Internet und Wissen – nicht wirklich synonymisch, ganz sicher jedoch im selben Bezirk liegend. Egal, welchen Weg (bzw. welche Publikation) man ein(auf)schlägt – sie kreuzen einander. Zwei Publikationen sind mir dabei über den Weg gelaufen. Gehen Sie doch ein bisschen mit …
(Lernen2.0 | 9: Spaß mit Generatoren / created by: imagechef.com)
Wie das Internet unser Leben, unsere Kultur und unsere Gesellschaft beeinflusst und verändert, war Bestandteil der “Zeit Internet Spezial”-Sonderhefte in drei Teilen (erschienen 30.4.08| 8.5.08 | 15.5.08, s.a. die Online-Übersicht). Zur Erinnerung:
Im Heft “Gesellschaft” (Teil III) gerade mal magere drei Kapitel zu Bildung – gegenüber sieben zur Kunst oder vier zu Spiele. Bezeichnend, dass auch die Beiträge zur Zukunft nicht über die Anzahl von … einem (!) Beitrag hinausging.
Mit gemischten Gefühlen erfuhr ich also in der Rubrik Bildung etwas zu:
- “Klicken, googlen, raubkopieren: Die Onlinewelt verändert unsere Sprache und unser Denken” und dass “zu viel an Information … körperliche Krankheiten hervor[ruft]” (von Evelyn Finger: “Verzettelt im Netz”, S.10f)
- “Wie das Internet unsere Schulen und Universitäten verändern wird” und dass “der weltweite Kampf um zahlende Studenten… zum Vernichtungswettbewerb führen [kann]” (von Thomas Kerstan: “Seminar beim Avatar”, S. 12f)
- “Wie man sich beim Surfen verliert, so wie damals, als Kind” und dass das Internet ein “riesiges Kaufhaus” ist (von Henning Sussebach: “Hinter Kuppen”, S. 13)
Was letzteres mit Bildung zu tun hat, erschloss mir der Artikel nicht, dessen Autor in Spaziergängen und Hüpfern durchs Internet streunt. Vielleicht mangelt es mir ja an Besagtem?
Ich hätte dieser Serie wohl nicht weiter Beachtung geschenkt. Sie fiel mir jedoch wieder ein, als ich kürzlich aufgrund einer Literaturempfehlung in FobiKoms Blogeintrag das Themenheft Wissen im Web bestellte (als PDF (4 MB) war mir UNESCO heute 1/2008 (Link zur Übersicht, noch kein Download!) dann doch zu mühsam zu lesen).
Während die ZEIT-Serie viele Antworten gab auf Fragen, die ich (so) nicht gestellt hätte, wirft das UNESCO-Heft mehr Fragen auf, als es beantworten kann:
- “Welche Chancen bietet das Web 2.0?” fragen sich die Autoren im Artikel “Niederschwelliger Zugang zu beruflicher Bildung” und sie schätzen die “zweifellos vorhandenen Möglichkeiten einer konstruktiven Nutzung der Neuen Medien” ähnlich ein, wie man es sich vom Radio und Fernsehen als “eine nachhaltige Öffnung der Bildung für breitere Schichten” erhoffte – als eher gering. Und dennoch … sie sind – analysiert und zielgerichtet – “in den Bildungsprozess einzubeziehen”. (Uwe Hochmuth / Michael Mangold, S. 23ff)
Doch trotz vieler offener Fragen, oder auch gerade deshalb, steigerten die Artikel mein Interesse und die Neugier am Wissen im Web erheblich mehr als die ZEIT-Serie, die mich eher abschreckte und leicht frustriert zurück ließ bzw. -stieß. Kann sein, dass es in der ZEIT-Serie an Beispielen mangelte, die meine Lebens- und Arbeitswelt betrafen, also die dort eingenommene Perspektive mich nicht mit in den Fokus nahm.
Was nun hat es Besonderes auf sich, dass mich das UNESCO-Heft weitaus mehr ansprach? Ganz klar, mindestens war es dieser Artikel:
- Barbara Lison zur “Rolle der Bibliotheken im Internetzeitalter” und dass “die Vermittlung des Zugangs zu allen Medienformen und Inhalten … die zentrale Funktion der Bibliotheken im Internetzeitalter [ist]“, und auch die “Teaching Library” kommt darin vor (S. 37ff)
Ebenso traf mich der Fokus auf Wissenserwerb, Wissensvermittlung und somit Förderung der Wissensgesellschaft mitten in mein neugierig gebliebenes, mutiges und lebenslang lernendes Herz. Dem Themenkreis “Bildung” zuzuordnende Artikel gab es da mehrere, beispielsweise:
- “E-Learning und Entwicklungszusammenarbeit”, der die “Lern- und Kommunikationstechnologien [als] eine Chance für alle” beschwört und im E-Learning einen unvermeidlichen Erfolg (”unavoidable success”) sieht. Letzeres stammt aus dem Mund bzw. den Mündern zweier Dozenten der Universität Addis Abeba während der Online Educa Berlin 2008 (Podlacha, Günter / Til Schönherr, S. 69ff)
Und zu guter Letzt ein Schwenk direkt hinein in das offene Forum zur Fort- und Weiterbildung, dem FobiKom-Blog, und der (bisher ein wenig zu kurz gekommenen) Möglichkeit zur Darstellung und Diskussion von Bildungstheorien. (Anmerkung: das Sommer(Seminar)loch wird kommen, und mit ihm mehr Zeit für dieses Thema.)
- “Persönliches Wissensmanagement”, “Personales Wissen” und “Welchen Einfluss nimmt das Internet?” Wieder viele Fragen … “Ist unsere Gesellschaft eine Wissensgesellschaft oder nur eine Informationsgesellschaft?” Ich las über begriffliches, bildhaftes und enaktives Wissen – ganz richtig, nicht in-aktives Wissen. Interessante Unterschiede, die eingängig in aller Kürze erklärt wurden im Artikel “Wissen und Information im Zeitalter des Internets” (von Gabi Reinmann, S. 12ff)
P.S.: Der 30. April 1993 wird im Editorial des UNESCO-Heft als Geburtsstunde des Browsers bezeichnet. Das World Wide Web existiert also seit 15 Jahren. Rund ein Fünftel der Weltbevölkerung nutzt es angeblich. Die Frage ist nur: WIE?
Wie nutzen SIE das Internet im Bezug auf Wissen? Oder anders gefragt: Wie wichtig ist es Ihnen auf der Skala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (nicht wichtig) für den Wissenserwerb? Das würde mich interessieren.
