1. Schulbibliothekstag Schleswig-Hostein (3)

November 9, 2009

Andreas Borrmann (Lehrer am Gymnasium Altenholz, Mitinitiator des Schulbibliothekstages) moderierte die Schlussrunde, deren Credo die gegenseitige Versicherung eines zu verstärkenden Austausches zum Inhalt hatte.

Dr. Peter Wenners (Direktor des Gymnasiums) sieht die Sinnhaftigkeit der Schulbibliothek in der Kombination von Aufenthalts- und Arbeitsraum sowie Lernwerkstatt. Die Renovierungsmaßnahnen vor einigen Jahren boten am Gymnasium Altenholz eine gute Gelegenheit, dieses weitestgehend zu verwirklichen.

Entwickelt werden soll ein Bibliothekscurriculum unter Einbeziehung der Fachschaft. Eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeindebibliothek könnte die Bereiche „gemeinsame Projekte und Verlinkung der Kataloge“ betreffen, aber auch die „personellen Belange“. Ausgebildetes Bibliothekspersonal bräuchten beide, Schul- wie Öffentliche Bücherei.

Borrmann richtete die Frage an Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, warum dies so schwierig zu bewerkstelligen sei.

Der Direktor der Büchereizentrale Schleswig-Holsteins sieht die Antwort in den verschiedenen Zuständigkeiten. So waren die Schulbibliotheken früher dem Bundesministerium, zwischenzeitlich der Staatskanzlei, nun wiederum dem Bundesministerium zugeordnet, wohingegen die Gemeindebüchereien in der Regel einem kommunalen Unterhaltsträger zugeordnet sind. Aber auch Gemeindebüchereien hätten ähnliche Situationen. Wollten diese mit anderen Büchereien partizipieren, so scheitere dies zuweilen an den verschiedenen Zuständigkeiten „Kommune / Land“. „Schulbibliotheken fallen irgendwie immer durch ein Raster“, konsternierte Lorenzen.

Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen verwies weiter auf die aktuellen Ergebnisse der Umfrage zum Stand von Schülerbüchereien in Schleswig-Holstein (PDF, 732 KB). Die rund 500 Schulbibliotheken seien denkbar schlecht ausgestattet. Lorenzen stellte fest, dass dazu Lösungen gefunden und Zuständigkeiten hergestellt werden müssten. Wie müssen Schulbibliotheken ausgestattet werden? Wie miteinander koordiniert werden? Es gälte, über Kooperationen Redundanzen zu vermeiden und Synergieeffekte zu erzielen. Beispielsweise beträfe dies Landeslizenzen und die Pflege von Bibliothekssystemen.

Lorenzen sprach hier von einem ganzheitlichen Ansatz. Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein würde gern Zuständigkeiten bekommen und möchte eine Schulbibliothekarische Arbeitsstelle einrichten. Schülerbüchereien befinden sich am Rande des Existenzminimums. Dem muss abgeholfen werden.

Herr Borrmann richtet die Frage an Günter Schlamp (Schulleiter a. D., Ehrenvorsitzender der LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V.), wo denn in Hessen die Schwierigkeiten lägen, wo die Stellen, die sich zuständig fühlen sollten?

Schlamp antwortete, dass man auch in Hessen vor 23 Jahren vor einer schwierigen, ungelösten Situation gestanden habe. Mit der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen e. V. hätte man dazumals eine Nichtregierungsorganisation gegründet. In ihr sind 20% der Hessischen Schulen als Mitglied vertreten. Sie verstünden sich als Lobby für Schulbibliotheken unter anderem mit der Aufgabe, sich zu Wort zu melden. Beispielsweise geben sie alle zwei Jahre eine Anfrage an den Landtag ein.

Günter Schlamp plädiert dafür, die staatlichen Leseförderer mit Schulbibliothekar(inn)en zu vernetzen und sich gemeinsam zu Wort zu melden. Ein interessanter Einwurf betraf die „Pädagogische Arbeit“, die schließlich vom Land bezahlt würde, beispielsweise die Pädagogischen Assistenten in Schulen – wie in Rheinland-Pfalz praktiziert. So könne über eine Mischfinanzierung eine Verbesserung des schlechten Zustandes der Schulbibliotheken erreicht werden, dies vor allem im Hinblick auf ausgebildetes Personal.

Auch Frauke Wietzke (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein, IQSH), zuständig für den Bereich der Lehrerfort- und Weiterbildung, plädierte für gute Kooperationen, um Kompetenzen zu Qualifikationen von Schulbibliotheken wechselseitig zu nutzen, denn es wären faktisch keine Ressourcen vorhanden. „Wir überlegen, wie so ein Konzept aussehen könnte und möglicherweise kommt das Geld nach“, so Wietzke. Es bestünden eine Reihe von Fragen:

Wie überzeuge ich meine Schule, meine Kolleg(inn)en von der Notwendigkeit einer Schulbibliothek?

Wie binde ich schulinterne Fachcurricula ein?

Eine konzeptionell begründete Arbeit wäre Voraussetzung, doch wer „malt“ das?

Kathrin Reckling-Freitag meldete sich zu Wort und verwies auf die bereits vorhandene Datenbank mit Adressen von 469 Schülerbüchereien, auf die für weitere Koordinierungs- und Kooperationsabsichten bzw. Informationsweitergaben zukünftiger Partnerschaften zurückgegriffen werden könne.

Weitere Informationen über den 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein unter baseddow1764.


1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein (2)

November 7, 2009

schulbibliothekstag_SH_2009Andreas Borrmann, Mitinitiator/Mitorganisator des 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein am 4.11.2009, begrüßte die „Hessische Schulbibliothekslegende“, Günter Schlamp, der das immer gar nicht so gerne hört. Aber wahr bleibt es dennoch ;-)

SchlampGünter Schlamp beschwor in seinem Impulsreferat andere Bilder von Schulbibliotheken herauf, als sie sonst gemeinhin in vielen Köpfen sind. Er zeigte dazu etliche Folien mit „Schulbibliotheks(t)räumen“, die – obgleich kein Touristenziel – dennoch nicht ein trauriges Dasein fristen sollten.

Vier Einstellungen bzw. Vorstellungen zu Schulbibliotheken hat eine englische Untersuchung gezeitigt, berichtete Schlamp. Das liest sich dann so:

1. Da kriegen die Schüler ein gutes Buch, das sie in den Ferien oder nach den Hausaufgaben lesen können

2. Da kann man mal eine/n Schüler/in wegen einer Fagestellung hinschicken

3. Da geh ich mit meiner Klasse rein, wenn ich zusätzliche Quellen brauche

4. Für meinen Unterricht ist die Schulbibliothek unverzichtbar

Es ist klar, dass es dem Referenten, jahrelanger Vorkämpfer für ein fortschrittliches Schulbibliothekswesen, besonders der letzte Punkt angetan hat.

