Lernen im Lebenslauf (I) Broschüre des BMBF unter der Lupe

Juli 27, 2008

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung gab unlängst eine Broschüre zur Bildung (PDF, 632 KB) heraus mit dem Titel “Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf” (via Bibliotheksportal, knb).

Die 34-seitige Broschüre im A4-Format offeriert dabei ihre zehn Empfehlungen in einem 23-seitigen Kernteil und kommt dabei sehr gut ohne das Wort Bibliothek / Bücherei aus. :-(

Gut eingefügt hätten sich Bibliotheken, die im Zusammenhang mit Bildung schließlich nicht gerade exotische Institutionen darstellen, beispielsweise auf der Seite 14, rechte Spalte:

Deutschland verfügt über hervorragende Beispiele für das Lernen im Lebenslauf, die breit umgesetzt werden sollten. Initiativen des Bundes und der Länder, der Kommunen, der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und anderer Träger sowie gelungene Einzelinitiativen von Schulen, Hochschulen und weitere Einrichtungen auf regionaler Ebene … müssen mehr in der Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Na gut, wir sind wohl innerhalb der “Kommunen” und “Hochschulen” subsumiert. Auch “Wirtschaft” und “andere Träger” kämen als Deckmantel in Frage, denken wir an unsere vielen OPLs. Oder aber, wir kommunizieren ausreichend, so dass der Passus für uns ohnehin nicht zu gelten braucht.

Und trotzdem, hier ist eine Chance verpasst, Bibliotheken als institutionenübergreifende Bildungsverantwortliche ins Licht der Bildungsöffentlichkeit zu tragen.

Doch Wunder nimmt es nicht, sieht man sich die Auflistung der am Innovationskreis Weiterbildung Beteiligten an. Sehe ich da eine Bibliotheksdirektorin oder einen amtierenden Verbandsvorsitzenden aus unseren Reihen? Fehlanzeige.

Die Zusammensetzung des Innovationskreises Weiterbildung betrachte ich in Kürze im nächsten Teil.

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


Ab Herbst rechnet sich Fortbildung doppelt

Juli 20, 2008

Der Lohn der Fortbildungsmühen lässt zuweilen auf sich warten, doch Bildung rechnet sich bekanntlich immer. Nur – oft bräuchte es etwas früher die notwendigen Mittel, um Bildung bezahlbarer zu machen. Freuen Sie sich deshalb auf den Herbst – die Bildungsprämie steht bereits im Startloch. Gering- und Mittelmaßverdiener können bald ihr Haushaltsloch stopfen.

Konkret: wer mit weniger als einem zu versteuernden jährlichen Einkommen von € 17.900,- (das Doppelte bei Verheirateten) auskommen muss, erhält eine maximale (!) Prämie von € 154,-, um 50 Prozent der Seminarkosten zu finanzieren.

Tipp: Schlaue Fort- und Weiterbildungsanbieter/innen weisen in ihren Ausschreibungen auf die Möglichkeit der Bildungsprämie hin.

Interessant in diesem Zusammenhang die Nennung einer Bagatellgrenze von 30 EUR. Seminare, die weniger kosten, werden nicht mit einem Zuschuss unterstützt. Vielleicht ist dann langsam Schluss mit Dumping-Honoraren für eine hohe Anzahl von Referentinnen und Referenten. Bis sich das allerdings ändert (siehe Debatte zum Mindestlohn), kommen diese wenigstens gleichfalls in den Genuss geförderter Weiterbildungen für den eigenen Bedarf.

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ist, dass aus den angesparten vermögenswirksamen Leistungen vor Ablauf der Sperrfrist von sieben Jahren förderungsunschädlich Geld entnommen werden kann. Wer also Großes vorhat, der greife beherzt auf seine hohe Kante und hole sich sein Erspartes, bevor es sich die Inflation holt. In Bildung ist das Schlummergeld allemal besser angelegt.

Und was ist mit all denen, die besser und noch besser verdienen? Verdienen die denn keinen Bildungskostenzuschuss? Aber ja, und warum auch nicht! Das ist ähnlich wie beim Freibier, das freut doch alle – arm wie reich! ;-)

Besserverdienende profitieren immerhin von Weiterbildungsdarlehen (ähnlich Studienkrediten), die sogar ohne Kreditwürdigkeitsprüfungen vergeben werden.

Mit all diesen (und weiteren) Maßnahmen will die Bundesregierung bis 2015 im Rahmen ihrer “Konzeption zum Lernen im Lebenslauf” (Lebenslanges Lernen) erreichen, dass sich 50% aller Berufstätigen einmal im Jahr eine Fort- und Weiterbildung gönnen.

Das hilft dem Land, denn Bildung rechnet sich … immer!

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

P.S.: Wir förderten zwar ein österreichisches (PDF, 156 KB), nicht jedoch ein deutsches Antragsformular zutage. Wem etwas über den Weg laufen sollte – wir freuen uns auf einen entsprechenden Kommentar oder eine E-Mail-Nachricht. Ansonsten: wir bleiben dran und melden uns …


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