Nützliche Gadgets, wie die kleinen Zusatzanwendungen für die PC- Benutzeroberfläche genannt werden, gibt es viele: Das regionale Wetter, das persönliche Horoskop, die neusten Witze oder die Uhrzeit sind bei deutschen PC-Nutzern, die Google als Startseite mit den interaktiven Web 2.0 Werkzeugen individualisieren, der Renner. Als erste Hochschule ermöglicht jetzt die britische Open University (OU) kostenlos den freien Zugang zu Universitätsmodulen als tagesaktuelles Gadget. Sobald der PC-Nutzer seine Google-Seite aufruft, sieht er in einem kleinen Kasten den „Fakt des Tages“ der Open University mit einem täglich wechselnden Kursthema. Wer die kurz angekündigten Inhalte aus Wirtschaft, Business Management, Naturwissenschaften, IT, Computer, Mathematik, Technik, Kunst, Literatur oder Geschichte interessant findet, ruft sie auf. In den englischsprachigen digitalisierten Lerneinheiten können Interessierte einzelne Module am PC erarbeiten und so ihr Wissen erweitern. Weitere 215 Einzelthemen aus rund 170 Fachbereichen warten nur darauf, ohne Umwege über iGoggle im OpenLearn-Portal der Universität erschlossen zu werden. Die kostenlose Installation des OU-Gadgets dauert nur wenige Sekunden und ist direkt nach Registrierung auf der iGoogle-Homepage unter www.google.com/ig anwendbar. Mit dieser neuen technischen Anwendung möchte die Open University ihrer Vision des offenen, selbstbestimmten Online-Lernens einen weiteren Schritt näher kommen.
[via idw-online]
Der Homepage der OU kann man entnehmen, wie das geht: Man legt sich einen Account bei Google an, geht dann auf die „Startseite“ iGoogle (um Sucherei zu vermeiden, gibt man einfach http://www.google.de/ig ein, wenn man eingeloggt ist), dann hat man rechts die Option „Gadgets hinzufügen“, sucht nach „open university“ und fügt dann das Gadget „Fakt des Tages“ von der Open University ein.
Wenn man dann den Inhalt des Gadgets anschaut , dann ist das ein „Bißchen“ aus dem offenen Angebot eines Kurses, den man anklicken kann. Man hat also solchermaßen einen täglich aktualisierten „Appetizer“ zum großen, frei zugänglichen Kursprogramm der Open University, welches man auch systematisch durchsehen und jeweils per RSS abonnieren kann.
Soweit das aktuelle Beispiel. Was können wir daraus lernen? Ich denke dreierlei:
1. kann man ziemlich umfangreiche Angebote wie dieses frei zugängliche eLearning-Angebot „herunterbrechen“ auf kleine Appetithäppchen, welche die Annäherung an die umfangreicheren Inhalte erleichtern und somit die Zugangsschwelle senken.
2. kann man diese Häppchen in einer Art und Weise anbieten, welche den Nutzern entgegenkommt. Gut: Wer hat eine Google-Startseite? Es müßten vielleicht mehr Möglichkeiten, das zu abonnieren, angeboten werden (auf jeden Fall RSS, das in viele Kontexte eingebunden werden kann), aber das kann ja noch kommen.
3. (vielleicht eine Wiederholung) kann man die unterschiedlichsten Inhalte versuchen, in kleinen Teilen und unterhaltsam anzubieten, seien es Neuerscheinungen, Rechercheschritte und anderes. Wir denken oft zu systematisch und bedenken nicht, dass der Mensch auch unterhalten werden will. Wenn man ein Händchen dafür hat, Inhalte auch in kleine Meldungen zu verpacken und diskursiv zu formulieren, dann ist das ein weiterer „Kommunikationskanal“ zu den Nutzern von Bibliotheken.
Und – um dies zum Schluß zu betonen – die Kurse der Briten sind allererste Sahne, da kann man nur lernen, wie das aufgebaut und technisch umgesetzt ist. Im Buch von Brown/Duguid „The Social Life of Information“ kann man lesen, dass die Briten schon im ausgehenden 19. Jahrhundert das „distance learning“ optimierten (es mußten die Distanzen des Commonwealth überbrückt werden!), während wir hier in Deutschland da meilenweit hinterherhinken und Spezialinstitute wie das Deutsche Institut für Fernstudien (DIFF) rechtzeitig vor dem Boom des eLearning zugemacht wurde (es ist übrigens noch nicht einmal einen Wikipedia-Artikel wert …).
Verfasst von jplie