Auf einer E-Learning-Tagung stolperte er über den ketzerischen Titel: „Ist die Schulbibliothek im digitalen Zeitalter überflüssig?“ Ist die multimediale Schulbibliothek auf dem Prüfstand? Sie ist keine Utopie mehr, die Handbibliothek via iphone, die die Schulbibliothek an Strand und ins Kinderzimmer zu verlegen vermag. Heißt das also:

  • Festplatte statt Bücherregal?
  • Zwei ebooks statt 7.000 Bücher?
  • Surfen und Googeln statt Finden?

Das sind doch nicht die Fragen! – so sein halb entsetzter, halb engagierter Ausruf. Nein, es geht um ganz andere Werte!

In Schulbibliotheken geht es viel mehr um:

Lernen und Unterricht in der Schulbibliothek als Steigerung der Schulqualität und um bessere Lernräume in der Schule.

Ein kreativer Unterricht, ein kommunikativer Austausch, Lesen und Schreiben, … und Lesekompetenz wird nicht durch Computernutzung besser. Schlamp macht an einem Beispiel deutlich, dass manches in einem Buch sogar besser erklärt wäre als in einer Google-Treffermeldung.

Der Lernort Schulbibliothek muss 3 Aspekte beachten. Das erscheint zunächst nicht viel, hat es jedoch in sich:

  1. Raum
  2. Medienbestand
  3. Personal

Der Idealfall einer Schulbibliothek wäre:

zu 1. Raum:

Atmosphärischer Begegnungsraum, ausreichend Kommunikationsfläche, Einzel- und Gruppenarbeitsräume, Plenum, Präsentationsfläche, Leseecken, Stillarbeitsräume.

zu 2. Medienbestand:

Die Sachliteratur orientiert sich am Lehrplan, ist in Staffelung vorhanden und eben keine „Bücherschwemme“, wie sie im Grunde in einer Öffentlichen Bibliothek für Verwirrung und -irrung bei Schüler/innen sorgen könnte.

Ein Medienmix aus Intranet, aus Internet-Suchmöglichkeiten und -katalog, aus CD-ROM und DVD, aus Büchern, Zeitschriften und Broschüren und natürlich einem OPAC.

Der Bestandsaufbau sollte unter Themenschwerpunkten erfolgen.

Für Lehrer/innen hat eine Schulbibliothek eine besondere Herausforderung parat. Günter Schlamp formuliert es so:

Wenn Lehrer/innen in die Bibliothek gehen, verlassen sie die Sicherheit des Lehrbuchs.

zu 3. Personal:

Bibliothekar/in – Lehrer/in – Teacher-Librarian!

  • Sie planen gemeinsam den Unterricht
  • Sie unterrichten gemeinsam
  • Sie beraten und unterstützen einander

Ein Unterricht wäre folglich eine Abfolge von Referaten, Projekten, Training von Arbeitstechniken und Recherche.

Klingt traumhaft, oder?

Der Auftaktvortrag zum 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein fand ein interessiertes Publikum, welches viele der Aussagen mit Kopfnicken bestätigte, wie ich von meinem Stehtisch hinter den Reihen gut feststellen konnte. Günter Schlamp mag bereits als Legende bezeichnet werden – von gestern ist er jedoch noch lange nicht, wie sein Vortrag augenfällig bewies. Als „Geburtshelfer“ amtierte er übrigens auch für den 1. Brandenburgischen Schulbibliothekstag 2008. Der zweite SBT steht kurz bevor: in Potsdam am 28.11.2009. Dort würden Sie ihn sicherlich wieder treffen. Lassen Sie sich eine Begegnung mit ihm nicht entgehen, denn wer weiß, wann Günter Schlamp endgültig das Handtuch wirft! Denn so richtig vorwärts bewegt hat sich immer noch nichts in Sachen Schulbibliotheken, so sein Eindruck. Das frustet schon ein wenig, doch sehe ich in den Installierungen von Netzwerken eine große Chance, das Thema Schulbibliothek / Schulbücherei zum unausweichbaren Gesprächsthema zu etablieren. Es liegt an jedem Einzelnen selbst, sich dafür stark zu machen und gemeinsam zum Ziel zu gelangen. Herr Schlamp, bleiben Sie unser Vorbild, bitte!


1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein (1)

November 6, 2009

Über 70 Interessierte trotzten dem Wintereinbruch und folgten dem Aufruf zum 1. Schulbibliothekstag in Schleswig-Holstein am 14.10.2009 im Gymnasium Altenholz bei Kiel. Eine gespannte Erwartung lag über der Schule, die sich nicht nur räumlich, sondern auch über den aktiven Einsatz ihrer Schüler/innen in einen historischen Moment einbrachte. Das Organisatorenteam – allen voran Susanne Drauz („Frau Fleischmann“), Gerhard Günter Schlamp (Hessische Schulbibliothekslegende) und Andreas Borrmann (künftige Legende? Lehrer am Gymnasium) und ein großer Stab an Ordonanzen der 13. Klassen setzten alles daran, dass sich die Teilnehmenden und Referent(inn)en gut betreut fühlten. Über die Eindrücke dieses Tages will ich hier und folgend als geladene Referentin berichten, was auf Grund des eigenen Einsatzes nur sequentiell sein kann.

Stichwort: Einsatz. Ein hoher, persönlicher Einsatz war kennzeichnend für das gesamte Geschehen. Bereits beim gemeinsamen Mittagessen der Protagonisten in der schuleigenen, atmosphärischen Kantine (auf der Homepage noch alte Fotos) erstaunte uns die Tatsache, dass sowohl der berühmte Koch (seines Zeichens Schleswig-Holsteinischer Spargelschnellschälerkönig, wie man mir erzählte) als auch ca. 100 Mütter abwechselnd unentgeltlich bis zu 150 Mittagessen pro Tag kochten und den täglichen Küchendienst verrichteten. In drei Etappen wird hier gegessen und trotz Andrang findert der Koch immer noch die Zeit dafür, die Hallo-Grüße der Hungrigen lachend und winkend zu erwidern. Selten habe ich eine derart harmonische Stimmung in einer Schule erlebt wie in Altenholz, einem – zugegeben– wohlsituierten Ort an der Kieler Schleuse. Diese Stimmung sollte den ganzen Tag auch bleiben.

Zu den fünf Workshops, die zum größten Teil in zwei Durchgängen offeriert wurden, fanden sich höchst engagierte und trotz aller präkeren Schulbibliothekssituationen optimistisch vorwärtsblickende Lehrer(innen) sowie einige wenige Bibliothekarinnen und Bibliothekare ein. Bemerkenswert: Teilnehmende, die sich eher destruktiv äußerten, mussten es sich gefallen lassen, vom Gros der Teilnehmenden belehrt zu werden, man wäre ja schließlich nicht da, um zu jammern, sondern sich Anregungen zur Verbesserung zu holen.

