob die Grabenkämpfe zwischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen DiplombibliothekarInnen alsbald endgültig der Vergangenheit angehören? Damit müsste es beginnen …
  • Durchlässigkeit und Verzahnung der Bildungsbereiche ermöglichen (Kapitel 3), und hier begegnet uns wieder die Forderung nach Anschlussmöglichkeiten an einen wie immer gearteten Abschluss. Vorbei sollen auch diese Zeiten sein, als BibliotheksassistentInnen ohne Abitur nach Erreichen ihrer Endstufe motivationslos und frustriert die zweite Lebensarbeitszeithälfte zur Rente ansteuern mussten.
  • Aufstiegsstipendium für begabte AbsolventInnen einer dualen Ausbildung, die ein Hochschulstudium anschließen wollen. Da habe ich doch erst kürzlich …
  • Die Zugänge zum Hochschulsystem und zur wissenschaftlichen Weiterbildung auch für Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung unter Anrechnung ihrer beruflichen Qualifikation erleichtern. Höre ich da einen Aufschrei? Nein? Prima. Denn Fachkräftemangel können wir uns auch/gerade in Bibliotheken nicht erlauben.
  • Wissenschaftliche Weiterbildung – Zertifizierung und Verzierung mit Kreditpunkten. Gute Idee. Was spricht dagegen? Eine Bildung ist eine Bildung ist eine Bildung … und immer wertvoll.

Die Präambel und die ersten drei Kapitel (Empfehlungen) reichen bereits, um Hoffnung für die Fort- und Weiterbildung zu schöpfen. Reine Worthülsen konnte ich nicht ausmachen, allenfalls die eine oder andere Wiederholung. Doch das kann nur nützlich sein. Die nächsten Kapitel in der nächsten Woche – bis dann!

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.