Lernen im Lebenslauf (V) Broschüre des BMBF unter der Lupe

September 8, 2008

Um das “Lernen zwischen den Generationen: Potenziale ausschöpfen” geht es im heutigen Teil V der Rezensionsreihe zur Broschüre (PDF | 632 KB). Im Kapitel 6 der Empfehlungen des “Innovationskreises Weiterbildung” lesen wir:

Das Lernen im Lebenslauf muss auch für die spät- und nachberufliche Phase attraktiv bleiben und weiterentwickelt werden, damit das Wissen und die Kompetenzen der älteren Generation erhalten bleiben. Nur so kann es gelingen, soziale Teilhabe und die Wertschätzung der Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten sicherzustellen,  auch im Interesse der Jüngeren.

Die jüngeren KollegInnen im Berufsfeld Bibliothek interessieren sich durchaus schon aus Eigennutz für die Belange der älteren Generationen, um diese Nutzergruppe an die Bibliothek zu binden bzw. (neu) zu erreichen. Und das nicht erst seit heute. Sie reagieren mit einer entsprechenden Auswahl und Bereitstellung an geeigneten Medien und mit speziellen Programmen auf die Bedarfe älterer Menschen. (Beweisführung siehe Link/Literaturliste unten.)

Dabei schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die Literatur, die sie für Ältere beschaffen, lesen auch jüngere Menschen, so zum Beispiel, um den pflegebedürftigen Eltern helfen zu können oder um Schonkost und Diätküche für sich zu entdecken. (Tiefer Griff in die Schublade, ich weiß.) Ein Yoga-Buch speziell für die Generation Plus ist ebenso interessant für jüngere Menschen, die nicht immer so beweglich sind, wie man es gemeinhin annehmen möchte. Das Thema Rente und die damit verbundenen Sachbücher sind im Zeitalter der Verunsicherungen durchaus ebenso für Berufstätige im mittleren Alter zukunftserhellend (oder eher, verdunkelnd?).

Mit ihrer gezielten Literaturauswahl und den zahlreichen Veranstaltungen für und mit Senioren sind Bibliotheken bereitwillige Erfüllungsgehilfen für die in der Broschüre angeforderten Möglichkeiten von Information, Beratung und ein intergenerationelles Lernen für Ältere.

Empfehlungskapitel 6 (S. 26):

(1) … Weiter sind Möglichkeiten von Information und Beratung für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger auszubauen.

(3) Neue Angebotsformen für das intergenerationelle Lernen müssen weiterverbreitet werden.

Links/Literatur:

Bibliotheksportal “Ältere Leserinnen und Leser” von: knb, Kompetenznetwerk für Bibliotheken, mit vielen weiteren Links zum Thema.

Literatur zur Lebenslage älterer Menschen. Ein Beitrag im Weblog “Nachrichten für öffenliche Bibliotheken in NRW.

Bibliotheksforum 2007 in Straubing: Bunter, älter, weniger: demographischer Wandel und die Bibliotheken (PDF, 249 KB) / Dietmar Wild. In: Bibliotheksforum Bayern, Jg. 2, 2008, H. 1, S. 6-9.

Aktiv im Alter: besondere Angebote für die Generation 60plus in der Stadtbibliothek Duisburg / Jan-Pieter Barbian, Simone Fühles-Ubach. In: BuB, Jg. 60, 2008, H. 6, S. 486-489.

Angebote für Senioren – Beispiel Rödental (PDF, 120 KB) / Michael Scholz. In: Öffentliche Bibliotheken in Bayern (seit 2007 “Bibliotheksforum Bayern”), Jg. 5, 2006, H. 5, S. 20-21.

Forts. von Lernen im Lebenslauf (I), (II), (III), (IV)

Eigentlich wollte ich die einzelnen Empfehlungen stärker zusammenfassen. Doch sehe ich eine Fülle an Anknüpfungspunkten für Bibliotheken in beinahe jedem einzelnen Kapitel, und so scheint mir ein breiteres Vorgehen durchaus gerechtfertigt zu sein. Um so unverständlicher wird mir, warum Bibliotheksvertreter/innen nicht im Arbeitskreis zu finden sind bzw. waren. Aber darüber habe ich mich ja schon ganz zu Anfang ausgelassen … Sei’s drum, wir holen mit dieser Reihe das Versäumnis einfach nach.

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>


Lernen im Lebenslauf (II) Broschüre des BMBF unter der Lupe

August 3, 2008

Unlängst fehlten mir die Bibliotheken [s. Lernen im Lebenslauf (I)], nun sind es die Frauen, die mir ein wenig zu kurz gekommen erscheinen.

Unbestritten sind im Innovationskreis Weiterbildung unter dem Vorsitz von Annette Schavan zahlreiche Größen aus der Bildungslandschaft vertreten: Rolf Arnold, Rita Süssmuth, Reinhold Weiß, … um nur ein paar von 20 ExpertInnen (inklusive der Vorsitzenden) zu nennen.

Und unbestritten ist es auch, dass über die Hälfte der Bevölkerung aus Frauen besteht und sie, oft unausgesprochen, die Hauptverantwortung tragen, wenn es um die Startvoraussetzungen zur Bildungsfähigkeit geht.
Nein, nicht nur, weil sie als Mütter sozusagen hautnah am Kind und Heranwachsenden (und heute oft darüber hinaus) sind, sondern weil sie zudem die überwiegende Anzahl im so genannten “Lehrkörper” stellen – fast zwei Drittel der Lehrkräfte sind Frauen.

Die in den “Innovationskreis Weiterbildung” Berufenen sind sicherlich wohl ausgewählt. Es bleibt jedoch dabei: Ich zähle 14 Männer und 6 Frauen.

Stellt sich die Frage: sind mitsprache- und denkfähige Frauen lediglich zu finden in der Kinder- und Jugenderziehung, jedoch nicht mehr in der (betrieblichen) Weiterbildung, ergo: der Erwachsenenbildung?

Könnte es daran liegen, dass Frauen nach wie vor trotz Quotenregelung und Bildungsmöglichkeiten, trotz Wiedereingliederungsprogrammen nach Elternzeit (sind wir mal ehrlich, es ist immer noch eher eine Mütterzeit), trotz Geburtenrückgang bei gleichzeitigem Ausbau von Kindertagesstätten, … eher selten “verantwortungsvolle Positionen” (aus der Präambel der Broschüre) erreichen und damit eine gewichtige Stimme in der Weiterbildungsszenerie?

Immerhin. Die Vorsitzende des Innovationskreises: eine Frau. (Warum muss Letzteres in diesem Jahrtausend eigentlich noch explizit erwähnt werden?)

Im dritten Teil nehme ich die zehn Empfehlungen zur Weiterbildung genauer unter die Lupe.
Natürlich unter dem subjektiven Aspekt “bibliothekarische Fort- und Weiterbildung”. Wer das nicht abwarten will, hier die Broschüre zur Bildung (PDF, 632 KB) zum Selberlesen.

Ilona Munique

<< “Lernen in Lebenslauf”, Rezensionsreihe zur Broschüre des BMFI: Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf, 2008>>

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