Wie ist die Schulbibliothek nun zu verbessern bzw. welche Instrumente könnten hilfreich sein? Aus dem Programm:

Monika Gumz (OStRin und Bibl.Assessorin, Fachberatung Schulbibliothek, Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, Außenstelle Kassel) bot Erkenntnisse unter dem Titel „Gelingensbedingungen empathischen Lesens“ an. Sie wurde tatkräftig von den ihr zugeteilten Schülerinnen und Schüler unterstützt, die bereitwillig etliche Kisten mit Anschauungsmaterial und Büchern schleppten und somit die knappe Aufbauzeit in den (unterrichtsbedingt erst kurzfristig freiwerdenden) Klassenzimmern wieder wettmachten.

Günter Schlamp (Schuldirektor a. D. und Weblogbetreiber Basedow1764) referierte zu „Arbeitstechniken lernen in der Bibliothek“. Er berichtete in unserer gestrigen abendlichen Ausklangrunde ebenfalls von einem sehr aufmerksamen Publikum, das auf uns alle wie der buchstäbliche „Schwamm“ wirkte, der alles begierig aufsog.

Was tun, wenn der Etat der Schule zu allem, nur nicht zur (faktisch nicht vorhandenen) Schulbibliothek reicht? „Farbe kostet nix“, so die Lösung von Jaqueline von Laak (Dipl. Designerin, Innenarchitektin BDIA, Fachbereich Bibliothekseinrichtung, Büchereizentrale Schleswig-Holstein), zumindest, was die „Gestaltungsebenen für die Schulbibliothek“ betrifft, so der Untertitel.

Zum gleichen Dilemma, was tun, wenn die monetären Mittel fehlen, referierte Ilona Munique (also die Berichterstatterin, zertif. Erwachsenenbildnerin u. a., WEGA-Team) unter dem Thema „Sponsoring? Sponsoring! – Drittmittelbeschaffung für Schulprojekte“ und räumte mit der Fehlinterpretation auf, dass Spende mit Sponsoring gleichzusetzen wäre. Sowohl das Fragezeichen als auch das Ausrufungszeichen im Titel sind mit Kalkül gesetzt. Sponsoring darf Bildungsträger, Staat und Gesellschaft auf keinen Fall aus ihrer Verantwortung entlassen (das ist das Fragezeichen). Sponsoring kann immer nur eine zusätzliche Möglichkeit sein, ein erweiterter Spielraum sowie Hintergrund für Öffentlichkeitsarbeit (das Ausrufezeichen). Ich berichte darüber ausnahmsweise im hauseigenen Weblog.)

Ebenfalls ein kostenschonendes Instrument sind die „Medienboxen der Büchereizentrale Schleswig-Holstein“, vorgestellt von Margit Wachtel (Dipl. Bibl., Schulbibliotheksstelle, BüZ SH). Die Medienauswahl der verschiedenen Themen orientiert sich am Bedarf der Kindergärten, Grundschulen und Orientierungsstufen.

Der „Markt der Möglichkeiten“ in der Aula hielt eine Vielfalt an Informationsmaterialien mit non-kommerziellen Charakter bereit, war folglich keine Firmenausstellung. Beispielsweise war das „Forum Schulbibliothek“ mit einigen Arbeitshilfen vertreten, unter anderem die Publikation zur erste Umfrage zum Stand der Schülerbüchereien (PDF, 732 KB).

Außerdem zu finden: der reichlich bestückte Stand der „Bundeszentrale für politische Bildung“. Mitgenommen habe ich ein Exemplar zur Demokratie in Deutschland, die mir allzu oft verzerrt wahrgenommen oder mit Füßen getreten wird. In Anbetracht der vergangenen Wahlen liegt das Thema ja durchaus noch im Raum.

Zu Anfang und Ende, also den „meets and greets“, dem Impulsvortrag von Gerhard Günter Schlamp „Die Schulbibliothek als Lernort“ sowie zur Podiumsdiskussion mit Vertreter(inn)en unterschiedlichsten Couleurs in Sachen Schulbibliothek, komme ich in den nächsten beiden Blogbeiträgen. Vielleicht auch schon mit Linkergänzung der Veranstalter/innen, die sicherlich in Kürze eigene Beiträge veröffentlichen werden. Ich persönlich schreibe diesen Text gerade auf dem Weg von Kiel nach Flensburg, Treffpunkt unserer dieshalbjährlichen Vereinsausschusssitzung des BIB. Bericht in Kürze – geschrieben wohl auf dem Weg nach Dresden, meinem darauf folgenden Einsatzort.

So ende ich, wie ich begann: mit einem Hoch auf jedwede Einsatzbereitschaft im Ehrenamt, die geprägt ist von erstrebenswerten Verbesserungen unserer Welt, in der wir leben. Und die nicht dadurch geschieht, dass wir jammernd, klagend und schimpfend auf dem Fleck stehen bleiben, sondern uns in einem Netzwerk wiederfinden, welches die Zukunft reissfest zu tragen vermag. Das wünsche ich jedenfalls diesem neuen bzw. erweiterten „Netzwerk Schulbibliotheken“ von Herzen.


1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein

November 5, 2009

Jetzt ist es passiert: Sie sind durcheinander. Schon wieder einer Erster? Ja, richtig gelesen. Gestern am 1. Schulbibliothekstag (PDF, 8 KB) begann auch in Schleswig-Holstein ein neues Zeitalter. Wohin es führen wird, ob sich daraus etwas Positives und Nachhaltiges für Tausende von Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrer/innen entwickeln wird, werden wir beobachten.

Die Hessen haben es vorgemacht. Und – außer Konkurrenz – die Südtiroler. Als ich in meiner Eigenschaft als Trainerin zu einigen der Module für die Ausbildung der dortigen Schulbibliothekarinnen und -bibliothekare entsprechende Vorbereitungen traf, stieß ich lange Zeit nur auf rudimäntere Beispiele vorbildlicher Schulbibliotheksarbeit und -politik in Deutschland. Viel eher nahm ich jedes Mal etwas von Südtirol nach Deutschland mit als umgekehrt. Nun glimmt Hoffnung in mir auf. „Bibliotheken kommen langsam, aber sie kommen!“ – möchte man ausrufen. Und dann fundiert. Hoffentlich. Meistens.

