Ich habe gerade im Weblog Tame the Web einen Beitrag von Lee Leblanc mit dem Titel “Creating Learning Structure: open or closed?” gelesen, in welchem er die Kolleginnen und Kollegen auffordert, Abschied von den proprietären Systemen, sprich: Lernplattformen zu nehmen und offene, auf verschiedenen sozialen Diensten beruhende Lernsysteme einzurichten. Mit im Boot: Weblogs der Studierenden, des Dozenten, eine Linksammlung des Kurses auf del.icio.us und ein Kursweblog, dazu noch die Profile der Kursteilnehmer und des Dozenten auf dem sozialen Forum Facebook und ein Kursprofil in Facebook. Das ist recht gut in einer auf flickr abgelegten Grafik zu sehen.
Das macht mich nachdenklich, denn komischerweise bin ich in letzter Zeit öfter aufgefordert worden, das Skript zu meinem Recherchekurs (das verlinke ich hier nicht, denn es müßte gründlich entrümpelt werden), das ich schon immer offen, nämlich als Webseite und PDF-Dokument angeboten hatte, doch in eine geschlossene Lernplattform zu überführen. Wahrscheinlich steckt dahinter die Gewöhnung an solche Dienste, die im universitären Bereich meist aus dem Grund geschlossen sind, die enthaltenen Dokumente urheberrechtlich zu schützen. Warum man aber freie Inhalte deshalb einzäunen soll, das will mir nicht in den Kopf!
Weiter kann man an dieser Grafik aber noch etwas ablesen: Die Kolleginnen und Kollegen drüben in den USA haben keinerlei Schwierigkeiten, sich das Lernen in einem Netz verschiedener Dienste der sozialen Software und verteilter Repräsentanzen der Kursteilnehmer zu denken. So, wie sie ganz selbstverständlich nicht in monolithischen Webrepräsentanzen von Bibliotheken gedacht haben und munter Weblogs bei Blogspot und anderswo angelegt haben, so munter denken sie die verschiedenen Repräsentanzen zusammen, die für die Dauer des Kurses von einem Profil oder auch einem Mashup der RSS-Feeds der verschiedenen Teilnehmer/innen zusammengefaßt werden. – Während an deutschen Universitäten noch darüber nachdenkt, wie man die Studierenden einfangen kann mittels proprietärer E-Mail-Adressen und Angeboten, die man ihnen, kaum sind sie exmatrikuliert, dann wieder entreißt, nehmen die amerikanischen Kolleginnen und Kollegen den Benutzer ernst, holen ihn dort ab, wo er seine Repräsentanz hat (Facebook!), gibt ihm noch ein paar weitere Instrumente an die Hand (WordPress! Delicious!) und arbeitet einfach damit.