1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein (2)

schulbibliothekstag_SH_2009Andreas Borrmann, Mitinitiator/Mitorganisator des 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein am 4.11.2009, begrüßte die „Hessische Schulbibliothekslegende“, Günter Schlamp, der das immer gar nicht so gerne hört. Aber wahr bleibt es dennoch ;-)

SchlampGünter Schlamp beschwor in seinem Impulsreferat andere Bilder von Schulbibliotheken herauf, als sie sonst gemeinhin in vielen Köpfen sind. Er zeigte dazu etliche Folien mit „Schulbibliotheks(t)räumen“, die – obgleich kein Touristenziel – dennoch nicht ein trauriges Dasein fristen sollten.

Vier Einstellungen bzw. Vorstellungen zu Schulbibliotheken hat eine englische Untersuchung gezeitigt, berichtete Schlamp. Das liest sich dann so:

1. Da kriegen die Schüler ein gutes Buch, das sie in den Ferien oder nach den Hausaufgaben lesen können

2. Da kann man mal eine/n Schüler/in wegen einer Fagestellung hinschicken

3. Da geh ich mit meiner Klasse rein, wenn ich zusätzliche Quellen brauche

4. Für meinen Unterricht ist die Schulbibliothek unverzichtbar

Es ist klar, dass es dem Referenten, jahrelanger Vorkämpfer für ein fortschrittliches Schulbibliothekswesen, besonders der letzte Punkt angetan hat.

Auf einer E-Learning-Tagung stolperte er über den ketzerischen Titel: „Ist die Schulbibliothek im digitalen Zeitalter überflüssig?“ Ist die multimediale Schulbibliothek auf dem Prüfstand? Sie ist keine Utopie mehr, die Handbibliothek via iphone, die die Schulbibliothek an Strand und ins Kinderzimmer zu verlegen vermag. Heißt das also:

  • Festplatte statt Bücherregal?
  • Zwei ebooks statt 7.000 Bücher?
  • Surfen und Googeln statt Finden?

Das sind doch nicht die Fragen! – so sein halb entsetzter, halb engagierter Ausruf. Nein, es geht um ganz andere Werte!

In Schulbibliotheken geht es viel mehr um:

Lernen und Unterricht in der Schulbibliothek als Steigerung der Schulqualität und um bessere Lernräume in der Schule.

Ein kreativer Unterricht, ein kommunikativer Austausch, Lesen und Schreiben, … und Lesekompetenz wird nicht durch Computernutzung besser. Schlamp macht an einem Beispiel deutlich, dass manches in einem Buch sogar besser erklärt wäre als in einer Google-Treffermeldung.

Der Lernort Schulbibliothek muss 3 Aspekte beachten. Das erscheint zunächst nicht viel, hat es jedoch in sich:

  1. Raum
  2. Medienbestand
  3. Personal

Der Idealfall einer Schulbibliothek wäre:

zu 1. Raum:

Atmosphärischer Begegnungsraum, ausreichend Kommunikationsfläche, Einzel- und Gruppenarbeitsräume, Plenum, Präsentationsfläche, Leseecken, Stillarbeitsräume.

zu 2. Medienbestand:

Die Sachliteratur orientiert sich am Lehrplan, ist in Staffelung vorhanden und eben keine „Bücherschwemme“, wie sie im Grunde in einer Öffentlichen Bibliothek für Verwirrung und -irrung bei Schüler/innen sorgen könnte.

Ein Medienmix aus Intranet, aus Internet-Suchmöglichkeiten und -katalog, aus CD-ROM und DVD, aus Büchern, Zeitschriften und Broschüren und natürlich einem OPAC.

Der Bestandsaufbau sollte unter Themenschwerpunkten erfolgen.

Für Lehrer/innen hat eine Schulbibliothek eine besondere Herausforderung parat. Günter Schlamp formuliert es so:

Wenn Lehrer/innen in die Bibliothek gehen, verlassen sie die Sicherheit des Lehrbuchs.

zu 3. Personal:

Bibliothekar/in – Lehrer/in – Teacher-Librarian!

  • Sie planen gemeinsam den Unterricht
  • Sie unterrichten gemeinsam
  • Sie beraten und unterstützen einander

Ein Unterricht wäre folglich eine Abfolge von Referaten, Projekten, Training von Arbeitstechniken und Recherche.

Klingt traumhaft, oder?

Der Auftaktvortrag zum 1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein fand ein interessiertes Publikum, welches viele der Aussagen mit Kopfnicken bestätigte, wie ich von meinem Stehtisch hinter den Reihen gut feststellen konnte. Günter Schlamp mag bereits als Legende bezeichnet werden – von gestern ist er jedoch noch lange nicht, wie sein Vortrag augenfällig bewies. Als „Geburtshelfer“ amtierte er übrigens auch für den 1. Brandenburgischen Schulbibliothekstag 2008. Der zweite SBT steht kurz bevor: in Potsdam am 28.11.2009. Dort würden Sie ihn sicherlich wieder treffen. Lassen Sie sich eine Begegnung mit ihm nicht entgehen, denn wer weiß, wann Günter Schlamp endgültig das Handtuch wirft! Denn so richtig vorwärts bewegt hat sich immer noch nichts in Sachen Schulbibliotheken, so sein Eindruck. Das frustet schon ein wenig, doch sehe ich in den Installierungen von Netzwerken eine große Chance, das Thema Schulbibliothek / Schulbücherei zum unausweichbaren Gesprächsthema zu etablieren. Es liegt an jedem Einzelnen selbst, sich dafür stark zu machen und gemeinsam zum Ziel zu gelangen. Herr Schlamp, bleiben Sie unser Vorbild, bitte!

2 Antworten zu „1. Schulbibliothekstag Schleswig-Holstein (2)“

  1. basedow1764 sagt:

    Liebe Frau Munique,

    das Attribut „Legende“ trage ich mit gemischten Gefühlen, wie man sich denken kann. Gut, dass Sie es neutralisieren, indem Sie in Andreas Borrmann eine zukünftige Legende sehen. Dann bin ich mit der Auszeichnung nicht mehr so alleine. „Sind wir nicht alle ein bisschen …?“ rief Charles Wilp einmal.

    Sie kommentieren zu meinem Eröffnungsvortrag u.a.: „Ein Unterricht wäre folglich eine Abfolge von Referaten, Projekten, Training von Arbeitstechniken und Recherche.“

    Sicherlich ist nicht eine Abfolge im wörtlichen Sinn gemeint. Unterricht in der Bibliothek besteht vor allem in diesen Formen, die sich vom keineswegs zu verachtenden Frontalunterricht durch individuellereres, entdeckendes, fächerübergreifendes Lernen auszeichnen.

    Ich erinnere mich gerne an die – zu kurzen – Gespräche, die wir am Rand dieser schönen Tagung führten.

    Günter Schlamp

  2. Gelungener Start für Schleswig-Holsteins Schulbibliothekswesen « Basedow1764's Weblog sagt:

    [...] Ich bin in der glücklichen Lage, auf Ilona Munique verweisen zu können, die in ihrem Blog fobikom auf mein Eröffnungsreferat eingeht und Fotos gemacht hat. [...]

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