Gestern also ein Anfang. Genauer gesagt, der Anfang breit öffentlichwirksamer Aktionen zur derzeit miserablen und in hohem Maße verbesserungswerten finanziellen, politischen und auch fachlichen Situation von Schulbibliotheken in Deutschland. Möge es gelingen. Für die sprachliche, soziale, wissensbereite, informationskompetente und bildungsfreudige Zukunft unserer Nachkommen. Schulbibliotheken sind ganz sicher der Schlüssel dazu.

Ab morgen berichte ich ausführlicher zu den Vorträgen. Den gestrige Abend verbrachte ich nun doch lieber mit den Initiatoren und Veranstaltern bei einem gemütlichen Nachklapp des Tages. Sehen Sie es mir bitte nach …


The ne(x)t Generation: Schulbibliotheken des 21. Jahrhunderts

November 4, 2009

Zwischen zwei Erstlings-Fachtagungen für Schulbibliotheken, jeweils in Bayern* und Schleswig-Holstein**, bleiben wir beim Thema und machen passenderweise auf eine weitere Fachtagung aufmerksam. Der 30. Österreichische Bibliothekartag fand vor sieben Wochen (15.-18.09.2009) in Graz statt – Titel siehe Headline. Das lesenetzwerk.at hat in zwei Teilen davon berichtet. Da ich in keinem weiteren Blog nennenswerte Hinweise dazu fand (?), erlaube ich mir den etwas verspäteten Nachklapp.*** (Danke, Markus F., für Deine unermüdlichen Postings im HS_Sued!)

Lesenetzwerk.at vom 29.09.2009:

Im Rahmen dieses Bibliothekartags gab es auch ein zweitägiges Bundesseminar für SchulbibliothekarInnen, das sich mit der Zukunft von Schulbibliotheken befasste. Das vielfältige Vortragsprogramm widmete sich folgenden Fragen:

  • Wie sieht die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen tatsächlich aus?
  • Können alle gesellschaftlichen Gruppen mithalten?
  • Wie ist das Verhältnis von Mediennutzung und Lesekompetenz zu verstehen?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich für die Ausstattung und die Serviceleistungen von Schulbibliotheken?
  • Welche neuen Anforderungen bringt die zunehmend digitale Welt für die schulbibliothekarische Arbeit mit sich?

Eine Headline, zu denen uns sofort Monika Schunigl mit ihrem Beitrag zum 1. Bayerischen Schulbibliothekstag einfallen sollte (wir berichteten), lautet: „Lesekompetenz und Migrationshintergrund“ und Migration und Schulbibliotheken“.

Eine weitere Headline im Teil 2 vom 02.10.2009, zu der sich der prekäre Sachverhalt des Wegfalls der Beratungspflicht bei Schulbibliotheksneubauten (seit 2001) in das Bewusstsein drängt (s. Podiumsdiskutant Hermann Ruch, wir berichteten) heißt: „Die integrierte Schulbibliothek“.

Er [d.i. Markus Fritz, Abteilung Deutsche Kultur der Autonomen Provinz Bozen, Südtirol, Amt für Bibliotheken und Lesen] plädierte für das Modell der integrierten Schulbibliothek, die sich im Zentrum des Schulgebäudes befindet. Rundherum angeordnet sind die Klassen, was zu einem regen Austausch führt: Lehrerinnen und Lehrer verlagern Unterricht dorthin, die Bibliothek wird zu einem Lern-, Lese- und Informationszentrum. Schülerinnen und Schüler finden dort attraktive Lektüre, vielfältige Informationen in verschiedenen Medien, kompetente Beratung und einen Ort, an dem sie sich gerne aufhalten.

Südtirol hat also auch noch Träume, trotz der bisher aus deutscher Sicht beneidenswerten Stellung der dortigen Schulbibliotheken. Und wir dürfen gespannt darauf sein, was heute in Schleswig-Holstein geträumt wird!

* 26.10.2009 in Nürnberg (siehe Blogbeiträge ab 28.10.2009 in sechs Beiträgen bis gestern, 03.11.2009)

** Heute, 05.11.2009 in Altenholz bei Kiel, wir werden berichten

*** Nein, der FobiKom-Weblog wird kein Schulbibliotheksweblog. Wir können auch nichts dafür, dass auf diesem Sektor gerade so viel Berichtenswertes geschieht. Doch Fort- und Weiterbildung ist nun einmal themenüberschreitend. Wir schämen uns nicht. Wer jedoch einen echten Schulbibliotheksblog sehen möchte: bitte sehr, basedow1764 wartet schon lange auch auf Sie!


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (VI): die Podiumsdiskussion

November 3, 2009

An der Podiumsdiskussion zur Überschrift „Google, E-Book, Wikipedia – Brauchen wir noch Schulbibliotheken“ unter der charmant-humorvollen, situationsgerecht aber auch „unnachgiebigen“ Moderation von Birgit Dankert nahmen teil: Klaus Dahm, Elmar Hofmann, Eva Homrighausen und Hermann Ruch.

Den lebendigen Austausch der Schlussrunde während des 1. Bayerischen Schulbibliothekstags in Nürnberg 2009 vollständig wiedergeben zu wollen, würde den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen. Dabei sein ist nun mal alles. Doch gebe ich wenigstens Schlaglichter und Zitate in der Reihenfolge des Geschehens wieder – den Rest dürfen Sie sich drumherum denken.

„Die Bibliotheksbilder in den Köpfen vieler Menschen sind zuweilen eher negativ besetzt. Reden Sie daher nicht über die traditionelle Schulbibliothek, sondern über ihre heutige Funktion, zum Beispiel als einem freien Lernort. Benennen Sie sie um, setzen sie andere Bilder in die Köpfe!“

„Schulbibliothek als Größenordnung bewusstbarer machen.“

(Klaus Dahm, Leiter der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen München)

„Man bittet nicht für die Bibliothek, die ist, sondern für die, die sie werden soll.“

(Prof. em. Birgit Dankert,
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)

„Was ist das vielversprechendste Qualitätsmerkmal einer Schulbibliothek? Sie zu einem „Tatort Bibliothek“ zu  machen.“

„Für Schulbibliotheken besteht eine unselige Trennung von Sach- und Personalaufwandsträger.“

„An Metz, den mächad i ah“ [= "Einen Metz möchte ich auch", fränkischer Ausspruch aus den '80ern eines ehemaligen hiesigen Fernsehgeräteherstellers]. Benennen Sie gut funktionierende Schulbibliotheken, die Vorbildfunktion haben. So könnte die Reaktion darauf sein: >Wenn DIE das schaffen, schaffen wir’s auch!<“

(Elmar Hofmann, Gymnasium Münchberg,
Regionalbeauftragter „Leseforum Bayern“)

Auf eine Bemerkung Hofmanns antwortend sprach Dankert sehr zur Erheiterung des Publikums von einer „Aufforderung zur Grenzüberschreitung administrativer Regelungen“.

