An der Podiumsdiskussion zur Überschrift „Google, E-Book, Wikipedia – Brauchen wir noch Schulbibliotheken“ unter der charmant-humorvollen, situationsgerecht aber auch „unnachgiebigen“ Moderation von Birgit Dankert nahmen teil: Klaus Dahm, Elmar Hofmann, Eva Homrighausen und Hermann Ruch.
Den lebendigen Austausch der Schlussrunde während des 1. Bayerischen Schulbibliothekstags in Nürnberg 2009 vollständig wiedergeben zu wollen, würde den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen. Dabei sein ist nun mal alles. Doch gebe ich wenigstens Schlaglichter und Zitate in der Reihenfolge des Geschehens wieder – den Rest dürfen Sie sich drumherum denken.
„Die Bibliotheksbilder in den Köpfen vieler Menschen sind zuweilen eher negativ besetzt. Reden Sie daher nicht über die traditionelle Schulbibliothek, sondern über ihre heutige Funktion, zum Beispiel als einem freien Lernort. Benennen Sie sie um, setzen sie andere Bilder in die Köpfe!“
„Schulbibliothek als Größenordnung bewusstbarer machen.“
(Klaus Dahm, Leiter der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen München)
„Man bittet nicht für die Bibliothek, die ist, sondern für die, die sie werden soll.“
(Prof. em. Birgit Dankert,
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
„Was ist das vielversprechendste Qualitätsmerkmal einer Schulbibliothek? Sie zu einem „Tatort Bibliothek“ zu machen.“
„Für Schulbibliotheken besteht eine unselige Trennung von Sach- und Personalaufwandsträger.“
„An Metz, den mächad i ah“ [= "Einen Metz möchte ich auch", fränkischer Ausspruch aus den '80ern eines ehemaligen hiesigen Fernsehgeräteherstellers]. Benennen Sie gut funktionierende Schulbibliotheken, die Vorbildfunktion haben. So könnte die Reaktion darauf sein: >Wenn DIE das schaffen, schaffen wir’s auch!<“
(Elmar Hofmann, Gymnasium Münchberg,
Regionalbeauftragter „Leseforum Bayern“)
Auf eine Bemerkung Hofmanns antwortend sprach Dankert sehr zur Erheiterung des Publikums von einer „Aufforderung zur Grenzüberschreitung administrativer Regelungen“.
„Es kommt auf das persönliche Engagement an, sie ist die Basis unseres Erfolges – durch kreative Ideen.“
„Plädoyer für Solidarität: Macht liegt in der Synthese unterschiedlicher Qualifikationen.“
(Dankert)
„Ich kann keinen Beitrag leisten, da es [d.i. das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (SB)] kein Forschungsinstitut ist. Wir stellen lediglich Fragebögen und Leitfäden für Evaluation bereit, werten sie systematisch aus und spiegeln sie an die Schule zurück. Wir sind nur eine nachgeordnete Behörde.“
„Eine Qualitätsagentur würde vergeblich suchen nach >Schulbibliothek als Qualitätsmerkmal [der Schule]<.
„Die Kategorie ‘Schulbibliothek’ ist nicht auffindbar. Die Beratungspflicht bei Schulbibliotheksneubauten fiel 2001 weg und keiner hat es bemerkt.“
„Schulbibliothek als Merkmal zu verankern wäre durchaus noch ein mögliches politisches Ziel für mich.“
„Als Münchner in eingeschränkter Perspektive …“
„Warten Sie nicht auf die große Erlösung, auf die große politische Lösung von oben. Die wird nicht kommen. Was man schulintern machen kann, sollte man machen.“
(Hermann Ruch, ISB, Leseforum Bayern,
auf die Frage Dankerts zur Entwicklung von Qualitätsmerkmalen einer Schulbibliothek.)
„Die Rahmenbedingungen sind besch…, aber wir machen das Beste daraus, zusammen mit unseren Partnern“.
(Eva Homrighausen, Direktorin der Stadtbibliothek Nürnberg)
„Fortbildung nicht an Schülern, sondern an KollegInnen.“
(Hofmann)
Auch wir Zuhörenden wurden aufgefordert, uns zu Wort zu melden und kund zu tun, was wir von diesem Tag mit nach Hause nehmen werden.
Als Vorsitzende der Kommission für Fortbildung lag mir natürlich der hin und wieder aufgetauchte Fort- und Weiterbildungsaspekt am Herzen. Ich rief daher die letzte Zeile der letzten Folie des letzten Vortrages des Forums I (Kummrow: Vom Zettelkasten zum OPAC, wir berichteten) in Erinnerung: „Was wir brauchen: Ausreichende Fort- und Weiterbildung“. Ich bedauerte, dass Frau Dankert ausgerechnet auf den Bereich der Fortbildung und Qualifizierung zeitgeschuldet nur sehr kurz eingehen konnte (zur Ehrenrettung der Kollegin sei anzumerken, dass die Folien hierfür jedoch ausführlich vorbereitet waren!).
Ich nahm für die Fortbildungen innerhalb des Berufsverbandes Information Bibliothek (BIB) als Anregung mit, dass sich unsere Landesgruppen dem Thema „Schulbibliotheken“ stärker annehmen sollten und werde dies entsprechend kommunizieren. Der anschließende zustimmende Beifall gab dem Thema den Stellenwert, den es verdiente.
Ende und Vorschau
Das war’s gewesen – Sie haben tapfer durchgehalten. Mit den Blogbeiträgen saßen Sie quasi fast in der ersten Reihe. Auch, wenn ich die zahlreichen anderen Vorträge leider nicht wiedergeben kann, da ich mich vor Ort schlecht zweiteilen konnte. Eine Zusammenfassung finden Sie seit gestern übrigens auf der ÖBIB-Seite.
Tja, und NACH dem ersten Schulbibliothekstag ist VOR dem ersten Schulbibliothekstag. Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn der nächste „Erste“ findet übermorgen, am 05.11.2009, in Schleswig-Holstein statt. Auch im Norden also eine Prämiere. Und ich darf dabei sein. Als Referentin. Was es zumindest im Hinblick auf die Berichterstattung meines eigenen Vortrages zu Sponsoring einfach macht. Aber auch über die anderen Vorträge werde ich Sie informieren. Sie stolpern also beinahe nahtlos in die nächste Session zum derzeit allgegenwärtigen Thema „Schule und Bibliothek und Schulbibliothek“. Wir fangen Sie gerne dabei auf.