Andreas Borrmann (Lehrer am Gymnasium Altenholz, Mitinitiator des Schulbibliothekstages) moderierte die Schlussrunde, deren Credo die gegenseitige Versicherung eines zu verstärkenden Austausches zum Inhalt hatte.
Dr. Peter Wenners (Direktor des Gymnasiums) sieht die Sinnhaftigkeit der Schulbibliothek in der Kombination von Aufenthalts- und Arbeitsraum sowie Lernwerkstatt. Die Renovierungsmaßnahnen vor einigen Jahren boten am Gymnasium Altenholz eine gute Gelegenheit, dieses weitestgehend zu verwirklichen.
Entwickelt werden soll ein Bibliothekscurriculum unter Einbeziehung der Fachschaft. Eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeindebibliothek könnte die Bereiche „gemeinsame Projekte und Verlinkung der Kataloge“ betreffen, aber auch die „personellen Belange“. Ausgebildetes Bibliothekspersonal bräuchten beide, Schul- wie Öffentliche Bücherei.
Borrmann richtete die Frage an Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, warum dies so schwierig zu bewerkstelligen sei.
Der Direktor der Büchereizentrale Schleswig-Holsteins sieht die Antwort in den verschiedenen Zuständigkeiten. So waren die Schulbibliotheken früher dem Bundesministerium, zwischenzeitlich der Staatskanzlei, nun wiederum dem Bundesministerium zugeordnet, wohingegen die Gemeindebüchereien in der Regel einem kommunalen Unterhaltsträger zugeordnet sind. Aber auch Gemeindebüchereien hätten ähnliche Situationen. Wollten diese mit anderen Büchereien partizipieren, so scheitere dies zuweilen an den verschiedenen Zuständigkeiten „Kommune / Land“. „Schulbibliotheken fallen irgendwie immer durch ein Raster“, konsternierte Lorenzen.
Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen verwies weiter auf die aktuellen Ergebnisse der Umfrage zum Stand von Schülerbüchereien in Schleswig-Holstein (PDF, 732 KB). Die rund 500 Schulbibliotheken seien denkbar schlecht ausgestattet. Lorenzen stellte fest, dass dazu Lösungen gefunden und Zuständigkeiten hergestellt werden müssten. Wie müssen Schulbibliotheken ausgestattet werden? Wie miteinander koordiniert werden? Es gälte, über Kooperationen Redundanzen zu vermeiden und Synergieeffekte zu erzielen. Beispielsweise beträfe dies Landeslizenzen und die Pflege von Bibliothekssystemen.
Lorenzen sprach hier von einem ganzheitlichen Ansatz. Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein würde gern Zuständigkeiten bekommen und möchte eine Schulbibliothekarische Arbeitsstelle einrichten. Schülerbüchereien befinden sich am Rande des Existenzminimums. Dem muss abgeholfen werden.
Herr Borrmann richtet die Frage an Günter Schlamp (Schulleiter a. D., Ehrenvorsitzender der LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V.), wo denn in Hessen die Schwierigkeiten lägen, wo die Stellen, die sich zuständig fühlen sollten?
Schlamp antwortete, dass man auch in Hessen vor 23 Jahren vor einer schwierigen, ungelösten Situation gestanden habe. Mit der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen e. V. hätte man dazumals eine Nichtregierungsorganisation gegründet. In ihr sind 20% der Hessischen Schulen als Mitglied vertreten. Sie verstünden sich als Lobby für Schulbibliotheken unter anderem mit der Aufgabe, sich zu Wort zu melden. Beispielsweise geben sie alle zwei Jahre eine Anfrage an den Landtag ein.
Günter Schlamp plädiert dafür, die staatlichen Leseförderer mit Schulbibliothekar(inn)en zu vernetzen und sich gemeinsam zu Wort zu melden. Ein interessanter Einwurf betraf die „Pädagogische Arbeit“, die schließlich vom Land bezahlt würde, beispielsweise die Pädagogischen Assistenten in Schulen – wie in Rheinland-Pfalz praktiziert. So könne über eine Mischfinanzierung eine Verbesserung des schlechten Zustandes der Schulbibliotheken erreicht werden, dies vor allem im Hinblick auf ausgebildetes Personal.
Auch Frauke Wietzke (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein, IQSH), zuständig für den Bereich der Lehrerfort- und Weiterbildung, plädierte für gute Kooperationen, um Kompetenzen zu Qualifikationen von Schulbibliotheken wechselseitig zu nutzen, denn es wären faktisch keine Ressourcen vorhanden. „Wir überlegen, wie so ein Konzept aussehen könnte und möglicherweise kommt das Geld nach“, so Wietzke. Es bestünden eine Reihe von Fragen:
Wie überzeuge ich meine Schule, meine Kolleg(inn)en von der Notwendigkeit einer Schulbibliothek?
Wie binde ich schulinterne Fachcurricula ein?
Eine konzeptionell begründete Arbeit wäre Voraussetzung, doch wer „malt“ das?
Kathrin Reckling-Freitag meldete sich zu Wort und verwies auf die bereits vorhandene Datenbank mit Adressen von 469 Schülerbüchereien, auf die für weitere Koordinierungs- und Kooperationsabsichten bzw. Informationsweitergaben zukünftiger Partnerschaften zurückgegriffen werden könne.
Weitere Informationen über den 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein unter baseddow1764.
Verfasst von ilonamunique 

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