„Es kommt auf das persönliche Engagement an, sie ist die Basis unseres Erfolges – durch kreative Ideen.“

„Plädoyer für Solidarität: Macht liegt in der Synthese unterschiedlicher Qualifikationen.“

(Dankert)

„Ich kann keinen Beitrag leisten, da es [d.i. das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (SB)] kein Forschungsinstitut ist. Wir stellen lediglich Fragebögen und Leitfäden für Evaluation bereit, werten sie systematisch aus und spiegeln sie an die Schule zurück. Wir sind nur eine nachgeordnete Behörde.“

„Eine Qualitätsagentur würde vergeblich suchen nach >Schulbibliothek als Qualitätsmerkmal [der Schule]<.

„Die Kategorie ‘Schulbibliothek’ ist nicht auffindbar. Die Beratungspflicht bei Schulbibliotheksneubauten fiel 2001 weg und keiner hat es bemerkt.“

„Schulbibliothek als Merkmal zu verankern wäre durchaus noch ein mögliches politisches Ziel für mich.“

„Als Münchner in eingeschränkter Perspektive …“

„Warten Sie nicht auf die große Erlösung, auf die große politische Lösung von oben. Die wird nicht kommen. Was man schulintern machen kann, sollte man machen.“

(Hermann Ruch, ISB, Leseforum Bayern,
auf die Frage Dankerts zur Entwicklung von Qualitätsmerkmalen einer Schulbibliothek.)

„Die Rahmenbedingungen sind besch…, aber wir machen das Beste daraus, zusammen mit unseren Partnern“.

(Eva Homrighausen, Direktorin der Stadtbibliothek Nürnberg)

„Fortbildung nicht an Schülern, sondern an KollegInnen.“

(Hofmann)

Auch wir Zuhörenden wurden aufgefordert, uns zu Wort zu melden und kund zu tun, was wir von diesem Tag mit nach Hause nehmen werden.

Als Vorsitzende der Kommission für Fortbildung lag mir natürlich der hin und wieder aufgetauchte Fort- und Weiterbildungsaspekt am Herzen. Ich rief daher die letzte Zeile der letzten Folie des letzten Vortrages des Forums I (Kummrow: Vom Zettelkasten zum OPAC, wir berichteten) in Erinnerung: „Was wir brauchen: Ausreichende Fort- und Weiterbildung“. Ich bedauerte, dass Frau Dankert ausgerechnet auf den Bereich der Fortbildung und Qualifizierung zeitgeschuldet nur sehr kurz eingehen konnte (zur Ehrenrettung der Kollegin sei anzumerken, dass die Folien hierfür jedoch ausführlich vorbereitet waren!).

Ich nahm für die Fortbildungen innerhalb des Berufsverbandes Information Bibliothek (BIB) als Anregung mit, dass sich unsere Landesgruppen dem Thema „Schulbibliotheken“ stärker annehmen sollten und werde dies entsprechend kommunizieren. Der anschließende zustimmende Beifall gab dem Thema den Stellenwert, den es verdiente.

Ende und Vorschau

Das war’s gewesen – Sie haben tapfer durchgehalten. Mit den Blogbeiträgen saßen Sie quasi fast in der ersten Reihe. Auch, wenn ich die zahlreichen anderen Vorträge leider nicht wiedergeben kann, da ich mich vor Ort schlecht zweiteilen konnte. Eine Zusammenfassung finden Sie seit gestern übrigens auf der ÖBIB-Seite.

Tja, und NACH dem ersten Schulbibliothekstag ist VOR dem ersten Schulbibliothekstag. Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn der nächste „Erste“ findet übermorgen, am 05.11.2009, in Schleswig-Holstein statt. Auch im Norden also eine Prämiere. Und ich darf dabei sein. Als Referentin. Was es zumindest im Hinblick auf die Berichterstattung meines eigenen Vortrages zu Sponsoring einfach macht. Aber auch über die anderen Vorträge werde ich Sie informieren. Sie stolpern also beinahe nahtlos in die nächste Session zum derzeit allgegenwärtigen Thema „Schule und Bibliothek und Schulbibliothek“. Wir fangen Sie gerne dabei auf.


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (V): die Foren (4)

November 2, 2009

Im Forum III zum 1. Bayerischen Schulbibliothekstag, der am 26.10.2009 in Nürnberg stattfand, kamen die Partner von Schulbibliotheken zu Wort. Zum Beispiel die Stadtbibliothek Nürnberg, Mitveranstalterin des historisch bedeutsamen Termins und kompetente Anbieterin von „Serviceleistungen für Schulen und Aktionen“ – so der Titel aus dem Programm.

Die bildreiche PowerPoint-Präsentation von Monika Schunigl (Leiterin der Stadtteilbibliothek St. Leonhard „Villa Leon“ und der Fahrbibliothek) unter Assistenz von Julia Heinz (Leiterin der Stadtteilbibliothek Südpunkt) trug den Titel: „Gemeinsam stärker durch Kooperation: Erfolgreiche praktische Beispiele der Zusammenarbeit von Schule und Bibliothek.“ Bevor ein Feuerwerk von beispielhaften Aktionen die Zuhörenden bis weit in die Pause hinein fesselte, gab Schunigl einen Einblick zur Fahrbibliothek der Stadtbibliothek und in die Vorarbeiten zum Vertrag:

„Vertrag für Fantasie und Wissen“

Eva Homrighausen, die Direktorin der Stadtbibliothek und unter den Teilnehmenden sitzend, sprach von einer Planungs- und Klärungsphase von ca. eineinhalb Jahren, bis der „Vertrag für Fantasie und Wissen“ letztendlich unterschrieben war. Der Vertrag, geschlossen zwischen der Stadtbibliothek mit seiner Fahrbibliothek und (hier versagen meine Notizen. Ich glaube, mich an 22 erinnern zu können, gegoogelt habe ich 14) Grundschulen der Stadt, hat die zum Teil bereits bestehende Zusammenarbeit wesentlich optimiert. Die schulbibliothekarische Arbeitsstelle Nürnberg unter der Leitung von Waltraud Auinger, ebenfalls als Vortragende auf dem Schulbibliothekartag anwesend, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Bestandteile des Vertrags sind beispielsweise:

  • Der Bücherbus erscheint im zweiwöchentlichen Turnus – und zwar pünktlich! Das ist in Anbetracht von verkehrsproblematischen Situationen nicht ganz so einfach, doch andererseits besteht ein fester Zeithorizont von max. 15 Minuten, die die Schulklassen jeweils im Bücherbus zubringen können.
  • Der Bücherbus offeriert einen schulspezifischen, altersgerechten Bestand
  • Bücherkisten unterstützen die Leseförderung in den Schulen
  • Im Bücherbus finden Veranstaltungen zur Leseförderung wie Bilderbuchkinos, Buchvorstellungen und Quizspiele statt. Den Anforderungen an den reichlich eingeschränkten Platz in einem Bücherbus musste mit entsprechender Bestuhlung begegnet werden.
  • Die Schule verpflichtet sich, die Eltern über die Angebote des Bücherbuses zu informieren
  • Die Mitarbeiter/innen der Bücherbusse treffen sich einmal im Jahr mit den Lehrer/innen zum informellen Austausch und für weitere Planungen

