Der 11. BIB-Sommerkurs 2008 (I)

Einen Tag und drei Stunden würde man mit dem Bus benötigen, sammelte man alle 17 Teilnehmenden des 11. BIB-Sommerkurses in Deutschland ein, um sie dann nach Freiburg i. Br. zu bringen. Eine Rundfahrt von 2.568 km laut Google-Routenplaner.

Vom 4.-8.8.08 fand sich folglich im Tagungshaus der Katholischen Akademie ein geographischer, aber auch institutioneller Querschnitt durch die bibliothekarische Landschaft ein.

Eine Woche lang wurde über “Fordern und Fördern: Mitarbeiterführung in Bibliotheken vor dem Hintergrund leistungsbezogener Bezahlung” diskutiert und sich intensiv ausgetauscht, Neues in Erfahrung gebracht und Klarheit erlangt.

Ob Stadt-, Fach- oder Kreisbücherei, ob Fachstelle oder Bundesinstitution, ob Hochschul- oder Staatsbibliothek – aus allen genannten Einrichtungen kamen die Fragen und Bedenken zum aktuellen Thema “LOV/LOB”, welche in Freiburg genügend Raum und Zeit hatten, beantwortet und zu einem großen Teil ausgeräumt zu werden.

Ort und Termin waren offenkundig gut gewählt, denn so manche/r Teilnehmer/in kam gerade vom Urlaub oder war auf dem Sprung dorthin. So ein kleiner Schlenker von Österreich über Freiburg nach Leer, bzw. von Nordhorn über Freiburg nach Lanzarote – das hat schon was …

Damit die Urlaubsstimmung nicht schlagartig verloren ging angesichts des anspruchsvollen Themas, bzw. damit sich die Vorfreude auf die kommenden Urlaubsziele einstellen konnte, dafür baute die Veranstalterin (Kommission für Fortbildung) umsichtig vor.

Ulrike Kraß, unsere FobiKom-Kollegin und mit der Organisation des diesjährigen “Sokus” federführend betraut, arrangierte flankierend zum umfangreichen Seminarprogramm einen gelungenen Best-Practice-Exkursionstag ins nahe gelegene Elsass. Im pittoresken Örtchen Sélestat (Schlettstadt) stand zunächst die Besichtigung zweier sehr gegensätzlicher Bibliotheken an: die Humanistische Bibliothek

… und die Médiathèque intercommunale de Sélestat. (Literaturtipp: Dorothee Stahl, PDF, 1,5 MB)

Zur Halbzeit zeigte es sich bereits, dass das Konzept einer einwöchigen Veranstaltung mit einer kurzweiligen Unterbrechung am Mittwoch hervorragend aufging. Die Teilnehmenden hatten zwei Tage lang intensiv gearbeitet und waren froh um die Gelegenheit, das Ganze erst einmal setzen zu lassen, aber auch, sich im Bus oder während der Mittagspause im Restaurant La Vieille Tour in Sélestat über das bisher Gehörte und Erlebte ausgiebig zu unterhalten und es zu reflektieren, bevor es in die nächsten zwei Seminartage ging.

Generell sind Besichtigungen von Bibliotheken fachlich nicht zu unterschätzen. Der Argwohn, die Reisenden würden sich auf Staats- bzw. Steuerkosten lässig zurückgelehnt berieseln lassen, ist völlig fehl am Platz. Der Berufsverband Information Bibliothek würde einen reinen Bespaßungstag ganz sicher nicht goutieren. Im Gegenteil – für manche Landesgruppen ist eine Exkursion ein traditioneller, fester Bestandteil ihrer Fortbildungsarbeit, die kaum jemand missen möchte. Trefflich lässt sich manche Frage im direkten Austausch beantworten bzw. diskutieren, und die Soku-Teilnehmenden nutzen dies ausgiebig:

Funktioniert eine französische Bibliothek wesentlich anders als eine deutsche? Welche Mediengruppen erfahren bei französischen Bibliotheken einen Rückgang? Wie reagiert man hierzulande darauf? Werden Hörbücher genau so gut angenommen wie bei uns? Welche Bevölkerungsschichten nehmen die Dienste der Bibliotheken wahr? Welches Nutzungs- und Raumkonzept liegt den Bibliotheken zugrunde? Ist RFID geplant oder (noch) kein Thema?

Die mitunter sehr detailliert gestellten Fachfragen wurden vom Leiter der Mediatheque, Directeur Philippe Lutz, geduldig beantwortet. In der Humanistischen Bibliothek mangelte es leider an bibliothekarischem Personal (Urlaubszeit?), doch die Fremdenführerin hatte uns doch recht sachkundig die wertvolle und einmalige Sammlung von Handschriften und Inkunabeln vorgestellt. Hier wie dort – ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter den Kolleginnen und Kollegen, die mit vielen neuen Anregungen nach Hause kommen werden.

Doch vorher noch g’schwind die (leicht abgekürzte) Weinprobe in der Weinkellerei Schaeffer-Woerly in Dambach-La-Ville und den “Flammkuchen bis zum Abwinken” in Scherwiller im Département Bas-Rhin (wir übten auch “Haut-Rhin” ohne Wäscheklammer auf der Nase). Diese kullinarischen Ausflüge wollen wir nicht verschweigen. Es gab schließlich keinen Grund, eine öffentliche Mensa aufzusuchen. ;-)

Dazwischen erstürmten wir die Haut-Koenigsbourg (Hohkönigsburg), die gerade ein Jubiläum feierte. Der Grund, warum sich die Besuchermassen stauten und sich trotz des rießigen Burgkomplexes leider nicht verliefen. Das ließ in der Folge unseren Zeitplan ein wenig durcheinander geraten, wurde jedoch vom servicefreundlichem Busunternehmen Dresmann bzw. seinem “Kutscher Martin” mit Bravour mitgetragen. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle für einen stressfreien Tagesausklang!

Zu den Inhalten des Seminars soll an anderer Stelle berichtet werden, z.B. in der Fachzeitschrift BuB, Forum für Bibliothek und Information. Wir wollen in diesem Weblog vielmehr auf die Rahmenbedingungen, die besondere Lernform sowie die Organisationsleistungen eingehen, die mit dem Konzept “BIB-Sommerkurs” einhergehen.

Dazu mehr in der nächsten Folge. Und wieder mit einer kleinen Bildergalerie (nicht nur) vom Rahmenprogramm.

(Zur Ausschreibung | Zum Teil I | Zum Teil II | Teil III | Ende)

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