Am Montag, 26.10.2009, dem Internationalen Schulbibliothekstag, erlebten ca. 300 Interessierte einen historischen Moment: den 1. Bayerischen Schulbibliothekstag. 700 Anmeldungen sind eine stolze Zahl und zeigen eindringlich, wie bedeutsam und aktuell das Thema Schulbibliotheken ist. Tagungsort war das vor einem Jahr neu errichtete Bildungszentrum „Südpunkt“ in Nürnberg. Hermann Ruch, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschug (ISB), Leseforum Bayern, stellte in seiner Begrüßung die Überlegung an, ob man für das nächste Mal die Messehalle oder gar das Frankenstadion (für Nicht-Franken: gemeint ist das easycredit-Stadion) anmieten solle.
Neben dem gerade genannten Veranstalter, dem ISB, wurde der Tag gestemmt durch die Mitarbeiter/innen der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen der Bayerischen Staatsbibliothek, allen voran die Außenstelle Nürnberg (Leiterin: Barbara Delcker-Wirth). Weitere Kooperationspartner waren:
- das Pädagogische Institut der Stadt Nürnberg, PI,
- die Stadtbibliothek Nürnberg und
- der Deutsche Bibliotheksverband, dbv
Das Programm bestand aus einer gemeinsamen Eröffnungsveranstaltung und der anschließenden Aufteilung in drei Foren sowie einer Schlussveranstaltung in Form einer Podiumsdiskussion.
Redner/innen am Vormittag waren:
- Dr. Klemens Gsell, 3. Bürgermeister der Stadt Nürnberg, der an seinen Nachredner, Dr. Marcel Huber die deutliche Botschaft adressierte, die Schulbaurichtlinien dahingehend zu ändern, dass künftig Schulbibliotheksräume mit eingeplant werden. Gerade im Hinblick auf die neuen Anforderungen der Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuungen sollten Schulbibliotheken geeignete Orte des Aufenthalts für die Schülerinnen und Schüler sein.
- Dr. Marcel Huber, Staatssekretär des Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultur, der versprach, die Anregung seines Vorredners zu verfolgen. Huber war überrascht über die hohe Anzahl an Anmeldungen und sieht damit die Wichtigkeit des Themas Schulbibliotheken bestätigt. Zu ihm hat sich herumgesprochen, dass es Schulbibliothekstage bereits in Südtirol und Hessen gab sowie in der nächste Woche (ebenfalls zum ersten Male) in Schleswig-Holstein (wir berichteten). Er zählte außerdem eine ganze Reihe von Aufgaben und Funktionen einer Schulbibliothek auf: Erfüllen des Erziehungs- und Bildungsauftrages, Kommunikationszentrum für Schüler(innen), Lehrer(innen) UND Eltern, Lernort zur individuellen Förderungsmöglichkeit und für selbstätige Bildung, multimediales Wissenszentrum und ein Lernort modernen Lernens, wie zum Beispiel über Planspiele, Präsentationen, Diskussionen etc. Huber hat seine Hausaufgaben gemacht. So zitierte er aus dem UNESCO-Manifest der Schulbibliotheken und aus der Colorado-Studie der Queens-Universität. Marcel Huber schloss mit den Worten, dass gut ausgestattete und ansprechend eingerichtete Schulbibliotheken heute unumgänglich sind.
- Dr. Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek München, erläuterte, dass Schulbibliotheken Schnittstellen zu öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken sind sowie Portale für die weite Welt. Er lobte ausdrücklich die Fachkompetenz der Bibliotheken, die sich auch im Gütesigel „Bibliotheken – Partner der Schulen“ ausdrückt. Allerdings räumte Griebel ein, dass es noch gehörige Anstrengungen bedarf im Sinne seiner Vorredner.
- Klaus Dahm, Leiter der Fachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen, stellte die „Genese“ des 1. Bayerischen Schulbibliothekstages dar, der eine politische und fachliche Agenda zu Grunde liegt. Kurz und treffend konstaniert er: Mehr Lesen ist mehr Verstehen und leitet damit über zur Hauptrednerin:
- Prof. em. Birgit Dankert, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Ihr Eröffnungsvortrag war erwartungsgemäß ein Rundumschlag zur Praxis und den Perspektiven der Bibliotheksarbeit an Schulen unter dem Titel „Bibliothek macht Schule“. Der Kürze der Zeit geschuldet konnte sie über das Kapitel „Ausbildung, Fortbildung, Qualifikation, Kompetenzen“ nur hinwegeilen. Als Zukunftsszenario für die Schulbibliotheken stellt Dankert sich vor „Keiner wird mehr den Unterschied kennen von Schule und Bibliothek!“
Morgen mehr zum 1. Bayerischen Schulbibliothekstag. Bleiben Sie dran.
Oktober 29, 2009 um 10:52 |
Herzlichen Dank für Ihre Konferenzberichte! Da ich nicht selbst dabei sein konnte, kann ich auf diesem Weg teilhaben.