Interessanter Aspekt: in den Fahrbibliotheken werden den Grundschülern keine Mahngebühren berechnet. Somit können sich die Erstleser/innen ohne Druck an den Abgaberhythmus gewöhnen und sammeln nicht schon zu Beginn an negative Erfahrungen (wie die Verfasserin hier, die sich nach einer Mahnung nicht mehr in die Fahrbibliothek, damals am Zwernberger Weg haltend, getraute. Erst durch die aktive Mitarbeit als Schülerin in einer Schulbibliothek konnte ein neuer positiver Zugang die angstvolle Erinnerung nachhaltig überdecken.)

Das Spektrum der Stadtbibliothek Nürnberg im Zusammenhang mit Schule und Leseförderung (knappe Stichworte aus dem Vortrag) Den Rest des Beitrags lesen »


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (IV): die Foren (3)

Oktober 31, 2009

Im Forum III zum 1. Bayerischen Schulbibliothekstag versammelten sich die „Partner der Schulbibliothek: ÖB, WB, Medienzentren“. Getrud Geisberg stellte (auch in Vertretung der Kollegin Claudia Hopf) das „Angebot der Wissenschaftlichen Bibliotheken“ – hier der Universitätsbibliothek der Technischen Universität München (TUM) – zur „Informationskompetenz für Schüler“ vor. (Weitere Angebote wissenschaftlicher Bibliotheken in Schulnähe finden Sie unter informationskompetenz.de -> Regionen -> Bayern -> Kontakt für Schulen.)

Die Reform der gymnasialen Oberstufe

Ausgehend von der Reform der gymnasialen Oberstufe, die neben dem nachhaltigen Grundwissen, der breiten Allgemein- und individuellen Profilbildung auch die Wissenschaftspropädeutik zum Ziel hat, sollen methodische, personale und soziale Kompetenzen erlangt werden sowie systematische Studien- und Berufsorientierung über W- und P-Seminare erfolgen.

Wissenschaftspropädeutisches Seminar (W-Seminar)

Die Vermittlung wissenschaftsorientierter Arbeitsweisen erfolgt über die Fach- und Methodenkompetenz für die Hochschule sowie in der Erstellung und Präsentation einer Seminararbeit. Geisberg stellte die Methoden (von der Quellen- und Textarbeit über Exkursion und Expertenreferate bis zum Arbeiten im Team) und die Kompetenzen (vom Recherchieren, Analysieren, Abstrahieren über innovative Lösungen finden und korrektes Arbeiten bis hin zum Zeitmanagement) dar. Der Ablauf eines W-Seminars erfolgt über mehrere Monate und Module, angefangen mit dem 2. Halbjahr der 10. Klasse, in dem die Schüler/innen aus dem Angebot der Schule wählen können,  und endend im 1. Halbjahr der 12. Klasse mit der Abgabe von Seminararbeiten und der Präsentation.

Lernort Bibliothek

Die Bedeutung des Lernorts Bibliothek greift die Schrift des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München (isb) auf: „Die Seminare in der gymnasialen Oberstufe“. Einige Fundstellen darin:

Nach Möglichkeit erfolgen Exkursionen zu wissenschaftlichen Einrichtungen, z. B. zu einer Universitätsbibliothek. (S. 15)

Dem Lern- und Arbeitsort „Bibliothek“ kann und sollte im Rahmen des W-Seminars eine bedeutende Funktion zukommen. Dabei bietet sich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Arten von Bibliotheken an. (S. 17)

Ergänzend zur Schulbibliothek und weiterführend bieten sich die öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken als Lernorte an. (Folie o. S.)

Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminar)

Das praxisorientierte Arbeiten erfolgt ebenfalls über zwei Schienen:  einmal über die Erlangung von Berufswahl- und Berufsweltkompetenz. Diese geht einher mit der Orientierung über Studiengänge und Berufsfelder sowie der Kenntnis über die eigenen Schwächen und Stärken. Zum anderen über eine Projektarbeit in Kontakt mit der Arbeitswelt.

Die Inhalte und Kompetenzen münden letztendlich in die Bereitschaft, sich für eine Studien- bzw. Ausbildungsrichtung zu entscheiden. Besonders angetan hat es mir bei der Auflistung vor allem der Punkt „Bereitschaft zu lebenslangem Lernen“. Sofern nicht bereits in der Schule gelegt, ist zu hoffen, dass hier ein bewusst gesetztes Samenkorn nicht zu spät zur Reife gelangt.

Die Angebote der TUM zur Informationskompetenz

Ausführlich stellte Gertrud Geisberg die Angebote der Universitätsbibliothek der TUM für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrerinnen und Lehrer zur Informationskompetenz dar. Sie reichten von niederschwelligen Angeboten bis zur konzeptionellen Handreichung.

  • Kennenlernen von Bibliotheksbegriffen durch das Online-Spiel Letterheinz
  • 90-minütige  Einführungen in die Bibliotheksnutzung und Literaturrecherche beim Besuch der Teilbibliotheken
  • Eintägige Workshos zur Informationskompetenz, vom Kultusministerium als Fortbildung anerkannt
  • Beispielthemen mit ausgearbeiteten Stundenskizzen und Übungsaufgaben über den „Leitfaden für ein P-Seminar mit der Universitätsbibliothek der TUM als externer Partnerin“ (Claudia Hopf)

Weitere Angebote

Wie bereits eingangs erwähnt, bietet informationskompetenz.de weitere Angebote an. Beispielsweise gibt eine virtuelle Bayernkarte Auskunft über die nächstgelegene (wissenschaftliche) Bibliothek, die sich als Informationskompetenzvermittler versteht. Am Vortag des Vortrags brandneu eingestellt wurde eine beispielhaft übersichtliche Darstellung der Bibliotheken Regensburgs. Gegenübergestellt sind hier das jeweilige Profil der Bibliothek, deren Zielgruppen, Module im Downloadformat sowie die Kontaktdaten (Name, Tel., E-Mail).

Gertrud Geisberg endet mit dem Angebot, sich bei Fragen in Sachen Informationskompetenz jederzeit an die TUM zu wenden. Zwar ist auch die TUM personell nicht üppig ausgestattet, aber kollegiale Hilfe wird so weit es geht sehr gerne geleistet. Sie bittet im Gegenzug darum, etwaige Anregungen zum Thema gleichfalls an sie zu richten.

Der nächste Blogbeitrag, wiederum zum Forum III, befasst sich mit dem Vortrag von Monika Schunigl und Julia Heinz zu den sehr praxisbezogenen, beispielhaften „Serviceleistungen für Schulen und Aktionen“ der Stadtbibliothek Nürnberg. Bis Montag also!


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (III): die Foren (2)

Oktober 30, 2009

Ein weiterer Beitrag innerhalb des Forum I zum Komplex „Schulbibliotheken: Aufbau und Organisation“ am 1. Bayerischen Schulbibliothekstag 2009 erfolgte von Eckhard Kummrow. Vom Zettelkasten zum OPAC lieferte einen kompakten Überblick zu EDV und Internet für einen anzustrebenden reibungslosen Ablauf einer Schulbibliothek.

Für die Abwicklung innerhalb der Aufgabenbereiche der EDV ist zunächst zu entscheiden, welche Installationsarten vorgenommen werden sollen (Einzelplatz, Lokales Netzwerk) und ob OPAC-Anwendungen (Recherche, Selbstbedienungsfunktionen) webbasiert ausgeführt werden sollen oder nicht. Eine Sache der Kosten (weniger stationäre PCs notwendig) und der Mobilität (Arbeiten vom Lehrerzimmer aus) wie auch dem möglichen Zugriff von außen (Schüler/innen recherchieren daheim).

Weitere Punkte waren u. a.: Lizenzarten, die benötigte Hardware, die derzeitig gehandelten 9 Anbieter, eine Checkliste Bibliothekssoftware, Digitale Werke, Arbeitsplatzangebot, Informationsquellen … und eine Auflistung unter der Überschrift:

„Was wir brauchen“ (komplette Darstellung der Folie)

  • Engagierte LehrerInnen
  • Engagierte BibliothekarInnen
  • Ausreichendes Fachpersonal
  • Ausreichendes Raumangebot
  • Ausreichendes Medienangebot
  • Ausreichende finanzielle Unterstützung
  • Ausreichende technische Unterstützung
  • Ausreichende Fort- und Weiterbildung

Auch dieser Beitrag erntete – wie der von Klaus Dahm (wir berichteten) – ein vernehmliches Murmeln aus den Reihen der rund 300 Teilnehmenden, überwiegend Lehrende. Woher nehmen und nicht stehlen? Nun, die Finanzbeschaffung blieb hier vorerst offen, sie war nicht Thema der Sequenz.

Zu letztem Punkt der vorangegangenen Liste: ausreichende Fort- und Weiterbildung, darf man gespannt sein, was sich die Landesfachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen in Bayern einfallen lassen wird, da sie die Betreuung der Schulbibliotheken als zusätzliche Aufgabe übertragen bekommen hat. Genau wie die Schulbibliotheken müssen sie allerdings ebenfalls die angemeldeten Bedarfe ohne nennenswerten Zuwachs an Personal und Etat meistern.

Für die Fortbildungsplanung der BIB-Landesgruppen (nicht nur der bayerischen) sollte das vermehrte Interesse an Schulbibliotheken dazu führen, sich ebenfalls Gedanken um adäquate Themen für Schulbibliothekar(inn)e(n) zu machen. Die zumeist Lehrer/innen sind und von daher eine ganz spezielle und ungewohnte Zielgruppe.

Wünschenswert wäre eine kooperative Absprache zwischen den Landesgruppen und Kommissionen aller Verbände und den Fachstellen bzw. Büchereizentralen sowie den entsprechenden Pädagogischen Instituten. Gemeinsam ließe sich ein breit ausgearbeitetes Curriculum entwickeln, zumindest jedoch eine Verzahnung der Themen. Nun, die Kommission für Fortbildung wird die Fortbildungsanbieter direkt darauf ansprechen und ggf. auch die Mittlerrolle einzunehmen wissen, so gewünscht. Positive Signale aus dieser Richtung wurden während des Schulbibliothekartages bereits gesendet und empfangen.

Morgen lesen Sie über den Beitrag von Gertrud Geisberg und Claudia Hopf zum Thema „Informationskompetenz für Schüler: Angebote der Wissenschaftlichen Bibliotheken“. Bis dann!

[Programm]


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (II): die Foren (1)

Oktober 29, 2009

Nach der Eröffnungszeremonie des 1. Bayerischen Schulbibliothekstag in Nürnberg mit all seinen Reden ging es in die drei Foren.

  • Forum I: „Schulbibliotheken: Aufbau und Organisation“
  • Forum II: „Schulbibliothek und Unterricht“
  • Forum III: „Partner der Schulbibliothek: ÖB, WB, Medienzentren“

Aus dem Forum I:

Beitrag von Klaus Dahm: „So funktioniert die Schulbibliothek: Richtwerte und Standards für die schulbibliothekarische Arbeit“.

Treffend bemerkte der Leiter der Bayerischen Landesfachstellen für das öffentliche Bibliothekswese gleich zu Anfang:

Wenn man nicht weiß, wo man hin will, kann es auch keine Entwicklung geben.

Und er riet:

Nicht den Mangel im Kopf haben!

Dahm stellte 14 Punkte dar, die alle grundlegende Gelingensbedingungen beinhalteten. Von der Aufgabe und dem Bezugsrahmen einer Schulbibliothek über die Bedarfsforderung genügender Fläche mit attraktiver Gestaltung für eine gute Aufenthaltsqualität … bis hin zur qualifizierten Leitung durch sachkundige Mitarbeiter/innen.

Eine Bibliothek, die nicht genügend Fläche hat, ist ein Archiv.

Schüler/innen werden in der Regel nicht in die Schulbibliothek geprügelt. Sie kommen freiwillig. (Voraussetzung ist eine frequentierbare Lage)

Welche Aufgaben hat eine Schulbibliothek, was genau ist sie? Zum Beispiel:

Lernzentrum, Veranstaltungsort, Kommunikationsort, Ort der Leseförderung, Labor für Informationskompetenz, Unterrichtsraum, Medienzentrale, usw.

Dahm riet zur Stärkung der Akzeptanz durchaus auch einmal ein anderes Wort als „Schulbibliothek“ zu wählen.

Varianten von Schulbibliotheken in der Reihenfolge ihrer Größe und Bedeutung sind:

Leseecke -> Schülerlesebibliothek -> Mediothek/Infothek/Lernzentrum -> Schulbibliothek/-mediothek

Dahm wies auf die Möglichkeit hin, dass Katalogisate aus dem Bayerischen Bibliotheksverbund (BBV) bei entsprechener Schnittstelle des Programms sehr nützlich sind. Nicht ganz so einheitlich wie bei Titelaufnahmen geht es hingegen bei der Wahl der Systematik zu. Er empfiehlt hier die SKJ, ASB, SSD sowie Klartextsystematik.

Ein Raunen ging durch die Menge bei der Vorstellung von Zielgrößen und Maßgaben, bzw. der Finanzierung. Vier bis fünf Euro pro Medieneinheit, bezogen auf den Zielbestand, seien zur Bearbeitung und Präsentation der Medien notwendig. Fünf bis zehn Prozent multipliziert mit dem aktuellen Mediendurchschnittspreis seien als jährlicher Erwerbungsetat angemessen. Eine mögliche Finanzierung könnte auch in Form von Spenden, Sponsoring und über Schulaktionen erfolgen.

Das erforderliche Personal benannte Dahm in der Leitung einer Schulbibliothek, sei es als Lehrkraft mit Zusatzausbildung (welcher?) oder einer Fachbibliothekarin bzw. eines Fachbibliothekars plus Lehrkraft („Schulbibliotheksbeauftragte/r“) sowie in der Verwaltung, z. B. einer Verwaltungskraft mit bibliothekarischer Grundausbildung sowie Zusatzkräften wie Minijobber und ehrenamtliche Kräfte.

Dahms Essentials gelungener Schulbibliotheken sind abschließend:

  • ein gutes Konzept
  • Unterstützung durch Schulleitung und Lehrerkolloquium
  • Ausreichende dauerhafte Finanzierung
  • Mitwirkung von Lehrern und Schülern bei der Planung
  • Fachkundige Beratung
  • Integration in den Unterricht in allen Fächern
  • Ein gutes Marketing
  • Zusammenarbeit mit den Bibliotheken am Ort

Morgen mehr zum Forum 1 mit dem Beitrag von Eckhard Kummrow: Vom Zettelkasten zum OPAC.


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (I): die Reden

Oktober 28, 2009

Am Montag, 26.10.2009, dem Internationalen Schulbibliothekstag, erlebten ca. 300 Interessierte einen historischen Moment: den 1. Bayerischen Schulbibliothekstag. 700 Anmeldungen sind eine stolze Zahl und zeigen eindringlich, wie bedeutsam und aktuell das Thema Schulbibliotheken ist. Tagungsort war das vor einem Jahr neu errichtete Bildungszentrum „Südpunkt“ in Nürnberg. Hermann Ruch, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschug (ISB), Leseforum Bayern, stellte in seiner Begrüßung die Überlegung an, ob man für das nächste Mal die Messehalle oder gar das Frankenstadion (für Nicht-Franken: gemeint ist das easycredit-Stadion) anmieten solle.

Neben dem gerade genannten Veranstalter, dem ISB, wurde der Tag gestemmt durch die Mitarbeiter/innen der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen der Bayerischen Staatsbibliothek, allen voran die Außenstelle Nürnberg (Leiterin: Barbara Delcker-Wirth). Weitere Kooperationspartner waren:

  • das Pädagogische Institut der Stadt Nürnberg, PI,
  • die Stadtbibliothek Nürnberg und
  • der Deutsche Bibliotheksverband, dbv

Das Programm bestand aus einer gemeinsamen Eröffnungsveranstaltung und der anschließenden Aufteilung in drei Foren sowie einer Schlussveranstaltung in Form einer Podiumsdiskussion.

Redner/innen am Vormittag waren:

  • Dr. Klemens Gsell, 3. Bürgermeister der Stadt Nürnberg, der an seinen Nachredner, Dr. Marcel Huber die deutliche Botschaft adressierte, die Schulbaurichtlinien dahingehend zu ändern, dass künftig Schulbibliotheksräume mit eingeplant werden.  Gerade im Hinblick auf die neuen Anforderungen der Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuungen sollten Schulbibliotheken geeignete Orte des Aufenthalts für die Schülerinnen und Schüler sein.
  • Dr. Marcel Huber, Staatssekretär des Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultur, der versprach, die Anregung seines Vorredners zu verfolgen. Huber war überrascht über die hohe Anzahl an Anmeldungen und sieht damit die Wichtigkeit des Themas Schulbibliotheken bestätigt. Zu ihm hat sich herumgesprochen, dass es Schulbibliothekstage bereits in Südtirol und Hessen gab sowie in der nächste Woche (ebenfalls zum ersten Male) in Schleswig-Holstein (wir berichteten). Er zählte außerdem eine ganze Reihe von Aufgaben und Funktionen einer Schulbibliothek auf: Erfüllen des Erziehungs- und Bildungsauftrages, Kommunikationszentrum für Schüler(innen), Lehrer(innen) UND Eltern, Lernort zur individuellen Förderungsmöglichkeit und für selbstätige Bildung, multimediales Wissenszentrum und ein Lernort modernen Lernens, wie zum Beispiel über Planspiele, Präsentationen, Diskussionen etc. Huber hat seine Hausaufgaben gemacht. So zitierte er aus dem UNESCO-Manifest der Schulbibliotheken und aus der Colorado-Studie der Queens-Universität. Marcel Huber schloss mit den Worten, dass gut ausgestattete und ansprechend eingerichtete Schulbibliotheken heute unumgänglich sind.
  • Dr. Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek München, erläuterte, dass Schulbibliotheken Schnittstellen zu öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken sind sowie Portale für die weite Welt. Er lobte ausdrücklich die Fachkompetenz der Bibliotheken, die sich auch im Gütesigel „Bibliotheken – Partner der Schulen“ ausdrückt. Allerdings räumte Griebel ein, dass es noch gehörige Anstrengungen bedarf im Sinne seiner Vorredner.
  • Klaus Dahm, Leiter der Fachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen, stellte die „Genese“ des 1. Bayerischen Schulbibliothekstages dar, der eine politische und fachliche Agenda zu Grunde liegt. Kurz und treffend konstaniert er: Mehr Lesen ist mehr Verstehen und leitet  damit über zur Hauptrednerin:
  • Prof. em. Birgit Dankert, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Ihr Eröffnungsvortrag war erwartungsgemäß ein Rundumschlag zur Praxis und den Perspektiven der Bibliotheksarbeit an Schulen unter dem Titel „Bibliothek macht Schule“. Der Kürze der Zeit geschuldet konnte sie über das Kapitel „Ausbildung, Fortbildung, Qualifikation, Kompetenzen“ nur hinwegeilen. Als Zukunftsszenario für die Schulbibliotheken stellt Dankert sich vor „Keiner wird mehr den Unterschied kennen von Schule und Bibliothek!“

Morgen mehr zum 1. Bayerischen Schulbibliothekstag. Bleiben Sie dran.


1. Bayerischer Schulbibliothekstag (IV): die Foren (3)

Oktober 3, 2009

Schunigl